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Soja im Dauertrend

Soja zählt weltweit zu den wichtigsten Nutzpflanzen. Sojaprodukte sind nicht nur in Asien, sondern auch hierzulande mittlerweile sehr beliebt. In erster Linie dient Soja aber als Futtermittel. Der gigantische Sojaanbau in Südamerika treibt jedoch den Klimawandel voran und birgt weitere erhebliche Risiken für die Umwelt.
Annette Immel-Sehr
11.06.2021  08:30 Uhr

Die Sojabohne gehört zur Familie der Hülsenfrüchte. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Ostasien, doch gibt es heutzutage zahlreiche Sorten, die in den gemäßigten Zonen Nordamerikas und Europas gut gedeihen. Die einjährige Pflanze wächst meist buschig etwa einen Meter hoch. In den Blattachseln stehen kleine, in Trauben angeordnete weiße oder hell-lila Blüten. Die zwei bis zehn Zentimeter langen Hülsenfrüchte enthalten – je nach Sorte – etwa fünf gelbe, braune oder schwarzviolette Samen, die Sojabohnen.

Inhalt hochwertig

Sojabohnen sind reich an wichtigen Nährstoffen. Vor allem ihr hoher Protein- und Fettgehalt macht sie als Lebensmittel und auch als Futtermittel so bedeutsam. Sojabohnen enthalten mit einem Anteil von rund 40 Prozent wesentlich mehr Eiweiß als andere Hülsenfrüchte. Aufgrund der Zusammensetzung der essenziellen Aminosäuren ist es zudem sehr hochwertig. Das Öl enthält gesundheitsfördernde Fettsäuren wie alpha-Linolensäure und Linolsäure. Auch der Anteil an Magnesium, Calcium, Eisen, Zink und Kalium ist nennenswert, ebenso der von Vitamin E und verschiedenen B-Vitaminen.

Manche Forscher führen die hohe Lebenserwartung der Asiaten auf deren großen Sojaverzehr zurück. Sie sprechen den in Soja enthaltenen Isoflavonen einen starken gesundheitsfördernden Effekt zu. Diskutiert wird auch, dass die Inhaltsstoffe der durch Fermentation hergestellten Sojasoßen der Schlüssel zu langem Leben sein könnten. Erwiesen ist dies alles allerdings nicht.

Unübertroffen vielseitig

Ob Sojaöl, Sojajoghurt, Sojadrink oder Fleischersatz: Kaum ein Lebensmittel ist so vielseitig wie die Sojabohne. Immer häufiger findet man im Handel auch sogenannte Edamame – frische, unreif geerntete Sojabohnen, die als Gemüse verzehrt werden. Für Vegetarier und Veganer stellt Soja eine hochwertige Eiweißquelle dar. Einem allgemeinen Trend folgend reduzieren auch viele andere Menschen den Verzehr tierischer Produkte. Damit steigt die Nachfrage nach Ersatzprodukten beispielsweise auf Sojabasis. Doch auch diejenigen, die weiterhin Fleisch essen, nehmen – meist ohne es zu wissen – beachtliche Mengen Soja in »versteckter« Form zu sich. So enthalten viele verarbeitete Lebensmittel Sojaöl, Soja-Lecithin und Sojaprotein als Zutat. 

Basis für Vieles

Zur Herstellung von Sojadrink – landläufig auch als Sojamilch bezeichnet – werden Sojabohnen in Wasser quellen gelassen und dann zerkleinert. Die entstehende dickflüssige weiße Masse wird gekocht und anschließend filtriert. Diese Flüssigkeit kann dann mit oder ohne Zusätze als Sojadrink in den Handel kommen. Versetzt man sie mit Milchsäurebakterien, so gerinnt die Sojaflüssigkeit und entwickelt einen leicht säuerlichen Geschmack – der Sojagurt.

Tofu ist eine quarkähnliche eiweißreiche Masse. Sie wird ebenfalls aus der Pressflüssigkeit von Sojabohnen durch Gerinnung hergestellt. Als TVP (textured vegetable protein) bezeichnen Lebensmitteltechnologen ein fleischähnliches Produkt, das aus dem Sojaeiweiß entsteht, wenn es unter hohem Druck und hohen Temperaturen durch Lochscheiben gepresst wird. Während Tofu und Sojafleisch geschmacksneutral sind, zeichnet sich der fermentierte Tempeh durch einen würzigen Eigengeschmack aus. Zur Tempeh-Herstellung werden geschälte und gedämpfte Sojabohnen mit einer speziellen Pilzkultur beimpft, die die Bohnen zu einer festen Masse verbindet.

Raffiniertes Sojaöl wird als reines Öl oder mit anderen Pflanzenölen vermischt angeboten. Auch Kosmetika, Lacke und Farben enthalten Sojaöl. Nicht zuletzt dient es als Rohstoff für Biodiesel. Soja-Lecithin fällt bei der Gewinnung von Sojaöl an. Wegen seiner emulgierenden Wirkung ist es in der Lebensmittelindustrie ein viel genutzter Hilfsstoff.

Schattenseite Allergie

Sojaeiweiß kann Allergien auslösen. Sind Kinder betroffen, so verschwindet die Allergie oft mit dem Heranwachsen von selbst. Im Erwachsenenalter sind meist Menschen betroffen, die primär eine Allergie gegen Birke, Hasel oder Erle haben. Sie entwickeln eine Kreuzallergie gegen Soja, da sich bestimmte Eiweißstrukturen in Baumpollen und Sojaeiweiß ähneln. Nach europäischer Kennzeichnungspflicht müssen alle Lebensmittel, die Soja enthalten, gekennzeichnet sein.

Gigantische Plantagen

Haupteinsatzbereich für Soja ist die Nutztierhaltung. Laut Greenpeace werden 87 Prozent des in die Europäische Union importierten Soja als Tierfutter verwendet. Der größte Soja-Produzent ist aktuell Brasilien, gefolgt von den USA und Argentinien. Die global steigende Nachfrage nach Fleisch lässt den Bedarf an proteinreichem Viehfutter in die Höhe schnellen. Von 1998 bis 2018 hat sich die Soja-Anbaufläche in Brasilien mehr als verdreifacht. Dafür wurden Regenwald und artenreiche Savannen durch Sojaplantagen ersetzt. Dies hat bekanntermaßen massive Folgen für die Umwelt: Es beschleunigt den Klimawandel und nimmt unzähligen Tier- und Pflanzenarten den Lebensraum. Ökologisch bedenklich sind auch der massive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Plantagen und die Tatsache, dass mehr als 95 Prozent der in Südamerika angebauten Bohnen gentechnisch verändert sind. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Kühe, Schweine und Hühner in Deutschland Futter erhält, das zumindest teilweise aus gentechnisch veränderten Pflanzen gewonnen wurde.

Gegen-Strategien

Die negativen Umweltauswirkungen beim Anbau in Südamerika, die Abhängigkeit von den Importen sowie die starken Vorbehalte deutscher Verbraucher gegenüber der Gentechnik sind Gründe dafür, den Sojaanbau in Deutschland auszubauen. Die Bundesregierung fördert im Rahmen der sogenannten Eiweißpflanzenstrategie seit einigen Jahren unter anderem den Sojaanbau, aber auch den von Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen. Tatsächlich ist die Sojaanbaufläche in Deutschland rasant gewachsen, der Großteil davon in Bayern und Baden-Württemberg. Allerdings fällt die heimische Produktion bislang kaum ins Gewicht: Die in Deutschland geernteten Sojabohnen decken gerade einmal ein bis zwei Prozent des hiesigen Bedarfs. Auch in anderen europäischen Ländern steigt der Soja-Anbau. Der größte Produzent ist Italien, bedeutend sind auch Österreich, Ungarn, Kroatien und Rumänien. Gerade Hersteller von Soja-Lebensmitteln verwenden heimische oder europäische Sojabohnen, weil diese gentechnisch unverändert sind. Die Behauptung »Wer Soja isst, zerstört den Regenwald« stimmt also nicht. Eher trägt Fleischverzehr zur Zerstörung des Regenwaldes bei. Laut Umweltbundesamt liegt der Ausstoß von Treibhausgasen für die Produktion von einem Kilogramm Schweinefleisch bei 4,1, für Geflügel bei 4,3 und für Rindfleisch bei 30,5 kg Kilogramm. Für die Produktion eines Kilos Fleischersatz auf Sojabasis werden dagegen 2,8 Kilogramm ausgestoßen. Wer also die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) umsetzt und höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche verzehrt, tut nicht nur etwas Gutes für seine Gesundheit, sondern verbessert auch seinen ökologischen Fußabdruck. 

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