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Gastkommentar BVpta

Sorge um Armut im Alter

Ohne Frage genießen PTA bei den Kunden in der Apotheke oder auch bei den Menschen in den Corona-Testzentren große Wertschätzung. Doch von Wertschätzung allein füllt sich kein Kühlschrank und bezahlt sich auch keine Wohnung. Ein Kommentar von der BVpta-Bundesvorsitzenden Carmen Steves.
Carmen Steves/BVpta
21.05.2021  14:00 Uhr

Die E-Mail eines Verbandsmitglieds drückt aus, was wohl auch einige von Ihnen immer wieder denken. Und das betrifft nicht nur unsere aktuelle Gehaltssituation, sondern auch unsere Versorgungsansprüche im Alter. Im Mittel liegt die Rentenaussicht für PTA zwischen 1000 und 1300 Euro. Wer dann nicht verheiratet ist oder in einer Partnerschaft lebt, wer also alle Lebenskosten allein tragen muss, dem droht zweifelsohne die Altersarmut.

Darüber sollten, darüber müssen wir noch lauter reden! Um eine Diskussion anzustoßen, habe ich die Kollegin um die Erlaubnis gebeten, ihre Worte hier veröffentlichen zu dürfen. Sie schreibt:

»Wir PTA sind Allrounder in der Apotheke, für alle Tätigkeiten einsetzbar, körperlich sehr belastbar, stressresistent, jederzeit flexibel verfügbar, allzeit fortbildungswillig (bevorzugt in der Freizeit), äußerst genügsam beim Gehalt und kaum an mehr Verantwortung und Aufstiegschancen interessiert.

Wertschätzung tut tatsächlich gut und braucht jeder Mensch, aber damit ist es leider nicht getan. Wann wird der BVpta endlich aktiv, um für uns PTA um akzeptable Arbeitsbedingungen und ein wertschätzendes Gehalt zu kämpfen? Warum ist es in all den Jahren nicht gelungen - und ich bin seit über 35 Jahren in der öffentlichen Apotheke tätig -, durchschlagende Verbesserungen für unseren Berufstand zu erreichen?

Wertschätzung tut gut, aber wir werden eine Rente bekommen, die leider nicht zum Überleben reichen wird. Warum wird das alles stillschweigend hingenommen? Sind wir eigentlich alle blind, um diese Missstände nicht zu sehen? Können Sie als PTA ernsthaft damit zufrieden sein und beruhigt irgendwann in den Ruhestand treten? Wahrscheinlich nicht, ich sehe mich leider schon Pfandflaschen sammeln, falls ich es überhaupt körperlich bis in dieses Alter schaffe.«

Leidenschaft für die Zukunft

Um es klar zu sagen: Der BVpta nimmt das nicht stillschweigend hin. Im Gegenteil. Seit über 40 Jahren setzt sich der Verband für bessere Bedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten für PTA ein. Zudem haben wir über das BVpta-Versorgungsmanagement gemeinsam mit der Allianz-Lebensversicherung und dem Verband der Heilberufe bereits seit Langem bedarfsgerechte und zukunftsorientierte Versorgungskonzepte zu bundesweit besten Konditionen entwickelt.

Dennoch: Es muss mehr geschehen, damit es endlich zu entscheidenden Veränderungen kommt. In unserer neuen berufspolitischen Agenda sind die Wege hin zu einer neuen Positionierung unseres Berufes beschrieben.

Ein wichtiger Schlüssel liegt für mich auch bei der Standesvertretung der Apotheke und Apothekerinnen. Denn dort muss erst einmal gewollt werden, dass sich PTA tatsächlich weiterentwickeln – zum einen im Rahmen der aktiven Berufsjahre und zum anderen durch Weiterqualifizierungen.

Und es muss verstanden werden, dass diese Prozesse auch mit einer lohnenden Gehaltsentwicklung einhergehen müssen. Gleiches trifft im Übrigen auch auf die angestellten Apotheker zu, die laut Tarifvertrag als Fachapotheker auch nicht mehr verdienen als vorher. Wenn in der Standesvertretung endlich ein neues Denken einsetzt, bestünde auch die Chance auf nachhaltige Veränderungen, denn die Politik ist längst offen dafür. Dass dies alles möglich ist, zeigt der Markt schon jetzt. Denn ein solches neues Denken würde nur dem folgen, was innovative Apotheker und Apothekerinnen ohnehin schon heute tun: nämlich ihre PTA wertschätzen, sie in der Weiterqualifizierung unterstützen und weit über Tarif bezahlen.

Was jetzt fehlt, sind klare, bundesweite und einheitliche Regelungen, die auch jungen Menschen und ihren Eltern zeigen, dass unser Beruf eine Berufung ist, die es sich lohnt, zu ergreifen.

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