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Augengesundheit

Sport schützt vor Grünem Star

Wer sich regelmäßig körperlich bewegt, senkt das Risiko, an einem Grünen Star zu erkranken. Das berichtet die Deutsche Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in einer aktuellen Pressemittelung. Die Experten stützen sich dabei auf Ergebnisse einer aktuellen Studie, die zeigt, dass bei sportlichen und körperlich aktiven Menschen die Neuerkrankungsrate an einem Grünen Star geringer ist als bei inaktiven Personen.
Michelle Haß
24.08.2020  16:12 Uhr

»Dieser Effekt zeigte sich in der fast sechsjährigen Beobachtungsphase selbst dann, wenn andere Faktoren wie Ernährung, Alkoholgenuss oder Rauchen herausgerechnet worden waren, die oft mit dem Fitnessniveau einhergehen«, erläutert Professor Dr. Hagen Thieme, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Magdeburg. Insgesamt schloss die prospektive Beobachtungsstudie 9519 Männer und Frauen im Alter zwischen 40 und 81 Jahren ein.

Der Grüne Star, auch Glaukom genannt, zählt zu den häufigsten Ursachen für Erblindung in Deutschland. Laut DOG leiden hierzulande circa eine Million Menschen an der Erkrankung, die den Sehnerv dauerhaft schädigt. Wie schnell der Sehverlust voranschreitet, wird von mehreren Einflüssen bestimmt. Der größte Risikofaktor ist der erhöhte Augeninnendruck.

Die positive Wirkung von Sport bei Glaukom hält Thieme für durchaus plausibel, da aerobe Sportarten wie Fahrradfahren oder Laufen vorübergehend den Augeninnendruck senken würden. »Das haben schon sehr viele Studien nachgewiesen«, erklärt Thieme. »Die Senkung hielt je nach vorausgegangener sportlicher Intensität zwischen zehn Minuten und zweieinhalb Stunden an.« 

Möglicherweise könnte Sport auch das Fortschreiten des Augenleidens verlangsamen. Aber ob sportliche Betätigung auch wirklich dabei helfe, sei gegenwärtig noch nicht ausreichend untersucht, betont die DOG in ihrer Pressemitteilung. Eine Querschnittsuntersuchung an 141 Glaukom-Patienten habe zwar kürzlich gezeigt, dass 1000 zusätzliche Schritte pro Tag den Sehverlust über das Jahr hinweg verzögerte, aber insgesamt seien die Effekte sehr gering gewesen. »Ginge man unter diesen Voraussetzungen von einer schützenden Wirkung aus, müssten Patienten etwa 5000 Schritte oder zwei Stunden körperliche Aktivität zusätzlich pro Tag ausüben, um die jährliche Sehverschlechterung bei der Glaukom Erkrankung um zehn Prozent zu reduzieren«, stellt Thieme fest.

Die wichtigste Maßnahme, einen drohenden Sehverlust abzuwenden, bleibt daher die frühe Diagnose durch den Augenarzt. Denn einen erhöhten Augeninnendruck spüren Betroffene über längere Zeit oft nicht. Stellen sich Sehstörungen wie Ausfälle im zentralen oder äußeren Blickfeld ein, ist die Erkrankung meist schon stark fortgeschritten und muss medikamentös behandelt werden, um weitere Schäden abzuwenden. »Es ist daher sinnvoll, den Sehnerven ab dem 40. Lebensjahr beim Augenarzt untersuchen zu lassen, ab dem 60. Lebensjahr ist ein jährlicher Sehnerven-Check anzuraten«, empfiehlt der Magdeburger Augenexperte.

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