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Lipohyperthropie

»Spritzhügel« bei Insulintherapie vermeiden

Kleine Beulen rund um die Einstichstelle: Sogenannte Lipohypertrophien bei täglicher Insulininjektion sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Sie beeinflussen auch die Therapie. Dabei sind diese Spritzhügel vermeidbar.
Elke Wolf
07.03.2022  12:30 Uhr

Die geschwulstartigen Verdickungen des Unterhautfettgewebes entstehen, wenn Diabetiker zu häufig die gleiche Stelle wählen, um sich das Insulin zu injizieren. Ursache ist vermutlich die fettbildende Wirkung von Insulin. Wenn immer in die gleiche Stelle eingestochen wird, vermehrt sich dort das Fettgewebe. Dieses verhärtet sich und ist von außen als Beule zu sehen: der Spritzhügel, im Diabetiker-Jargon auch Lipo genannt. Manchmal lässt sich das verhärtete Gewebe auch nur ertasten.

Spritzt man Insulin direkt in eine Lipo, kann sich das Hormon nicht gleichmäßig im Körper verteilen. Studien zeigen, dass sich die Wirkung des gespritzten Insulins sowohl deutlich verzögern als auch insgesamt verringern kann – was die Betroffenen zum Nachspritzen animiert. Somit ist die Aufnahme des Insulins in den Blutkreislauf schwer zu kalkulieren. Eine Injektion in Lipos kann daher zu stark schwankenden Blutzuckerwerten führen und das Risiko für Unterzuckerungen erhöhen.

Die Spritz-Regel lautet also: konsequentes Meiden der Lipohypertrophien für die Injektionsstelle – auch wenn bei einigen Patienten diese Spritzstellen sehr beliebt sind, da das Schmerzempfinden in diesen Bereichen häufig niedriger ist als in gesundem Gewebe. Wer sein Insulin korrekt in die richtige Stelle verabreicht, wird in der Regel mit einer Reduzierung des Insulinbedarfs belohnt. Durch die dann gleichmäßigere Aufnahme des Insulins nehmen die Schwankungen der Blutzuckerwerte ab und die Blutzuckereinstellung verbessert sich.

Und auch optisch hat das positive Folgen: Durch konsequentes Vermeiden von Injektionen in die Spritzhügel können sich diese meist zurückbilden. Patienten gewöhnen sich am besten von Anfang an eine gewisse Rotation bei den Spritzstellen und eine korrekte Injektionstechnik an.

So sind die Seiten der Einstichstelle an Bauch oder Oberschenkeln wöchentlich zu wechseln. Bei jeder Injektion ist eine neue Stelle zu wählen. Dabei sollte der Mindestabstand  zur vorherigen Injektionsstelle etwa zwei Finger breit betragen. Am besten gelingt dies mit einem festen Spritzmuster. Wer neu mit einer Seite beginnt, kann die letzte Injektionsstelle mit einem Stift markieren.

Prinzipiell bespricht man mögliche Injektionsstellen für verschiedene Insuline vorab mit dem Diabetesteam beim Arzt. Während das Kurzzeitinsulin am besten in den Bauch gespritzt wird, eignet sich für manche Langzeitinsuline auch der Oberschenkel. Zudem ist für jede Injektion eine neue Pen-Nadel zu verwenden. Die optimale Nadellänge ist mit dem Diabetesteam zu besprechen.

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