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Osteoporose

Stabilität schaffen

Wenn die Knochen im Alter brüchig werden, nimmt die Lebensqualität häufig ab. Heilbar ist die zugrunde liegende Erkrankung Osteoporose nicht. Mit einer ausreichenden Nährstoffversorgung, Bewegung und der richtigen Medikation können Betroffene aber häufig damit zurechtkommen, ohne dass der Leidensdruck zu schwer wiegt.
Nicole Schuster
27.08.2021  16:00 Uhr

Ab etwa dem 30. Lebensjahr geht es bergab – zumindest, was die Knochenmasse betrifft. Das ist aber kein Grund zur Panik, sondern erst einmal ein natürlicher Vorgang. Von klein auf findet in den Knochen ein ständiges Wechselspiel aus Auf- und Abbau statt. Die Hauptrollen spielen dabei die knochenaufbauenden Osteoblasten und die knochenabbauenden Osteoklasten, die Calcium und andere Mineralien aus den Knochen herauslösen. Das in der Schilddrüse gebildete Calcitonin hemmt die Aktivität der Osteoklasten, in der Folge wird mehr Calcium in die Knochen eingelagert. Sein Gegenspieler ist das Parathormon aus den Nebenschilddrüsen. Es aktiviert die Osteoklasten und fördert den Knochenabbau. Wie viel Parathormon ausgeschüttet wird, hängt vom Calciumspiegel im Blut ab. Sinkt der Calciumgehalt des Blutes ab, schüttet der Körper verstärkt Parathormon aus. Die aktivierten Osteoklasten lösen Calcium aus den Knochen heraus, sodass der Calciumspiegel wieder ansteigt. Eine weitere wichtige Rolle spielt Vitamin D. Es fördert die Calciumaufnahme aus dem Darm sowie den Einbau von Calcium in die Knochen. Bei einem Mangel an Vitamin D sinkt der Calciumspiegel im Blut, es wird Parathormon ausgeschüttet, das die Osteoklasten aktiviert. Schließlich beeinflussen auch die Sexualhormone den Knochenstoffwechsel, wobei das weibliche Geschlechtshormon Estrogen die Osteoblasten stimuliert und gleichzeitig die Osteoklasten bremst.

Osteoporose trifft viele

Osteoporose entsteht, wenn der Verlust an Knochenmasse überwiegt und sich gleichzeitig die Mikroarchitektur der Knochen verschlechtert. Die Knochen sind dadurch weniger stabil und neigen zu Frakturen. Spontane Wirbelkörperbrüche und sturzbedingte periphere Frakturen wie Brüche des Oberschenkels, des Oberschenkelhalses oder des Handgelenks können die Folge sein. In vielen Fällen macht sich die Krankheit, die schleichend und lange schmerzfrei verläuft, erst durch solche Frakturen bemerkbar. In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen an Osteoporose, die damit zu den zehn häufigsten Erkrankungen hierzulande zählt. Die primäre oder idiopathische Osteoporose lässt sich nicht auf eine bestimmte Ursache zurückführen und tritt meistens als postmenopausal bedingte oder Typ-I-Osteoporose auf. Ursache ist der sinkende Östrogenspiegel nach den Wechseljahren. Seltener tritt die juvenile Osteoporose oder früherwachsene Form der Osteoporose auf, die sich schon vor Erreichen des 50. Lebensjahres entwickelt. Diese Form entsteht häufig im Zusammenhang mit Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Störungen von Schilddrüse, Nebenschilddrüse oder Nebennierenrinde. Auch die langfristige Einnahme von Medikamenten wie Glucocorticoiden kann dazu führen, dass die Knochendichte abnimmt.

Die Knochendichte bestimmen Ärzte mit Messmethoden wie dem DXA-Verfahren (Dual-Röntgen-Absorptiometrie). Um das Risiko für eine Osteoporose zu bewerten, gibt man allerdings keine absoluten Werte, sondern den dimensionslosen T-Wert oder T-Score an, der ein Maß dafür ist, wie weit der individuelle Messwert vom Normalen abweicht. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt eine Osteoporose vor, wenn der T-Wert mindestens 2,5 Standardabweichungen unter dem Durchschnitt der geschlechtsgleichen 30-Jährigen liegt. Der Wert der 30-Jährigen wurde gewählt, da in diesem Alter die Knochendichte ihren Maximalwert erreicht hat, die sogenannte Peak Bone Mass. Ein T-Wert von bis zu – 1 gilt als normal. Von Osteoporose spricht man ab einem T-Wert –2,5.

»Eine verringerte Knochendichte an sich indiziert noch nicht eine Therapie«, sagt Professor Dr. med. Andreas Kurth, der erste Vorsitzende des Dachverbandes Osteologie e.V. und Chefarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein gGmbH in Koblenz im Gespräch mit PTA-Forum. »Eine spezifische medikamentöse Therapie ist dann erforderlich, wenn das individuelle Risiko in den nächsten zehn Jahren eine Schenkelhalsfraktur oder Wirbelkörperfraktur zu erleiden, höher als 30 Prozent ist.« Um dieses Risiko zu berechnen, wenden Ärzte Algorithmen an, die in der S3-Leitlinie zu Osteoporose von 2017 beschrieben sind.

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