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Krebstherapie

Startschuss für zwei Neulinge

Bereits im Januar kamen drei neue Krebsmedikamente in den Handel. Anfang Februar folgen die beiden nächsten. Sie kommen bei bestimmten Formen von Brustkrebs beziehungsweise Blutkrebs zum Einsatz.
Sven Siebenand
11.02.2022  12:00 Uhr

Das Präparat Enhertu® von der Firma Daiichi-Sankyo ist bei inoperablem oder metastasiertem HER2-positiven Brustkrebs zugelassen, wenn zuvor bereits mindestens zwei gegen HER2-gerichtete Vorbehandlungen erfolgt sind. Enthalten ist mit Trastuzumab-Deruxtecan ein weiteres sogenanntes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Der lange bekannte Antikörper Trastuzumab bindet an den HER-2-Rezeptor auf der Tumorzelle. Das allein unterbricht wichtige Signalwege beziehungsweise vermittelt eine Zytotoxizität. Es kommt jedoch noch etwas anderes hinzu: Über einen Linker ist am Antikörper die zelltoxische Substanz Deruxtecan angekoppelt. Dockt Trastuzumab an seinem Ziel an, wird das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat in die Zelle eingeschleust. Dort wird der Topoisomerase-Hemmer freigesetzt, was zum Zelltod führt. Die empfohlene Dosis Enhertu beträgt 5,4 mg/kg Körpergewicht. Diese wird alle drei Wochen infundiert.

Einige besondere Warnhinweise finden sich in der Fachinformation. Einer thematisiert die interstitielle Lungenerkrankung (ILD)/Pneumonitis. Patienten sollten Husten, Dyspnoe, Fieber und/oder neue oder sich verschlechternde Atemwegssymptome unverzüglich melden. Bei einer ILD/Pneumonitis muss unter Umständen eine Corticoid-Therapie gestartet werden. Wegen der Gefahr einer Neutropenie und der Abnahme der Herzfunktion muss es regelmäßige Blutbilder und Untersuchungen des Herzens geben.

Gebärfähige Frauen müssen während der Behandlung und für mindestens sieben Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Das Stillen ist in diesem Zeitraum nicht erlaubt und bei Schwangeren wird das Medikament nicht empfohlen. Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählen Übelkeit und Erbrechen, Erschöpfung, Alopezie, Obstipation, verminderter Appetit und Anämie.

Neues Blutkrebsmittel

Bei Duvelisib (Copiktra®, Secura Bio) handelt es sich um ein neues Blutkrebsmedikament. Es ist zugelassen bei rezidivierter oder refraktärer chronischer lympathischer Leukämie (CLL) nach mindestens zwei vorherigen Therapien sowie beim follikulärem Lymphom, das gegenüber mindestens zwei vorherigen systemischen Therapien refraktär ist. Duvelisib gehört zu den Kinasehemmern. Der Wirkstoff inhibiert die delta- und gamma-Isoform des Enzyms Phosphoinositid-3-Kinase. Dadurch werden Signalwege von Krebszellen gestört, die für die Proliferation und das Überleben maligner Zellen wichtig sind. Durch die Enzymblockade führt Duvelisib zum Tod der Krebszellen und verzögert oder stoppt somit das Fortschreiten der Krebserkrankung.

Die empfohlene Dosis beträgt 25 mg zweimal täglich oral. Beim Auftreten bestimmter Nebenwirkungen kann der Arzt die Dosis reduzieren oder die Behandlung vorübergehend oder dauerhaft aussetzen. Bei gleichzeitiger Einnahme starker CYP3A4-Hemmer ist die Dosis auf zweimal täglich 15 mg zu reduzieren. Die gleichzeitige Einnahme von starken CYP3A4-Induktoren sollte vermieden werden, um die Wirksamkeit von Duvelisib nicht zu gefährden.

Eine vorliegende Infektion sollte vor Beginn der Behandlung mit Duvelisib behandelt werden. Unter Therapie müssen die Patienten auf Infektionen überwacht werden. Patienten sollten alle neuen oder sich verschlimmernden Symptome unverzüglich melden.

Aus Vorsichtsgründen sollte Duvelisib in der Schwangerschaft möglichst vermieden werden. Das Stillen sollten Mütter während der Behandlung und für mindestens einen Monat danach unterbrechen. Sehr häufige Nebenwirkungen von Duvelisib sind unter anderem Durchfall oder eine Entzündung des Dickdarms‚ Hautausschlag, Ermüdung, Fieber, Husten, Übelkeit, Infektionen der oberen Atemwege, Pneumonie, Schmerzen in den Muskeln und Knochen sowie Anämie. 

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