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Gefahr für Mutter und Kind

Störungen der Schilddrüse bei Schwangeren

Der kindliche Bedarf an Schilddrüsenhormonen wird bis zur 20. Schwangerschaftswoche vom mütterlichen Organismus übernommen. Um dies zu gewährleisten, passt sich der hormonelle Regelkreis der Schilddrüse zu Beginn einer Schwangerschaft an die neuen Umstände an. In den ersten Schwangerschaftswochen steigt das so genannte humane Choriongonadotropin (β-hCG) stark an. Da es in seiner Struktur dem TSH ähnelt, besitzt es die Fähigkeit den TSH-Rezeptor zu stimulieren, wodurch die Produktion der Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) um bis zu 50 Prozent gesteigert wird.

Essentiell für die Erhöhung der Schilddrüsenhormonproduktion ist eine ausreichende Jodversorgung der Mutter. Sowohl T3 als auch T4 enthalten das Spurenelement und können bei einem Jodmangel nicht ausreichend gebildet werden. Ab der 20. Schwangerschaftswoche muss zudem das Ungeborene mit Jod versorgt werden, damit die kindliche Schilddrüse arbeiten kann. Ein schwerer Jodmangel bei werdenden Müttern geht mit einer erhöhten Sterblichkeitsrate bei Ungeborenen und Neugeborenen einher. Ein milder Jodmangel wird immer wieder im Zusammenhang mit Störungen im Bereich der kognitiven Entwicklung und der Aufmerksamkeit diskutiert.

In Deutschland liegt die Jodversorgung der Bevölkerung, nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im unteren optimalen Bereich. Die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland des Robert Koch-Instituts hat gezeigt, dass 30 Prozent der Erwachsenen unzureichend mit Jod versorgt sind. Besonders Frauen im fertilen Alter sind oft betroffen. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) raten schwangeren und stillenden Frauen deshalb zu einer Jodsupplementation mit 150 bis 200 µg täglich. Im Idealfall sollte damit bereits drei Monate vor dem Eintreten der Schwangerschaft begonnen werden. Das gilt auch für Frauen mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Hashimoto und Morbus Basedow in Remission) oder einer Unterfunktion. Ausgenommen von der Empfehlung der DGIM sind Frauen mit einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer Schilddrüsenautonomie. Durch die zusätzliche Jodeinnahme würde die Überfunktion verstärkt werden.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sind die natürlichen Anpassungsmechanismen zu Beginn der Schwangerschaft häufig eingeschränkt. Folglich kann das Schwangerschaftshormon β-hCG auch nicht die Produktion von T3 und T4 steigern. Frauen mit einer bestehenden Hypothyreose brauchen deshalb während der Schwangerschaft eine höhere Levothyroxin-Dosis. Empfohlen wird, die Dosis mit Feststellung der Schwangerschaft um 25 bis 30 Prozent zu erhöhen. Alternativ kann an zwei Wochentagen eine zusätzliche Tagesdosis eingenommen werden.

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