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Gefahr für Mutter und Kind

Störungen der Schilddrüse bei Schwangeren

Tritt eine Schilddrüsenfunktionsstörung in der Schwangerschaft neu auf, muss sie schnell behandelt werden. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist das Ungeborene einem Überangebot an Schilddrüsenhormonen ausgesetzt. Das kann das Wachstum stören, aber auch eine Fehl- oder Totgeburt verursachen. Die häufigste Ursache für eine Überfunktion der Schilddrüse ist die Autoimmunkrankheit Morbus Basedow. Betroffene bilden Autoantikörper gegen den TSH-Rezeptor, wodurch die Produktion der Schilddrüsenhormone T3 und T4 gesteigert wird. Behandelt wird eine Überfunktion mit Thyreostatika. Da die typischen Wirkstoffvertreter wie Thiamazol und Carbimazol jedoch mit kindlichen Fehlbildungen assoziiert sind, wird in den ersten 16 Schwangerschaftswochen eine Therapie mit Propylthiouracil (PTU) empfohlen.

Je nach Dauer der Erkrankung, dem Schilddrüsenvolumen und der Höhe der TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) kann im Verlauf der Schwangerschaft die Dosis reduziert oder ein Absetzen in Erwägung gezogen werden. Im letzten Schwangerschaftsdrittel sinkt die Höhe der TRAK bei vielen Frauen ab, sodass bei etwa einem Drittel der Patientinnen die medikamentöse Therapie nicht mehr notwendig ist. Anschließend ist zu Beginn eine ein- bis zweiwöchige Kontrolle erforderlich, später kann das Intervall auf zwei bis vier Wochen ausgedehnt werden. Nach der Geburt kommt es meist wieder zu einer Zunahme der Krankheitsaktivität und Rezidiven.

Latent oder manifest

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion unterscheiden Mediziner die latente Form, bei der nur der TSH-Wert zu hoch ist, von der manifesten Form, bei der zusätzlich die Hormone T3 und T4 vermindert sind. Eine manifeste Unterfunktion kann gravierende Auswirkungen auf Mutter und Kind haben. Neben einem niedrigen Geburtsgewicht treten Präeklampsie, Früh- und Fehlgeburten auf. Zudem wird die neurokognitive Entwicklung der Ungeborenen beeinträchtigt. Die Behandlung der Unterfunktion erfolgt wie bei nicht-schwangeren Frauen  mit einem Levothyroxin-Präparat.

Welche Auswirkungen eine latente Unterfunktion auf den Schwangerschaftsverlauf und das Ungeborene hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Derzeit gehen Mediziner davon aus, dass Schwangere mit einem TSH-Wert von 2,5 bis 10 mU/l kein erhöhtes Komplikationsrisiko zu erwarten haben, solange sie keine Antikörper aufweisen. Eine häufige Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion ist die Autoimmunkrankheit Hashimoto-Thyreoiditis. Betroffene bilden Antikörper gegen bestimmte Strukturen der Schilddrüse. Frauen mit diesen Antikörpern im Blut haben jedoch ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten.

Auch wenn nicht abschließend geklärt ist, ob ein niedrigdosiertes Levothyroxin-Präparat das Fehlgeburtsrisiko senken kann, wird es von vielen Medizinern verschrieben. Ein möglicher Nutzen scheint derzeit dem geringen Risiko der Behandlung überlegen, jedoch empfiehlt der Bundesverband Deutscher Nukelarmediziner (BDN) das Schilddrüsenhormon inzwischen zurückhaltender einzusetzen. Erst kürzlich berichtete er in einer Pressemittelung von neuen Untersuchungsergebnissen, die zeigten, dass ein TSH-Werte im oberen Normbereich zwischen 2,5 und 4,0 mU/L bei schilddrüsengesunden Schwangeren mit keinerlei Gefahren für den Feten verbunden sei. Demnach sei eine medikamentöse Behandlung mit Levothyroxin hier in der Regel noch nicht angezeigt.

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