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Psychische Erkrankungen

Strategien gegen das Stigma

Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, bipolaren Störungen oder Schizophrenie haben im Alltag oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Manche von ihnen verinnerlichen diese Stigmatisierung sogar. Was hilft gegen falsche Sichtweisen?
Michael van den Heuvel
28.09.2020  16:00 Uhr

Immer öfter schreiben Ärzte gesetzlich Versicherte wegen psychischer Leiden krank, berichtete die Techniker Krankenkasse Anfang 2020. Waren es im Jahr 2017 noch 2,71 Fehltage pro TK-Mitglied, stieg der Wert auf 2,77 (2018) und weiter auf 2,89 Arbeitsunfähigkeitstage (2019).

Zwar schreitet die Forschung rasch voran, und das Wissen über psychische Erkrankungen wächst. Dennoch zeigen mehrere Umfragen, dass sich die Einstellung gegenüber Menschen mit Depression, Schizophrenie oder bipolaren Störungen in den vergangenen 20 Jahren nicht verbessert hat.

»Auch heutzutage reagieren noch viele Menschen mit Angst und Zurückweisung, wenn sie mit psychischen Erkrankungen konfrontiert werden«, schreibt etwa die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in einer Pressemeldung. Man möchte mit Patienten weder befreundet sein noch mit ihnen zusammenarbeiten. Aber nicht nur die Erkrankungen selbst, sondern auch die Pharmako- und Psychotherapie sind mit Stigmata belegt.

Zum Hintergrund: »Stigma« stammt aus dem Griechischen und steht für »Brandmahl« oder »Zeichen«. Im übertragenen Sinne kennzeichnet der Begriff Menschen mit Charakteristika, die von einer gesellschaftlichen Norm abweichen. Das kann sich auf die Hautfarbe, die Religion, die sexuelle Orientierung oder eben auf Krankheiten beziehen. Diese Menschen werden nicht als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft akzeptiert.

Unterschieden wird zwischen sichtbaren Stigmata, etwa auffälligen Hautausschlägen, und unsichtbaren Stigmata wie psychischen Erkrankungen. Ob gewisse Merkmale als Stigmata gelten oder nicht, hängt vom jeweiligen Kulturkreis ab. Internationale Untersuchungen zeigen, dass eine Stigmatisierung bei psychischen Erkrankungen weltweit recht verbreitet ist. Auch die Vorurteile ähneln sich. Meist gelten Patienten mit Depressionen als willensschwach, und Patienten mit Schizophrenie wird nachgesagt, unberechenbar oder gar gefährlich zu sein.

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