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Stroh statt Styropor

Verpackungsmaterialien der Zukunft

Verpackungen aus Kunststoff machen einen Großteil der Müllberge aus, die die Umwelt belasten. Verträgliche Alternativen sind möglich. Eine großangelegte Forschung in diese Richtung findet allerdings bisher nicht statt.
Ulrike Viegener
22.01.2020  13:00 Uhr

Zwischen 1950 und 2015 wurden laut Plastikatlas 2019 weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert – gigantische Mengen, von denen der weitaus größte Teil Verpackungsmaterialien sind. Weniger als 10 Prozent davon werden wiederaufbereitet. Der restliche Kunststoff landet auf dem Müll und belastet die Umwelt über lange Zeiträume hinweg. Klassische Kunststoffe, aber auch manche biobasierten Kunststoffe sind biologisch kaum abbaubar, unterliegen also kaum mikrobiellen Zersetzungsprozessen. Styropor zum Beispiel braucht Jahrhunderte, bis er verrottet ist.

Unvorstellbar große Plastikmengen haben sich bereits angesammelt und werden über den Erdball verschoben. Sehr viel davon wird – mit ungewisser Zukunft – in Asien abgeladen. Deutschland steht als Plastikmüllexporteur in diese Region weltweit an dritter Stelle. Welches Ausmaß die Umweltbelastung bereits angenommen hat, zeigt die Meeresverschmutzung: In der Tiefsee – in 10.000 Metern Tiefe – schwimmen Plastiktüten herum. Auch Plastikringe aus Polyethylen, die vor allem in den USA als Halterung für Sixpacks verwendet werden, treiben im Meer und sind ein relevantes Problem. Fische und andere Meeresbewohner wie Schildkröten verfangen sich darin und verenden qualvoll. Und noch ein alarmierender Fund: Bei rund 60 Prozent der untersuchten Seevögel wurden in einer internationalen Studie Plastikpartikel im Verdauungstrakt nachgewiesen. Erkenntnisse des deutschen Naturschutzbundes zur Verseuchung heimischer Meeresvögel bestätigen das. Der Verzehr von Plastik kann zu Auszehrung und Tod führen.

»Klimakiller Plastik« titelt Greenpeace auf seiner Homepage und verweist dabei nicht nur auf die Plastikmüllberge, sondern auch auf die hohen Kohlendioxid-Emissionen bei der Plastikproduktion. Riesige Mengen dieses Treibhausgases, das maßgeblich für die Erderwärmung verantwortlich ist, fallen bei der Herstellung von Plastikmaterialien auf Erdölbasis an. Da effektive Klimaschutzmaßnahmen bisher im großen Stil kaum durchgesetzt wurden, ist auch ein Ende des Plastikbooms derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil: Experten erwarten einen weiteren Anstieg der Produktion. Hochrechnungen zufolge werden dadurch bis zur Mitte dieses Jahrhunderts 56 Gigatonnen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Gleichzeitig sinkt durch die Verschmutzung der Meere deren Kapazität, Kohlendioxid zu binden und auf dem Meeresgrund zu »entsorgen«.

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