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Bei Schluckproblemen

Tabletten möglichst nicht teilen

Wie Patienten die verordneten Tabletten zuhause tatsächlich einnehmen, bekommen meist weder der Arzt noch die Apotheke mit. Vor allem Menschen, die an Schluckbeschwerden leiden, werden mitunter kreativ. Doch das Zerbrechen oder Teilen von Tabletten ist meist keine gute Idee.
Juliane Brüggen
25.05.2022  15:00 Uhr

»Grundsätzlich gilt: Finger weg vom Zerteilen, nehmen Sie die Tabletten, wenn möglich, als Ganzes ein! Das Zerbrechen oder Zerteilen von Tabletten hat viele Nachteile«, lautete der Rat von Professor Dr. Rolf Daniels an die Patienten. In seinem Vortrag beim Fortbildungskongress Pharmacon Meran sprach er über einen sehr geläufigen Grund für das Teilen von Tabletten: Schluckprobleme. Daniels: »Zerteilte Tabletten lassen sich leichter schlucken. Aber die negativen Aspekte überwiegen eindeutig. Durch das Zerteilen wird die Dosierung der Bruchstücke ungenauer, außerdem kann sich die Wirkung verändern. Unter- und Überdosierungen sind möglich.« Magensaftresistent überzogene Tabletten verlören beispielsweise ihre Wirksamkeit, wenn sie geteilt werden, bei einigen Retardtabletten bestehe die Gefahr, dass der Wirkstoff in einem Rutsch freigesetzt wird – bei hochpotenten Wirkstoffen wie Opioiden kann das lebensgefährlich sein.

Eine Bruchkerbe könne täuschen: Viele Präparate haben »Schmuckkerben«, die produktionstechnisch bedingt sind. Nur wenn es eindeutig im Beipackzettel oder in der Fachinformation steht, sind Tabletten tatsächlich teilbar oder mörserbar. Daher sei das Gespräch mit Patienten und Pflegekräften wichtig, betonte der Apotheker. Ankommen müsse, dass das eigenmächtige Teilen oder Mörsern »blöd ist«.

Auch beim Aut-idem-Austausch in der Apotheke muss ein Augenmerk auf den Eigenschaften der Tablette liegen. »Bei wirkstoffgleichen Tabletten ist das Zerteilen je nach Hersteller mal möglich, mal nicht«, verdeutlichte Daniels. Wie gut sich eine Tablette schlucken lässt, hänge außerdem von Größe, Form und Farbe der Tablette ab. Oblongtabletten sind leichter einzunehmen als ovale Tabletten und diese wiederum leichter als die runde Form. Tabletten mit einer glatte Oberfläche – wie bei überzogenen Tabletten – rutschen außerdem besser als solche mit einer rauen.

Als Hilfsmittel für die erleichterte Einnahme nannte Daniels inerte Überzugsmittel, zum Beispiel Medcoat® und Gloup®, oder spezielle Hydrogele aus der Rezeptur. Gegen einen trockenen Mund empfahl er das Spülen mit Wasser und das Kauen von gefrorenen Ananasstücken oder Kräutern wie Kamille, Salbei und Pfefferminze. Außerdem gebe es spezielle Medizinprodukte, zum Beispiel Sprays, Gele oder viskose Spüllösungen. Ist die Einnahme von festen Peroralia nicht möglich, könnten andere Darreichungsformen versucht werden, zum Beispiel Lösungen und Suspensionen, Schmelztabletten oder Lyophilisate, so Daniels.

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