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Achtung, Wechselwirkung

Tabletten nicht mit diesen Lebensmitteln einnehmen

Dass Lebensmittel die Wirkung von Medikamenten beeinflussen können, dürfte hinlänglich bekannt sein. Vor allem für Alkohol haben das die meisten Patienten inzwischen verinnerlicht. Doch was ist beispielsweise mit Salat, Tee oder Mineralwasser? Ein Überblick.
PTA-Forum/AK Niedersachsen
07.10.2019
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Dass auch vermeintlich harmlosen Nahrungsmitteln Interaktionen hervorrufen können – daran erinnert die Apothekerkammer Niedersachsen aktuell in einer Pressemeldung und rät Patienten dazu, sich in der Apotheke beraten zu lassen.

Alkohol, Arzneimittelfeind Nummer eins

Bei den Wechselwirkungen mit Arzneimitteln gilt Alkohol als Störfaktor Nummer eins. Das betrifft vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva und andere Psychopharmaka. Durch Alkohol werden die in Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe langsamer abgebaut. So können nicht nur die Wirkung, sondern auch mögliche Nebenwirkungen länger anhalten. Vergiftungen sind möglich.

Die Folgen: Alkohol hat eine dämpfende Wirkung. Im Zusammenspiel mit Arzneimitteln wie Beruhigungsmittel, die einen ähnlichen Effekt haben, kann dies zu einer gegenseitigen Verstärkung führen und im Extremfall zu einem Atem- oder Herzstillstand führen.

Bei der Einnahme beispielsweise von Antibiotika wie Metronidazol können schon geringe Akoholmengen zu Flush-Reaktionen führen: Übelkeit, ein rotes Gesicht und Herzrasen können die Folge sein. Bei der Einnahme von Paracetamol in Verbindung mit Alkohol verstärkt sich die leberschädigende Wirkung, unter Umständen mit lebensbedrohlichen Folgen.

Milch macht Medikamente nutzlos

Calcium, das unter anderem in Milch, Joghurt und Quark enthalten ist, vermindert die Wirkung vieler Arzneimittel. Das betrifft vor allem Antibiotika. Einige Antibiotika-Wirkstoffe verbindet sich im Darm mit Calcium zu Molekülkugeln, die so stabil sind, dass sie die Darmwand nicht mehr passieren können.

Die Folgen: Die Verstoffwechselung in der Leber kann nicht stattfinden, der Wirkstoff wird unverändert ausgeschieden. Vor allem Tetracycline und Fluorchinolone werden wirkungslos, wenn zwei Stunden vor oder nach der Einnahme Milch oder Milchprodukte konsumiert wurden.

Es gilt: Vor und nach der Einnahme sollte ein mindestens zweistündiger Abstand zu Milchprodukten eingehalten werden. Aufmerksam müssen vor allem auch Patienten mit Osteoporose sein, die eine reichliche Calcium-Zufuhr benötigen. Werden Bisphosphonate eingenommen, muss konsequent eine Stunde vor und mindestens zwei Stunden nach der Mahlzeit auf die Einnahme von Calcium-haltigen Produkten verzichtet werden. Der Körper kann die Wirkstoffe sonst nicht verwerten.

Auch einige Medikamente gegen Parkinson dürfen nicht mit eiweißhaltigen Nahrungsmitteln kombiniert werden. Hier ist allerdings nicht das enthaltene Calicium problematisch, sondern das Eiweiß selbst. Dieses konkurriert mit dem Wirkstoff Levodopa und vermindert dessen Aufnahme ins Gehirn.

Tablette zum Kaffee oder Tee?

Kaffee, Schwarz-, Grün- und Matetee sowie Cola sind Koffeinquellen, die den Blutdruck erhöhen. Werden gleichzeitig bestimmte Antibiotika eingenommen, verstärkt sich diese Reaktion und der Körper kann das Koffein schlechter abbauen. Gerbstoffe in schwarzem Tee und Kaffee behindern zudem die Aufnahme vieler Arzneistoffe ganz erheblich.

Die Folgen: Durch das Koffein können Herzrasen und Schlafstörungen auftreten. Gerbsäure bindet Eisen, sodass es verstärkt ausgeschieden wird, statt über die Darmwand in den Blutkreislauf zu gelangen.

Es gilt: Eine um zwei Stunden versetzte Einnahme löst das Problem. Werden Arzneimittel eingenommen, bei denen ein gleichmäßiger Blutspiegel elementar ist wie bei Psychopharmaka oder Antiasthmatika, sollten gerbstoffhaltige Getränke komplett gemieden werden.

Grapefruit macht Stoffwechsel unberechenbar

Grapefruitsaft ist aufgrund möglicher Wechselwirkungen über das Enzym Cytochrom-P450 nie eine gute Wahl für die Tabletteneinnahme. Bereits vier Stunden nach der Einnahme von Grapefruit oder Grapefruitsaft verhält sich der Stoffwechsel in Hinblick auf die Wirkung vieler Arzneimittel fast unkalkulierbar. Dieser Effekt bleibt auch über viele Stunden bestehen, sodass eine zeitversetzte Einnahme alleine nicht ausreicht.

Es gilt: Grapefruit sollte bei der Einnahme von Arzneimitteln komplett gemieden werden. Insbesondere bei Arzneimittel gegen Erektionsstörungen mit dem Wirkstoff Sildenafil, einigen Cholesterinsenkern, die den Wirkstoff Simvastatin enthalten, bei Zolpidem-haltigen Schlafmitteln oder Blutdruckmitteln mit Amlodipin und Verapamil ist große Vorsicht geboten.

Kein Lakritz bei Bluthochdruck

Der Verzehr von größeren Mengen Lakritz kann vor allem für Bluthochdruckpatienten problematisch sein. Es kommt zu einer Veränderung des Mineralstoffwechsels mit Natriumanreicherungen und Kaliumverlusten.

Die Folge: Ödeme, also Wassereinlagerungen im Gewebe, und Muskelschwäche können auftreten.

Es gilt: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Risikogruppen wie Bluthochdruckpatienten, Diabetikern und Schwangeren, möglichst auf Lakritz zu verzichten. Gesunde Menschen sollten nicht mehr als 50 bis maximal 100 Gramm täglich zu sich nehmen.

Mineralwasser möglichst meiden

Mineralwasser, sei es mit oder ohne Kohlensäure, ist häufig mit Calcium und Eisen angereichert. Damit ist es ähnlich wie Milch, nicht zur Einnahme von bestimmten Medikamenten geeignet, da sich deren Wirkstoffe mit dem Calcium zu Molekülen verbinden, die nicht mehr durch die Darmwand dringen.

Die Folgen: Die Verstoffwechslung in der Leber kann nicht stattfinden, der Wirkstoff wird unverändert ausgeschieden. Vor allem Tetracycline und Fluorchinolone werden wirkungslos, wenn zwei Stunden vor oder nach der Einnahme von Produkten mit Calcium konsumiert wurden. Auch die Wirksamkeit von Osteoporosemitteln und Schilddrüsenpräparaten kann beeinträchtigt werden.

Es gilt: Arzneimittel sollten am besten mit Leitungswasser eingenommen werden. Wer mindestens zwei Stunden Abstand hält zwischen der Einnahme von Arzneimitteln und Mineralstoffen aus Mineralwasser, ist ebenfalls auf der sicheren Seite.

Tabletten und Salat

Patienten, die gerinnungshemmende Medikamente nehmen, sollten genau auf ihre Ernährung achten: Sonst so als gesund angepriesene Lebensmittel wie Salat, Spinat, Grünkohl oder Rosenkohl sollten nur in Maßen verzehrt werden, da diese viel Vitamin K enthalten. Blattsalat & Co. setzen damit die Wirkung der Vitamin-K-Antagonisten, die die Blutgerinnung gezielt reduzieren sollen, herab. Sie werden eingesetzt, um das Risiko eines Blutgerinnsels zu mindern und einem Schlaganfall vorzubeugen.

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