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Fluorid 

Tabletten oder Zahnpasta zur Kariesprophylaxe?

Sollen Kinder im ersten Lebensjahr Fluorid-Tabletten einnehmen oder sollen die ersten Zähnchen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden? Jahrelang waren sich Kinder- und Zahnärzte uneinig. Seit diesem Frühjahr gibt es nun eine einheitliche Empfehlung.
Verena Schmidt
08.09.2021  08:30 Uhr

Kinder sollen im ersten Lebensjahr Fluorid bekommen, darin waren sich die Mediziner immer einig. Umstritten war aber bisher, in welcher Form die Eltern ihrem Nachwuchs das Spurenelement verabreichen sollen. Kinderärzte empfahlen bisher Tabletten und Putzen mit fluoridfreier Zahnpasta, Zahnärzte sprachen sich hingegen für das Zähneputzen mit fluoridierter Zahncreme aus.

Seit Mai gibt es nun erstmals eine einheitliche evidenzbasierte Empfehlung zur Kariesprävention, die verschiedene Fachgesellschaften von Kinderärzten, Zahnärzten und Ernährungswissenschaftlern gemeinsam herausgegeben haben. Erstellt wurden die Handlungsempfehlungen mit dem bundesweiten Netzwerk »Gesund ins Leben«.

Im ersten Lebensjahr Tabletten

Demnach sollen Säuglinge von Geburt an bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns täglich 400 bis 500 IE Vitamin D und 0,25 mg Fluorid in Tablettenform erhalten. Ab dem ersten Zahn können die Eltern entweder weiter das Supplement geben und die Zähne mit einer fluoridfreien Zahnpasta oder ganz ohne Zahncreme putzen. Alternativ steigen sie um auf eine Tablette mit 400 bis 500 I.E. Vitamin D und putzen die Zähne bis zu zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge (0,125 g) Zahncreme mit 1000 ppm Fluorid.

Ab dem Alter von zwölf Monaten bis zum zweiten Geburtstag sollen die Eltern mit dem Kind die Zähne zweimal täglich mit jeweils bis zu 0,125 g Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid putzen. Von zwei bis zu sechs Jahren sollen die Zähne des Kindes zweimal täglich mit jeweils bis zu 0,25 g Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid – das entspricht einer erbsengroßen Menge – geputzt werden. In diesem Alter kommt für viele Kinder ein weiterer Putztermin in der Kita oder im Kindergarten dazu.

Laut der Stiftung Kindergesundheit nimmt die Karieshäufigkeit bei Kindern in Deutschland aufgrund der breiten Anwendung von Fluoridtabletten und -zahncremes und der Verwendung von fluoridiertem Kochsalz im Haushalt schon seit einigen Jahren stark ab. Zwölfjährige Kinder haben demnach heute im Mittel nur noch 0,5 kariöse, gefüllte oder fehlende Zähne. 1997 waren es noch 1,7. Bei den Milchzähnen sieht es nicht ganz so gut aus, zumal sie einen dünneren Zahnschmelz haben. Laut einer Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege hat rund jedes zehnte Kind mit drei Jahren ein behandlungsbedürftiges Gebiss.

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