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Tiefe Hirnstimulation

Taktgeber bei Parkinson

Bedarfsgerechte Stimulation

Bisher übliche THS-Systeme geben über die Zeit immer die gleichen Stromimpulse ab, die den momentanen Zustand des Patienten nicht berücksichtigen. Eine bedarfsgerechte Steuerung der Stimulation sei sinnvoll, weil die Bewegungsstörungen im Tagesverlauf schwanken, so Kühn. Die Stimulation sollte nur in Phasen schlechter Beweglichkeit, zur Unterdrückung der Tremorphasen oder unwillkürlicher Bewegungen eingesetzt werden. Darüber hinaus erzeugt die kontinuierliche Stimulierung auch Nebenwirkungen wie Sprachstörungen, unkoordinierte oder verlangsamte Motorik, die durch eine intermittierende Stimulation positiv beeinflusst werden könnten.

Eine bedarfsgerechte Neurostimulation setzt jedoch voraus, dass ein Biomarker verfügbar ist, der den motorischen Status des Patienten möglichst genau widerspiegelt. Bei Parkinson-Patienten ist es Wissenschaftlern inzwischen gelungen, die sogenannte Beta-Aktivität als möglichen Feedback-Sensor zu identifizieren. Je ausgeprägter die Beta-Aktivität ist, umso stärker ist die motorische Beeinträchtigung des Patienten. Gleichzeitig lässt sich die Beta-Aktivität durch die L-Dopa-Medikation und durch die Stimulation beeinflussen. Das Ausmaß der Unterdrückung steht dabei in engem Zusammenhang mit der motorischen Verbesserung. Ziel der bedarfsgerechten Stimulation ist es nun, dass diese nur dann ausgelöst wird, wenn eine bestimmte Schwelle der Beta-Aktivität überschritten wurde. Noch in diesem Jahr soll eine erste klinische Studie starten, in der die sogenannte Feedback-gesteuerte adaptive Neuromodulation über mehrere Wochen an Patienten getestet wird. Zudem arbeiten Wissenschaftler daran, weitere Signalquellen zu identifizieren, die eventuell noch differenziertere Feedback-Informationen liefern können.

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