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Neue Leistung ab Oktober

Test auf Hepatitis B und C im Gesundheits-Check-up

Bei Hepatitis-Erkrankungen ist die geschätzte Dunkelziffer hoch. Um dem entgegenzuwirken, wird das Screening auf Hepatitis B und C ab dem 1. Oktober in die »Gesundheitsuntersuchung« für gesetzlich Versicherte, bekannt als Check-up 35, als neue Vorsorgeleistung aufgenommen.
Christina Hohmann-Jeddi
23.08.2021  15:45 Uhr

Alle drei Jahre steht es Personen ab 35 Jahren zu, eine Gesundheitsuntersuchung, die auch als Check-up 35 bekannt ist, vornehmen zu lassen. Das Ziel dieses Präventionsprogramms ist, Erkrankungen möglichst früh erkennen und behandeln zu können. Ab dem 1. Oktober kommen Bluttests auf Hepatitis-B-Viren (HBV) und Hepatitis-C-Viren (HCV) als neue einmalige Leistung hinzu. Das Screening soll dazu beitragen, die hohe Dunkelziffer an unentdeckten Infektionen mit den beiden Hepatitis-Viren zu verringern und Betroffenen eine möglichst frühzeitige Behandlung anbieten zu können. Darauf wies die Deutsche Leberstiftung gestern hin.

Denn virale sowie nicht virale Lebererkrankungen verlaufen häufig mit unspezifischen Symptomen und werden oftmals spät erkannt, wenn das Krankheitsstadium bereits fortgeschritten ist und zum Beispiel eine Leberzirrhose oder Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom) vorliegt. Weltweit gehören sie zu den häufigsten Todesursachen. Allein an chronischer Hepatitis B oder C sind weltweit circa 325 Millionen Menschen erkrankt – in Deutschland gehen Experten von mehreren Hunderttausend infizierten Menschen aus.

Bereits im Februar 2021 trat der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in Kraft, der als neuen Bestandteil der Gesundheitsuntersuchung einmalig den Test auf die durch Viren verursachten Lebererkrankungen Hepatitis B und Hepatitis C umfasst. Die Verhandlungen der Ärzteschaft und Krankenkassen über die Höhe der Vergütung und die Festlegung der Abrechnungsziffern sind nun abgeschlossen, sodass die Inanspruchnahme ab dem 1. Oktober 2021 möglich ist.

Elimination bis 2030

Im Jahr 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Hepatitis B und Hepatitis C bis 2030 weltweit Ziele zur Elimination gesetzt. Über 190 Mitgliedsstaaten der WHO haben sich verpflichtet, der Virushepatitis im eigenen Land den Kampf anzusagen. Auch Deutschland beteiligt sich. Doch die Ergebnisse, die der WHO bis 2019 vorlagen, zeigten bereits vor der Coronavirus-Pandemie, dass die ersten gesetzten Ziele in Deutschland nicht erreicht wurden. Grund ist vor allem die hohe Dunkelziffer nicht erkannter Fälle.

»Dass Versicherte ab dem vollendeten 35. Lebensjahr künftig den Anspruch auf ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und Hepatitis C haben, ist zu begrüßen und ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung für mehr Lebergesundheitsbewusstsein«, betont Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, in einer Pressemitteilung. »Leider konnte sich das Plenum des G-BA nicht darauf verständigen, das Virushepatitis-Screening bereits für Versicherte ab einem Alter von 18 Jahren einzuführen.«

Zudem fordert die Stiftung, dass auch die Leberwerte im Blut (GPT, GOT und GGT) regelmäßig überprüft werden sollten, um auch nicht virale Lebererkrankungen wie die Nicht alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) zu erkennen, deren Zahl stetig ansteigt. 

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