PTA-Forum online
Für mehr sexuelles Wohlbefinden

Testosteron nach den Wechseljahren

Eine Testosteron-Gabe verbessert das sexuelle Wohlbefinden bei postmenopausalen Frauen, so das Ergebnis einer neuen Metaanalyse. Dabei sollten nicht orale Arzneiformen bevorzugt werden.
Daniela Hüttemann
02.08.2019
Datenschutz

Die bislang umfangreichste Metaanalyse zum Thema Testosteron für Frauen jenseits der Wechseljahre kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Substitution verbessert das sexuelle Wohlbefinden postmenopausaler Frauen signifikant. Lust, Funktion und Vergnügen verbessern sich, schreiben die Review-Autoren im Fachjournal »The Lancet Diabetes & Endocrinology«. Das oft als das männliche Hormon beschriebene Testosteron spielt auch für die weibliche Sexualität eine entscheidende Rolle – und seine Konzentration nimmt (wie bei den Männern) im Alter ab. Aber auch für den Stoffwechsel, die Muskelkraft, Kognition und Stimmung ist Testosteron wichtig.

Das Problem: Die erhältlichen Präparate wurden für Männer entwickelt und getestet. Das Wissen um Wirkung und Nebenwirkungen bei Frauen war bislang eher mau. Die Forscher um Seniorautorin Professor Dr. Susan Davis von der Monash-Universität in Australien werteten nun 46 Berichte zu 36 Studien mit insgesamt 8480 Teilnehmerinnen im Alter von 18 bis 75 Jahren aus, davon 95 Prozent postmenopausal.

Fast jede dritte Frau im mittleren Lebensabschnitt erfuhr einen Lustverlust assoziiert mit Stress. Mit Testosteron-Behandlung stieg die Häufigkeit befriedigender sexueller Ereignisse, das Selbstbild verbesserte sich und auch das Wohlbefinden insgesamt stieg. Dagegen konnten keine Effekte auf die Kognition, Knochendichte, Körperzusammensetzung, Muskelstärke oder Depressionen gefunden werden.

Haarverlust und Gewichtszunahme

Auch die Nebenwirkungen untersuchten die Forscher. Demnach gab es keine schwerwiegenden Auswirkungen auf die Glucose- und Insulin-Spiegel im Blut, den Blutdruck oder auf die Brust. Für eine klare Risikoeinschätzung des Brustkrebsrisikos reichten die Daten jedoch nicht aus. Hier brauche es mehr Studien, so die Autoren. Das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle war unverändert. Bei weiteren unerwünschten Ereignissen kam es auf die Applikationsform an: Bei oralen Präparaten stieg der LDL-Cholesterol-Wert, während HDL-, Gesamtcholesterol- und Triglycerid-Werte fielen. Die nicht oralen Arzneiformen hatten dagegen keinen Einfluss auf das Lipidprofil.

Als leichtere Nebenwirkungen traten Akne und Haarverlust auf. Jedoch brachen aufgrund dieser unerwünschten Wirkungen genauso viele Frauen in der Testosteron- wie in der Placebo-Gruppe die Therapie ab. Für die Review-Autoren ist das ein Hinweis darauf, dass diese Effekte für die Probandinnen weniger relevant waren. In fünf Studien mit 2032 Patientinnen trat als Nebenwirkung eine leichte Gewichtszunahme auf.

»Unsere Ergebnisse zeigen, dass es Zeit ist, Testosteron-Therapien maßgeschneidert für postmenopausale Frauen zu entwickeln, statt diese mit den hoch konzentrierten Formulierungen für Männer zu behandeln«, sagt Davis in einer Pressemitteilung des Fachjournals. In keinem Land seien aber bislang Testosteron-Präparate speziell für Frauen zugelassen. Auch gebe es keine internationalen Leitlinien für die Anwendung bei Frauen. »Angesichts der Vorteile, die wir für das Sexualleben und das persönliche Wohlbefinden von Frauen gefunden haben, brauchen wir dringend neue Leitlinien und neue Formulierungen«, fordert Davis.

Die Forscher schauten sich auch die Daten für eine Testosteron-Substitution bei prämenopausalen Frauen an. Hier lagen jedoch lediglich drei Studien mit 226 Frauen vor, sodass sich keine Aussage zur Wirksamkeit von Testosteron bei sexueller Dysfunktion treffen lasse.

Mehr von Avoxa