Botox |
Das neurotoxische Botulin hat viele Namen: Botulinum Neurotoxin, Botulismustoxin, oder Botulinumtoxin. Noch bekannter ist Botox, das erste Fertigarzneimittel aus dem Nervengift. Fachärzte in der Neurologie nutzen Botox seit den 1980er-Jahren, um verschiedenste Symptome zu behandeln. Botox-Injektionen werden auch zur Faltenkorrektur benutzt. Das einzige in Deutschland für die ästhetische Medizin zugelassene Botulinumtoxin heißt Vistabel.
Zur richtigen Begriffsverwendung sollte vorab geklärt werden, dass Botox® ein Präparat des Pharmazieunternehmens Allergan ist. Vergleichbar mit Tempo-Papiertaschentüchern hat sich der Markenname Botox® im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch als Gattungsname für Botulinumtoxin-haltige Präparate verselbständigt.
Es handelt sich dabei um Botulinumtoxin Typ A, ein Toxin, das Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde und seinen Namen einem Erreger in einer Wurst (lateinisch: botulus) zu verdanken hat, nach deren Verzehr Vergiftungssymptome und Todesfälle auftraten. Botulinumtoxin gehört zu den stärksten Giften überhaupt. Bereits 1 ng/kg Körpergewicht können tödlich sein.
Botulinumtoxin blockiert die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin an den Nervenenden, besonders durch die Spaltung des an der Transmitterfreisetzung beteiligten Proteins SNAP-25. Die Nervenzelle kann dann die Muskelfaser nicht mehr erregen; der Muskel bleibt gelähmt. Diese Hemmung ist irreversibel, erst durch Neubildung der Nervenenden wird die Impulsübertragung wiederhergestellt.
Das therapeutische Potenzial des Nervengiftes wurde erst in den 1970er-Jahren erschlossen und führte zunächst zur Zulassung von Botox® in den USA im Jahr 1989. Vier Jahre danach erfolgte schließlich auch die Zulassung in Deutschland. Inzwischen gibt es einige Botulinumtoxin-haltige Präparate im deutschen Handel.
Medizinisch wird Botulinumtoxin/Botox bereits in folgenden Bereichen eingesetzt:
Auch bei Depressionen wird ein Einsatz des Nervengifts inzwischen in Betracht gezogen. Forscher halten es für möglich, dass Botulinumtoxin nach der Injektion in Regionen des Zentralnervensystems gelangt, die an Stimmung und Emotionen beteiligt sind. Es könnte aber auch indirekt wirken, indem es die Symptome von chronischen Erkrankungen lindert, die die Ursache von Depressionen sein können. Um das zu klären, sind noch weitere Studien erforderlich.
Die inzwischen auch häufige Verwendung von Botulinumtoxin für Schönheitsbehandlungen war im Übrigen ein Zufall. Als Nebeneffekt der Behandlung verkrampfter Augenmuskulatur entdecke man die Glättung von Falten. Was vielen nicht wissen: Botox® selbst ist für den kosmetischen Bereich gar nicht zugelassen. Hierfür gibt es beispielsweise Vistabel®, das zweiten Botulinumtoxin Typ A-haltigen Präparat von Allergan. Dieses ist bei Krähenfüßen, Glabella- und Stirnfalten zugelassen, nicht jedoch im medizinischen Bereich.