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Zystitis

Therapie bei Blasenentzündung richtig abwägen 

Harnwegsinfekte sind ein häufiger Grund, die Apotheke aufzusuchen. Viele Patienten wünschen sich, den Infekt ohne Arztbesuch und Antibiotika-Therapie loszuwerden. Auch wegen zunehmender Resistenzen sind alternative Behandlungsmethoden vorzuziehen.
Nicole Schuster
19.01.2021  08:30 Uhr

Solange die Zystitis unkompliziert ist, heilt sie oft auch ohne Antibiose ab. Unkompliziert ist sie gemäß der S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten“ von 2017, wenn im Harntrakt keine relevanten Anomalien, keine Nierenfunktionsstörungen und keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen. Um die Beschwerden zu lindern, kann die PTA das entzündungshemmend und schmerzstillend wirkende Analgetikum Ibuprofen empfehlen. Dass die rein symptomatische Therapie ausreichen kann, bestätigte 2015 eine Studie: Bei dreitägiger Einnahme von Ibuprofen (3 x 400 mg) waren nach einer Woche 70 Prozent der eingeschlossenen Patientinnen beschwerdefrei. Bei einer sofortigen antibiotischen Behandlung in Form einer Einmalgabe Fosfomycin genasen 80 Prozent der Frauen. Das zeigt deutlich: Es geht oft auch ohne Antibiotikum. Wichtig ist den Leitlinien-Autoren aber, dass bei der Wahl der Behandlung der Wunsch der Betroffenen berücksichtigt wird. Der Verzicht auf das Antibiotikum bedeutet auch, dass die Frauen unter stärkeren Symptomen leiden und das Risiko für Komplikationen erhöht ist. Klagt die Patientin bereits über Symptome wie Fieber oder Flankenschmerzen, sollte die PTA immer für den Gang zum Arzt plädieren.

Rezidivierend besonders lästig

Belastend ist, wenn Harnwegsinfekte regelmäßig wiederkehren, etwa nach dem Geschlechtsverkehr („Honeymoon-Zystitis“). Laut Leitlinie spricht man von einer rezidivierenden Zystitis, wenn mindestens zwei symptomatische Episoden innerhalb von sechs Monaten oder mindestens drei innerhalb von zwölf Monaten auftreten. Die PTA kann zusammen mit der Patientin nach möglichen Ursachen suchen. Verhütet sie mit einem Diaphragma und einem spermizidhaltigen Mittel? Diese Methode erhöht das Risiko für Harnwegsinfekte. Möglicherweise hilft es, ein anderes Mittel zum Empfängnisschutz zu wählen. Frauen, die häufig nach dem Geschlechtsverkehr Harnwegsinfekte entwickeln, wird oft die Blasenentleerung „danach“ empfohlen. Laut Leitlinie sind die Daten dazu aber widersprüchlich. Verlässlich wirkt ein Antibiotikum als Einmalgabe, dass Betroffene nach dem Geschlechtsverkehr anwenden. Der Arzt kann ein geeignetes Präparat verschreiben.

Bei Frauen in der Postmenopause kann die lokale Estriol-Substitution (0,5mg/Tag) die Rate an Harnwegsinfektionen senken. Durch einen lokalen Hormonmangel ist der vaginale pH-Wert erhöht und Krankheitserreger können sich leichter ansiedeln. Ob die Anwendung auch jüngeren Patientinnen hilft, ist noch unklar.

Alternativen zur Antibiose

Vor Beginn einer antibiotischen Langzeitprävention können auch Immunprophylaktika einen Versuch wert sein: Uro-Vaxom® oral über drei Monate oder StroVac® parenteral mit drei Injektionen in wöchentlichen Abständen. Bei Uro-Vaxom® haben zwei Metaanalysen gezeigt, dass das Mittel rezidivierenden Harnwegsinfektionen vorbeugt. Der Impfstoff StroVac® ist zur Therapie und Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfekte bakterieller Herkunft zugelassen. Auch seine Wirkung wurde in Studien bestätigt.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Bakterien daran zu hindern, an der Blasenschleimhaut anzudocken. Die Wirkung von Cranberrysaft, einem bewährten Mittel aus der nordamerikanischen Volksmedizin, haben Wissenschaftler zwar in Studien bestätigen können. Allerdings reichen die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchungen nicht aus, um Cranberry- und Moosbeerenprodukte zur Langzeitprävention zu empfehlen.

Die Autoren befürworten hingegen den Einsatz von Mannose. Die PTA kann bei häufig rezidivierender Zystitis der Frau empfehlen, 2 g Mannose pro Tag in einem Glas Wasser einzunehmen. Die Wirkung erwies sich als gleichwertig mit der Langzeitprävention mit dem Antibiotikum Nitrofurantoin, für das jedoch Nebenwirkungen wie Lungenreaktionen bekannt sind. Alternativ kann das Apothekenteam verschiedene Phytotherapeutika, beispielsweise Präparate aus Bärentraubenblättern, Kapuzinerkressekraut oder Meerrettichwurzel, vorschlagen. Dabei darauf hinweisen, dass sich Bärentraubenblätter nicht für eine Langzeittherapie über einen Monat hinaus eignen. Für Angocin® Anti-Infekt N, also die Kombination aus 80 mg Meerrettichwurzelextrakt und 200 mg Kapuzinerkressekraut, sank in einer Studie bei zweimal täglicher Einnahme die Harnwegsinfektionsrate. 

Für drei bis sechs Monate

Wenn alle Mittel versagen, sind Antibiotika meist unabdingbar, etwa in Form einer kontinuierlichen Einnahme über drei bis sechs Monate. Patientinnen, die in der Lage sind, eine Zystitis selbst zu diagnostizieren, kann der Arzt ein Antibiotikum verschreiben, das die Betroffene dann nach Bedarf in Form einer patienteninitiierten Selbsttherapie anwendet. 

Bei Zystitis kann die PTA auch immer ein paar allgemeine Tipps mit auf den Weg geben, die helfen sollen, ein Wiederaufkehren zu vermeiden. Betroffene sollten es mit der Intimhygiene nicht übertreiben, um die schützende Zusammensetzung der Scheidenflora nicht aus der Balance zu bringen. Auch die Füße warm zu halten, Unterkühlung zu vermeiden und ausreichend, aber auch nicht übermäßig zu trinken, kann Infektionen vorbeugen. Wer regelmäßig Fruchtsäfte, insbesondere aus Beeren, trinkt und mit probiotischen Bakterien fermentierte Milchprodukte zu sich nimmt, kann einer Untersuchung zufolge das Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfekte ebenfalls senken. 

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