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Häufiges Symptom

Trockene Augen in den Wechseljahren

Fast zwei Drittel aller Frauen kämpfen während oder nach den Wechseljahren mit trockenen Augen. Das hat nun eine spanische Studie ergeben und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) veranlasst, auf den Zusammenhang zwischen Hormonhaushalt und trockenen Augen sowie auf die Therapiemöglichkeiten aufmerksam zu machen.
Katja Egermeier
13.08.2021  13:42 Uhr

In den Wechseljahren geraten die Hormone im weiblichen Körper durcheinander – mit den bekannten Folgen für Fruchtbarkeit, Stoffwechsel, Schlaf und Psyche. Weniger Beachtung wurde dagegen bisher der Tatsache geschenkt, dass die hormonellen Veränderungen auch Auswirkungen auf die Augen haben können.

Dass Geschlechtshormone generell einen großen Einfluss auf die Entstehung von trockenen Augen haben, ist bereits gut untersucht. So ist der DOG zufolge bereits festgestellt worden, dass die Symptome im Rhythmus des Menstruationszyklus mit den an- und absteigenden Östrogenspiegeln schwanken oder durch die Pille verstärkt werden. Während einer Schwangerschaft nehmen die Beschwerden dagegen meist ab.

Während der Wechseljahre ist nach Angaben der DOG vor allem ein Rückgang der Androgene für die Entstehung oder Verschlechterung von trockenen Augenbedeutsam. »Der fehlende Androgeneinfluss lässt die sogenannten Meibomdrüsen – modifizierte Talgdrüsen im Lidrand, die den fettigen Anteil des Tränenfilms produzieren – weniger aktiv werden«, erklärt Professor Elisabeth M. Messmer von der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Der Tränenfilm verdunste daher schneller, was die Symptome des Trockenen Auges und eine schwankende Sehschärfe bei der Arbeit am Bildschirm, beim Lesen oder Autofahren verursache. »Da die Androgene auch für die Produktion des wässrigen Tränenfilms aus der Haupttränendrüse und den kleinen Drüsen in der Bindehaut mitverantwortlich sind, droht mit sinkendem Androgenspiegel zugleich ein Tränenmangel«, so Messmer. Dieses Defizit könne zur Entzündung der Augenoberfläche und zur Schädigung der Hornhaut führen, was die Sehkraft weiter beeinträchtige.

Hormonersatztherapie keine Lösung

»Der zunächst naheliegende Gedanke, dass eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren auch das Trockene Auge lindern könnte, hat sich jedoch nicht bestätigt«, sagt Messmer. Im Gegenteil sei seit der groß angelegten Women’s Health Study mit über 25.000 Teilnehmerinnen im Jahr 2001 bekannt, dass die Einnahme von Hormonen – vor allem von hochdosierten Östrogenen – die Symptome des Trockenen Auges sogar verstärkten.

Seit einigen Jahren versuchten Mediziner, aus diesen Beobachtungen Therapiemaßnahmen abzuleiten. »In mehreren Studien wurde die Wirkung von Augentropfen untersucht, die etwa Östrogen oder Testosteron direkt ins Auge bringen«, so die DOG-Expertin. Erste Ergebnisse seien zwar ermutigend, allerdings würden noch größere kontrollierte Studien benötigt, um den Effekt zu evaluieren.

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