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Vorsorgekoloskopie

Trotz Corona zur Darmspiegelung gehen

Aufgrund der Corona-Pandemie sind in den vergangenen Wochen vor allem endoskopische Eingriffe und hier insbesondere Magen- und Darmspiegelungen im großen Umfang abgesagt worden. Dringend sollten jetzt wieder die regulären Früherkennungsuntersuchungen und hier auch die Vorsorgekoloskopie wahrgenommen werden. Das betonte heute die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).
Christiane Berg
20.05.2020
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»Es droht anderenfalls das Risiko, dass Krebserkrankungen zu spät erkannt werden«, warnt die Fachgesellschaft, in der mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler zusammengeschlossen sind. »Unseren Schätzungen nach sind allein bei den Koloskopien seit Auftreten der Corona-Pandemie mindestens 20.000 Untersuchungen in Deutschland entfallen«, so Professor Heiner Wedemeyer, Mitglied im Vorstand der DGVS. Diese seien entweder seitens der Ärzte, jedoch oft auch von den Patienten selbst aus Angst vor Ansteckung abgesagt worden. »Aktuell kehren Kliniken und Praxen jetzt schrittweise wieder zur Normalität zurück«, konstatierte der Gastroenterologe.

»Dabei setzen gastroenterologische Abteilungen und Praxen umfassende Hygienemaßnahmen zum Infektions-Schutz sowohl ihrer Patienten als auch ihrer Mitarbeiter um«, unterstrich Dr. Peter Buggisch, ebenfalls Mitglied im Vorstand der DGVS. »Patienten können darauf vertrauen, dass sie sicher versorgt werden«, betonte der Hepatologe. Vor allem akute Beschwerden – starke Oberbauchschmerzen, Blut im Stuhl, blutiges Erbrechen oder plötzliche Gewichtsabnahme – müssen zeitnah abgeklärt werden. »Sonst drohen ernsthafte gesundheitliche Probleme«, mahnte er.

Warnung vor Anstieg zu spät erkannter Krebsfälle

»Für einen gewissen Zeitraum ist das Verschieben oder Aussetzen insbesondere von Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen angesichts einer Ausnahmesituation vertretbar, aber längerfristig droht ein Anstieg zu spät erkannter Krebsfälle«, warnt auch Professor Helmut Messmann, Sekretär der Sektion Endoskopie der DGVS.

»Vorsorgekoloskopien sind unter den etablierten Schutzmaßnahmen sicher durchführbar. Mancherorts sind in der Pandemie-Situation die Kapazitäten noch reduziert. Gerade in den Praxen und Ambulanzen ist das Angebot an endoskopischen Untersuchungen in der Regel aber nicht mehr eingeschränkt«, unterstreicht Dr. Ulrich Rosien, Vorsitzender der Sektion Endoskopie der DGVS.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 60.000 Menschen neu an Darmkrebs. Ein Großteil dieser Fälle wäre vermeidbar, wenn mehr Menschen zu Vorsorgeuntersuchungen gehen würden. Das von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Angebot zur Darmkrebsfrüherkennung, so die DGVS, gehört zu den effektivsten Früherkennungsmaßnahmen, die in der Medizin zu Verfügung stehen: In den ersten zehn Jahren nach Einführung der gesetzlichen Darmkrebsfrüherkennung sank die Darmkrebssterblichkeit bei Männern ab 55 Jahren um fast 21 Prozent, bei Frauen dieser Altersgruppe sogar um mehr als 26 Prozent.

Ab dem Alter von 50 Jahren können Männer und Frauen mit dem immunologischen Stuhltest (iFOBT) jährlich ihren Stuhl auf verstecktes Blut untersuchen lassen. Zudem bietet das Früherkennungsprogramm Männern ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren eine Darmspiegelung als zuverlässigste Methode der Früherkennung an. Sie sollte alle zehn Jahre wiederholt werden.

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