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Zu viel Hunger

Übergewicht durch Fehlsteuerung

Wer übergewichtig ist und abnehmen will, findet eine Fülle von Produkten, Methoden, Tipps und Tricks. Im Fall der Adipositas sind diese in der Regel nur wenig zielführend. Die Betroffenen geraten schnell in einen Kreislauf aus Gewichtsabnahme und darauffolgender Gewichtszunahme, die das Gewicht höher werden lässt als vor der Diät. Das frustriert und lässt die angestrebte Gewichtsreduktion in immer weitere Ferne rücken.

 Adipositas gilt heute als Krankheit, die einer konsequenten und von Experten begleiteten Therapie bedarf. Der erste Schritt in der Adipositastherapie ist die Basisbehandlung, die aus einer Kombination aus Ernährung-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie besteht. Das Deutsche Netzwerk Adipositas rät Betroffenen bei der Therapiewahl darauf zu achten, dass die Betreuung interdisziplinär durch einen Ernährungsmediziner, Diät- und Sporttherapeuten sowie Psychologen erfolgen sollte. Eine erfolgsversprechende Therapie müsse zudem langfristig – mindestens zwölf Monate – angelegt sein und dürfe nicht mit dem Verkauf von Abnehmprodukten verknüpft sein. Ergänzend zum Basisprogramm empfiehlt die Patientenleitlinie »Diagnose und Behandlung der Adipositas« der Deutschen Adipositas Gesellschaft Gewichtsreduktionsprogramme, die allerdings möglichst gut zur individuellen Situation und den gesteckten Therapiezielen passen sollten.

Wichtig sei es zudem, auf wissenschaftlich evaluierte Programme zurückzugreifen. Programme wie »Ich nehme ab« von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, »Abnehmen mit Genuss« von der AOK oder »M.O.B.I.L.I.S.«, das als interdisziplinäres Projekt vom Universitätsklinikum Freiburg und der Deutschen Sporthochschule Köln initiiert wurde, erfüllen diese Bedingung.

Operation als letzte Lösung

Im Vordergrund von Gewichtsreduktionsprogrammen steht die Unterstützung und Motivation zur Steigerung der körperlichen Bewegung sowie bei der Ernährungs- und Verhaltensumstellung. Der Gewichtsverlust der Teilnehmer liegt je nach Programm und Geschlecht zwischen zwei und sechs Kilogramm pro Jahr. Werden höhere Gewichtsverluste angestrebt, eignen sich Programme besser, die mit Formulaprodukten arbeiten wie »Bodymed« oder »OPTIFAST-51«. Hier liegt die Gewichtsabnahme bei 10 bis 20 Kilogramm pro Jahr.

Patienten, die innerhalb von sechs Monaten weniger als 5 Prozent ihres Ausgangsgewichts verlieren oder nach einer Phase der Gewichtsreduktion eine Gewichtszunahme von mehr als 5 Prozent des Ausgangsgewichtes aufweisen, können die Basistherapie medikamentös unterstützen. Zum Einsatz kommt der Wirkstoff Orlistat, der die Fettresorption aus dem Darm verringert und damit die Kalorienaufnahme reduziert. Adipositaschirurgische Maßnahmen stehen ganz am Ende der Behandlungsmöglichkeiten. Obwohl sie heute durch eine Vielzahl von klinischen Studien belegt sind, bergen sie Risiken, dass erst eingegangen werden sollte, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft wurden und nicht zum Therapieziel geführt haben. 

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