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Geblähter Bauch

Ursache meist die Ernährung

Im Darm des Menschen entstehen beim Verdauungsprozess natürlicherweise Gase. Das kann ­Beschwerden verursachen, gegen die verschiedene Medikamente für die Selbst­medikation helfen. Zusammen mit einer Änderung der Ernährungsweise und mehr Bewegung lässt sich das Problem oft lösen. Bei sehr starken Blähungen ist eine ärztliche Abklärung der möglichen Ursache empfehlenswert.
Annette Immel-Sehr
12.02.2019
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Vielen Menschen ist es unangenehm, in der Apotheke offen über Blähungen zu sprechen. Stattdessen ist dann oft von »Verdauungsproblemen« die Rede. Im Beratungsgespräch kommen PTA und Apotheker jedoch meist schnell dahinter, was die Kunden im wahrsten Sinne des Wortes wirklich drückt. Denn wenn im Darm übermäßig große Gasmengen entstehen, so drücken diese auf die Darmwand und lösen eine Schmerzempfindung aus. Der Bauch ist vorgewölbt und fühlt sich gespannt an. Auch rumorende Darmgeräusche und ein starkes Kollern im Leib sind charakteristisch.

Betroffene klagen oft über ein Völlegefühl und »aufgebläht sein«. Bei starker Ausprägung können sich kolikartige Schmerzen entwickeln. In seltenen Fällen äußern sich Blähungen auch in Herz- und Atembeklemmungen, dem Roemheld-Syndrom.

Mediziner verwenden zwei Fachbegriffe, um Blähungen näher zu präzisieren: Meteorismus und Flatulenz. Von Meteorismus sprechen sie, wenn große ­Gasmengen den Unterleib aufblähen. »Flatulenz« beschreibt den starken ­Abgang von übermäßig produzierten Darmgasen.

Gärprozesse durch Bakterien

Dass sich im Darm Gase bilden, ist ganz natürlich. Vor allem die Darmbakterien lassen Gase entstehen, wenn sie Nahrungsbestandteile verwerten. Dabei handelt es sich um Kohlendioxid, Methan und andere. Auch Stickstoff aus verschluckter Luft stellt einen Teil der Darmgase. Der Großteil der Gase wird durch die Darmschleimhaut in das Blut aufgenommen und dann über die Lunge abgeatmet. Eine kleine Menge entweicht unauffällig vor oder während des Stuhlgangs. Aus manchen Speisen, zum Beispiel Zwiebeln und Lauch, setzen die Darmbakterien Schwefelverbindungen und Indole frei, die übel riechen.

Die Menge der gebildeten Gase hängt wesentlich von der Zusammensetzung der Nahrung ab. Die Gasbildung steigt beispielsweise nach dem Verzehr blähender Speisen wie Kohl, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Diese Lebensmittel enthalten relativ große Mengen an Ballaststoffen, welche im Dünndarm des Menschen nicht verdaut werden können. Die Ballaststoffe gelangen in den Dickdarm und dienen dort bestimmten Darmbakterien als Nahrung. Ebenso kann eine überhöhte Zufuhr von Zuckern über einen verstärkten mikrobiellen Abbau eine Gärungsdyspepsie verursachen. Große Mengen kohlensäurehaltiger Getränke, wie Sprudelwasser oder Bier, können die Menge an Darmgasen zudem spürbar erhöhen. Häufige weitere Ursachen sind in der Tabelle zusammengestellt.

Reiseübel

Gerade auf Reisen haben Menschen oft mit Meteorismus zu kämpfen. Ungewohnte Nahrung, vor allem aber eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten bei langen Busreisen oder auf Langstreckenflügen, fördern das Festsitzen von Verdauungsgasen. In diesen Fällen gehören Arzneimittel gegen Blähungen mit in die Reiseapotheke. Empfindliche Personen sollten schon zu Beginn der Reise prophylaktisch mit der Einnahme beginnen.

So unangenehm, belastend und vielleicht sogar schmerzhaft Blähungen auch sind, sie stellen an sich keine gesundheitliche Gefahr dar. Leichte Beschwerden lassen sich gut selbst ­therapieren. Dazu stehen verschiedene Medikamente zur Ver­fügung, vor allem entschäumende Silikonpräparate und ­Phytopharmaka.

Dimeticon und Simeticon sind Makromoleküle, die die Oberflächenspannung von Gasschäumen im Darm herabsetzen. Dadurch lassen sich die Verdauungsgase besser resorbie­ren und auch in Form kleiner Bläschen leichter abtrans­portieren. Die Substanzen selbst werden nicht resorbiert und sind sehr gut verträglich. Die Medikamente müssen regelmäßig zum oder nach dem Essen eingenommen werden. Bei Kautabletten ist es wichtig, dass diese fein zerkaut und dann rasch geschluckt werden. In Tropfenform eignen sich Dimeticon- und Simeticon-Zubereitungen auch für Säuglinge.

Phytos zeigen Wirkung

Eine Vielzahl von Heilpflanzen enthält ätherische Öle, die aufgrund ihrer spasmolytischen, gärungshemmenden und verdauungsfördernden Wirkung bei Meteorismus und Flatulenz wirkungsvoll eingesetzt werden können. Pfefferminze, Anis, Fenchel und Kümmel haben als Tee und Tinkturen eine lange Tradition als Carminativa. Bitterstoffhaltige Drogen wie Pomeranzenschale, Condurangorinde, Wermutkraut und Enzianwurzel regen den Appetit, die Magensaft- und Galleproduktion an. Viele Präparaten und Tees enthalten sowohl Bittermittel als auch Carminativa.

Bei leichten krampfartigen Beschwerden können Kamillen- oder Pfefferminztee sowie Wärmeauflagen Linderung schaffen. Bei schwereren Spasmen hilft Butylscopolamin – allerdings bedürfen wiederkehrende Krämpfe und starke Beschwerden unbedingt der Abklärung durch den Arzt. Denn Blähungen können auch Symptom einer Erkrankung sein.

So treten sie beispielsweise häufig im Rahmen eines Reizdarmsyndroms auf, bei Obstipation oder wenn bestimmte Zucker wie Milchzucker (Lactose), Fruchtzucker (Fructose) oder Sorbit nicht durch körpereigene Enzyme verdaut be­ziehungsweise nicht ­resorbiert werden können. PTA und Apotheker können dem Kunden raten, ein Beschwerden-Tagebuch­ zu führen. Darin soll er festhalten, wann die Beschwerden auftreten, welche Lebensmittel er zuvor verzehrt hat, ob er Stuhlgang hatte und ob es irgendwelche Besonderheiten im Tagesablauf gab. Damit unterstützt der Patient den Arzt dabei, die Ursache der Beschwerden herauszufinden. Wird diese dann erfolgreich behandelt, verschwinden auch der Druck im Unterleib und die peinlichen Winde.

Liegt den Verdauungsbeschwerden ein Mangel an Pankreasenzymen zu Grunde, können Enzympräparate hilfreich sein. Sie werden auch in fester Kombination mit entschäumenden Wirkstoffen angeboten. Auch eine Störung der Darmflora nach Antibiotika-Therapie oder die Therapie mit Acarbose kann Flatulenz mit sich bringen. Acarbose hemmt das Enzym α-Glucosidase und dadurch den Abbau von Kohlenhydraten. Dies führt wunschgemäß dazu, dass der Blutglucosespiegel nach einer Mahlzeit nur langsam steigt. In der Folge gelangen aber vermehrt unverdaute Kohlenhydrate in den Dickdarm und führen dort nach mikrobieller Spaltung zu einer gesteigerten Gasbildung. Die Beschwerden fallen milder aus, wenn einschleichend dosiert wird.

Da ernstzunehmende Erkrankungen wie Darmverschluss, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Bauchfellentzündung, Leberzirrhose oder Herzschwäche ähnliche Symptome wie Meteorismus aufweisen, sollten Betroffene bei starken und anhaltenden Beschwerden stets ein Arzt hinzuziehen.

Ungemach im Babybauch

Menschen machen meist schon am Anfang des Lebens erstmals Erfahrungen mit Blähungen. Denn viele Säuglinge leiden in den ersten drei Lebensmonaten darunter. Die genauen Ursachen der so genannten Dreimonatskolik sind nicht geklärt – vermutlich kommen meist mehrere zusammen. Dies können ein noch nicht ausreichend funktionierendes Verdauungssystem sein und zu starke oder zu schwache Darmbewegungen. Auch das Essverhalten scheint einen Einfluss zu haben. Wenn der Säugling sehr schnell trinkt und dabei Luft verschluckt ohne zwischendurch aufzustoßen, führt dies unweigerlich zu Blähungen. Auch beim Schreien schlucken Babys Luft.

Charakteristisch ist, dass das Baby die Beine anzieht und der Bauch aufgebläht erscheint. Da das Kind Schmerzen hat, schreit es oft ausdauernd und heftig. Meist steckt keine Erkrankung dahinter und die Beschwerden verschwinden mit der Zeit von selbst. Bis dahin können Dimeticon- und Simeticon-Tropfen oder Fenchel-Kümmel-Tee Linderung schaffen. Darüber hinaus erleichtert eine Bauchmassage mit warmen Händen den Abgang der Blähungen. Die Hände bewegen sich dabei kreisförmig im Uhrzeigersinn von außen nach innen und schließlich wieder von innen nach außen um den Nabel herum. Auch eine nicht zu heiße Wärmeauflage auf dem Bauch (zum Beispiel ein Kirschkernsäckchen) entspannt. Manchen Kindern hilft es, wenn sie bäuchlings im »Fliegergriff« auf dem Unterarm herumgetragen werden.

Ein allgemeingültiger Zusammenhang zwischen der Ernährungsweise der Mutter und dem Auftreten von ­Blähungen beim gestillten Säugling ist nicht belegt. Dennoch sollte die stillende Mutter beobachten, ob der Verzehr bestimmter Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Knoblauch oder Zwiebeln beim Kind Probleme verursacht und sie dann gegebenenfalls weglassen.

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