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Entzündeter Mund

Ursachen vielfältig

Erkrankungen in der Mundhöhle sind an sich nicht gefährlich, können aber sehr schmerzhaft sein. Am häufigsten betroffen sind Kleinkinder, Hochbetagte und Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Eine breite Palette von Präparaten steht zur Selbstmedikation zur Auswahl. Sie nehmen den Schmerz und fördern die Abheilung.
Annette Immel-Sehr
12.03.2019
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Die gesamte Mundhöhle ist mit einer gefäßreichen Schleimhaut ausgekleidet, die normalerweise glatt, blass-­rosa und weich ist. Die Speicheldrüsen sorgen für ein feuchtes Milieu im Mund und schaffen mit dem Speichel gute Lebensbedingungen für ein vielfältiges Mikrobiom, das sowohl aus gesundheits- als auch krankheitsassoziierten Bakterien besteht. Wenn die Speichelproduktion eingeschränkt ist oder die Zahnpflege nicht gründlich erfolgt, kann dies Infektionen begünsti­gen. Auch eine allgemeine Abwehrschwäche erleichtert es krankmachenden Keimen, sich auf der Mundschleimhaut zu vermehren. Da sie reich an Nervenendigungen ist, sind selbst harmlose Entzündungen und Verletzungen meist recht schmerzhaft. Je nachdem, ob sich die Entzündung auf der Mundschleimhaut, dem Zahnfleisch oder dem Zahnhalteapparat abspielt, unterscheiden Zahnmediziner zwischen Stomatitis, Gingivitis beziehungsweise Parodon­titis.

Eine entzündete Mundschleimhaut ist auffallend gerötet und geschwollen und neigt zu Blutungen (Stomatitis simplex). Der Speichel fließt verstärkt, und der Mund schmerzt. Wenn die auslösenden Mikroorganismen tiefer in die Mundschleimhaut eindringen, können sich eitrige Entzündungen entwickeln. Ursache ist häufig eine örtliche Reizung durch schlecht sitzende Zahnprothesen, Zahnsteinablagerungen oder mechani­sche Verletzungen. Eine Stomatitis simplex kann aber auch als Begleit­symptom anderer Infektionskrankheiten auftreten, beispielsweise einer Mandel- oder Lungenentzündung, oder Folge eines Vitaminmangels sein (Vitamin A und C, ­B-­Vitamine).

PTA und Apotheker sollten erfragen, ob der Kunde eine mögliche Ursache der Entzündung benennen kann. Mechanische Verletzungen heilen in der Regel selbst. Beklagt der Patient eine schlechtsitzende Prothese im Mund, dann sollte der Zahnarzt für Abhilfe sorgen. Wenn der Kunde über häufiges Zahnfleischbluten und wiederkehrende Entzündungen in der letzten Zeit berichtet, ist ein Besuch beim Zahnarzt oder Hausarzt anzuraten, damit dieser der Ursache auf den Grund geht. Ein Fehler wäre es, bei Zahnfleischbluten und Entzündungen die Zahnpflege einzustellen, da sich die krankmachenden Bakterien dann schneller vermehren und ausbreiten können.

Entzündung lindern

Um dem Kunden sofort zu helfen und die Zeit bis zur Heilung oder dem Arztbesuch zu überbrücken, können PTA und Apotheker ihm ein Medikament gegen Entzündung und Schmerz empfehlen. Dazu steht ein breites Sortiment von Wirkstoffen zur Auswahl. Gegen den Schmerz wirken Lokalanästhetika wie Lidocain, Benzocain oder Xylocain. Adstringentien fördern die schnelle Abheilung. Gebräuchlich sind Aluminiumsalze sowie Extrakte aus Myrrhe, Ratanhia- oder Rhabarberwurzel. Entzündungshemmende und antiseptische Mundlösungen enthalten beispielsweise Chlorhexidin, Hexidin, Dequalinium oder Jod-Povidon. Dexpanthenol-haltige Produkte können die Heilung unterstützen. Bei lokaler Behandlung mit Hyaluronsäure entsteht ein Film über der erkrankten Stelle, der vor weiterer Reizung schützt.

Wenn die schmerzhafte Stelle von der Fläche her begrenzt und gut zugänglich ist, sollte der Patient mehrmals täglich ein erbengroßes Stück Gel oder einige Tropfen Tinktur mit dem Wattestäbchen auftragen und vorsichtig einreiben. Bei nicht zugänglichen Stellen oder Entzündungen im gesamten Mundraum ist es sinnvoll, eine Mundspülung zu verwenden. 

Pathogenese nicht bekannt

Eine Sonderform der Schleimhautentzündung sind Aphthen. Mit diesem Begriff bezeichnen Mediziner bestimmte oberflächliche Schädigungen der Schleimhaut, die von einem entzündlichen Rand umgeben sind. Aphten sind relativ klein, ihr Durchmesser beträgt meist nur wenige Millimeter. Oft ­haben sie einen weißlichen Belag. Aphthen sind sehr schmerzhaft. Die Ursachen sind bis heute nicht geklärt. Mediziner diskutieren, dass es sich um Durchblutungsstörungen in den kleinsten Äderchen handelt. Offenbar machen auch Stress und ein angeschlagener Gesundheitszustand anfällig für Aphten. Sie sind kein Grund zu Sorge, denn sie heilen nach ein bis drei Wochen ohne Narben ab. Bis dahin lässt sich der Schmerz mit Lokalanästhetika in Form von Gelen oder Lutschpastillen lindern. Die Patienten sollten den Arzt aufsuchen, wenn die Aphthen sehr groß sind, zusammenfließen oder wenn sie häufig auftreten. Eine Therapieoption ist dann beispielsweise Triamcinolonacetonid. Damit unter einer Triamcinolontherapie keine Sekundärinfektion entsteht, ist eine sorgfältige Mundhygiene besonders wichtig.

Ein ähnliches Krankheitsbild wie Aphten entwickelt sich bei einer Infektion mit Herpes-simplex-Viren (HSV-1). Ärzte sprechen in diesem Fall von Stomatitis aphthosa oder Gingivostomatitis herpetica – zu Deutsch: Mundfäule. Typisch sind viele kleine Bläschen auf der Mundschleimhaut und manchmal auch an den Lippen. Diese platzen auf, und es entstehen schmerzhafte, stecknadelkopf- bis linsengroße Schleimhautschäden mit weißlichem oder gelb-grauem Belag und einem rötlichen Rand. Die Erkrankung heilt in der Regel von selbst innerhalb von zwei Wochen ab. Da die aphtenähnlichen Schädigungen sehr schmerzen, sind vor allem Lokalanästhetika empfehlenswert sowie Adstringentien. Bei Kindern, die starke Schmerzen haben, verordnet der Arzt oft Paracetamol. Nur in schweren Fällen ist ein systemisch wirkendes Virustatikum erforderlich.

Symptomatisch behandeln

Einer der häufigsten Gründe für Bläschen und Läsionen im Mund bei kleinen Kindern ist die Hand-Mund-Fuß-Krankheit, die von Coxsackie-A-Viren ausgelöst wird. Im Rachen, auf der Mundschleimhaut, der Zunge und den Lippen bilden sich Bläschen, die zerplatzen und zu kleinen schmerzhaften Geschwüren werden. Im Verlauf von ein bis zwei Tagen kommt ein nicht-­juckender Hautauschlag auf den ­Handflächen und Fußsohlen hinzu. Die Kinder haben oft verstärkten Speichelfluss, fühlen sich schlapp und entwickeln Fieber. In der Regel ist die Krankheit nach sieben bis zehn Tagen von selbst vorbei. Meist reicht eine symptomatische Behandlung.

Parodontitis und Gingivitis gehen in vielen Fällen auf eine unzureichende Zahnreinigung zurück. Denn Verursacher sind Bakterien, die sich in der Zahnplaque eingenistet haben. Dieser Belag auf den Zähnen und dem Zahnfleisch besteht aus Polysacchariden aus dem Essen, Schleimbestandteilen und eben den Bakterien. Manche dieser Bakterienstämme verursachen Karies, andere Zahnfleischentzündung. Charakteristische Zeichen sind dann gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch, Spontanblutungen, freiliegende Zahnhälse sowie übler Mundgeruch. Eine gute Mundhygiene ist die wichtigste Schutzmaßnahme gegen Parodontitis und Gingivitis. Das heißt, Plaques durch gründliches Zähneputzen und den regelmäßigen Gebrauch von Zahnseide zu entfernen. Mundspülungen können die orale Hygiene ergänzen, aber die mechanische Entfernung der Plaque durch das Zähneputzen nicht ersetzen. Sie wirken antibakteriell und sollen die Neubildung von Plaques verhindern. Um die Mundflora nicht zu schädigen, sollten sie nur begrenzte Zeit angewendet werden.

Wirkstoff Präparate-Beispiele
Aluminiumsalz Gargarisma©, Mallebrin©
Pflanzliche Adstringentien Pyralvex©, Repha-Os©, Weleda Ratanhia Mundwasser
Benzocain Anaesthesin©
Lidocain Dynexan©, Kamistad©, Parodontal©
Macrogol-8-laurylether Recessan©
Xylocain Xylocain Pumpspray dental
Benzdyamin Tandum verde©
Dequalinium Gurgellösung- ratiopharm, in Dequonal©
Chlorhexidin Curasept©, Chlorhexamed©, Meridol© med CHX 0,2%, Paroex©
Hexetidin Hexoral©
Povidon-Iod Betaisodona©
Hyaluronsäure Bloxaphte©, Gengigel©
Panthenol Bepanthen©, in Salviatop©, in Vitis gingval
Triamcinolonacetonid Aftab©
Miconazol Daktar©, Infectosoor©, Micotar©
Nystatin Adiclair©, Candio-Hermal©, Lederlind©
Medikamente zur Behandlung von Infekten der Mundhöhle.

Gestörtes Gleichgewicht

Auch wenn es ein häufiger Grund ist – nicht immer ist schlechte Zahnpflege die Ursache von Zahnfleischentzündungen. Auch hormonelle Schwankungen, Stoffwechselstörungen, maligne Erkrankungen wie Leukämie und Immunschwäche können die Zusammensetzung der Plaque verändern und so eine Gingivitis oder Parodontitis ­begünstigen. Auch die Reizung des Zahnfleischs durch fehlerhaften beziehungsweise schlecht sitzenden Zahnersatz kann eine Gingivitis auslösen.

Der Pilz Candida albicans gehört bei den meisten Menschen zur Mundflora, bleibt aber unauffällig, da gesundheitsassoziierte Keime im Mund-Biotop dominieren. Doch wenn das Immunsystem geschwächt ist, eine Stoffwechselstörung vorliegt und/oder das Gewebe vorgeschädigt ist, kann sich Candida albicans über die Maßen ausbreiten. Außerdem kann eine Antibiotikatherapie das Gleichgewicht der Mundflora in dieser Weise zerstören. Die Erkrankung – als Mundsoor oder orale Candidose bezeichnet – ist durch kleinfleckige, abwischbare Beläge an der Wangenschleimhaut und auf der Zunge gekennzeichnet. Betroffene klagen häufig über ein pelziges oder brennendes Gefühl im Mund, Mundtrockenheit, starken Durst sowie einen unangenehmen Geschmack. Besonders anfällig für Mundsoor sind vor ­allem Säuglinge, Hochbetagte und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Auch Asthmatiker, die regelmäßig ein cortisonhaltiges Asthma-Spray anwenden, sind gefährdet, da dieses das Immunsystem und die Mundflora schwächt. Daher ist es wichtig, nach dem Inhalieren von Cortison immer den Mund mit Wasser auszuspülen.

Mundsoor muss behandelt werden, damit die Pilzinfektion nicht auf andere Körperbereiche übergreift. Diese Gefahr besteht vor allem bei Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr. Ansonsten ist die Infektion zwar unangenehm, aber nicht bedrohlich. Die Therapie erfolgt meist durch lokale Anwendung von Miconazol oder Nystatin. In schwereren Fällen verordnet der Arzt lokal Amphotericin B oder ein systemisch wirkendes Antimykotikum wie Fluconazol. Die Therapie dauert in der Regel acht bis zehn Tage und muss auch fortgeführt werden, wenn kein Belag mehr zu sehen ist.

PTA und Apotheker sollten in der Beratung daran denken, dass auch Arzneimittel Erkrankungen der Mundhöhle verursachen können. Dazu zählen beispielsweise Glucocorticoide, Antibiotika oder Immunsuppressiva, weil sie das Gleichgewicht der Mundflora stören. Andere Arzneistoffe reduzieren die Speichelproduktion und verändern so die Wachstumsbedingungen der Mundflora. Hier sind vor allem die Anticholinergika, trizyklische Antidepressiva und Antiparkinsonmittel zu nennen. Zytostatika schädigen die Mundschleimhaut auch direkt.

Arztbesuch anraten

Grundsätzlich gilt für die Selbstmedikation: PTA und Apotheker haben im Beratungsgespräch eine besondere Verantwortung. Wenn ihnen in den Beschreibungen des Kunden etwas merkwürdig vorkommt, sollten sie ihn unbedingt zum Zahnarzt schicken. Jede raue, harte, verdickte Stelle, insbesondere jede weißliche oder tief rote Verfärbung muss untersucht werden, auch wenn sie keine Schmerzen macht. Denn eine Erkrankung der Mundschleimhaut kann in seltenen Fällen bösartig sein. Je eher derartige Veränderungen entdeckt werden, desto günstiger ist die Prognose. Es gilt zudem, dass der Patient eine Diagnose vom Zahnarzt einholen sollte, wenn eine Entzündung im Mund nicht innerhalb von zwei Wochen abheilt. Falls der Patient über weitere Symptome wie Fieber und Abgeschlagenheit berichtet, sollte er den Arzt zeitnah aufzusuchen und nicht zwei Wochen zuwarten. Denn dann ist die Mundschleimhautentzündung vermutlich ein Symptom einer anderen Infektionskrankheit, die einer ärztlichen Behandlung bedarf. 

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