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Hundspetersilie

Suppengemüse zum Verwechseln ähnlich

Die Hundspetersilie, auch Gartenschierling, Gartengleiße, Glanzpeterlein oder Tollpetersilie genannt, kann leicht mit dem Suppengemüse verwechselt werden – was fatale Folgen haben kann. Denn diese so harmlos anmutende, der echten Petersilie ähnliche Pflanze ist stark giftig.
Katja Egermeier
26.06.2020  13:00 Uhr

Botanik und Bestimmung

Die krautartige, ein- bis zweijährige Pflanze bis zu 1,2 m hoch werden. Ihr Stängel ist hohl, fein gestreift und nach oben hin gabelig verästelt. Die Blätter der Hundspetersilie erklären den Namen der Pflanze: sie sehen aus wie die der glatten Petersilie. Sie sind zwei- bis dreifach gefiedert und die einzelnen Blättchen wiederum fiederförmig eingeschnitten.

Die stark glänzende Blattunterseite dient als wichtigstes Unterscheidungskriterium zur echten Petersilie (Petroselinum crispum). Außerdem verströmen die Blätter der Hundspetersilie beim Zerreiben einen unangenehmen, knoblauchartigen Geruch. Auch sind die in Dolden angeordneten Blüten weiß, bei der echten Petersilie dagegen grün-gelb. Die Früchte sind hellbraun mit dunklen Striemen. Die kugelig-eiförmige Spaltfrucht wird bis zu 5 mm lang.

Vorkommen und Verbreitung

Hundspetersilie wächst mit Vorliebe in Schutt und Ackerunkrautgesellschaften in ganz Europa. Sie bevorzugt kalkreichen Boden. Man findet sie häufig auf Äckern, brachliegenden Böden, Bahndämmen, Weinbergen und auch als Unkraut im Garten.

Gifte und Gefahren

Die Hundspetersilie enthält in allen Pflanzenteilen giftige Polyine (Aethusin, Aethusanol, Coniin).

Die Vergiftungserscheinungen sind zunächst ein Brennen in der Mundhhöhle, der Schluckbeschwerden, Speichelfluss, Erbrechen sowie Magen- und Darmkrämpfen sowie Durchfall folgen können. Auch Seh- und Bewusstseinsstörungen sowie Lähmungen können auftreten. 

Während das Coniin zunächst erregt, folgt kurz darauf eine lähmende Wirkung auf das Rückenmark und die Medulla oblongata, das verlängerte Mark oder Markhirn. Die Lähmungen können bis zum Tod durch Atemlähmung führen. Auf Muskeln und das vegetative Nervensystem wirkt es zudem Nikotin-ähnlich.

Vergiftungen beruhen meist auf eine Verwechslung mit der echten Petersilie oder bei Kindern durch das Essen von Wurzeln. Auch eine Verwechslung mit dem echten Kümmel ist möglich. Die Pflanze ist auch für Pferde, Rinder und Kühe, Schweine, Hunde und Katzen, Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen und für Vögel stark giftig. Mit dem Gefleckten Schierling und dem Wasserschierling gehört die Hundspetersilie zu den giftigsten Doldengewächsen.

Grad der Gefährlichkeit

Erheblich, sehr giftig!

Vergiftung, was tun?

Rufen Sie unmittelbar den Giftnotruf oder eine Arzt an. Personen mit Vergiftungserscheinungen sind warm und möglichst ruhig und unbewegt zu halten. Weitere Maßnahmen sollten nur von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden.

Je nach aufgenommener Menge wird ein Arzt eine primäre Giftentfernung durch das Auslösen von Erbrechen oder einer Magenspülung durchführen. Unter Umständen wird medizinische Kohle als Abführmittel verabreicht.

Gut zu wissen

Die Verwechslungsgefahr mit glatter Petersilie ist wohl dafür verantwortlich, dass in Gärten meist nur krausblättrige Petersilie angebaut wird. In prähistorischen Zeiten dürfte die giftige Pflanze jedoch in der Küche verwendet worden sein. So fanden Forscher Reste von Hundspetersilie in Töpfen, die in Pfahlbauten gefunden wurden. Im Mittelalter wurde die Hundspetersilie noch als Heilpflanze genutzt.

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