PTA-Forum online
Engagiert durch 2020

Viele Fragen, viele Mitglieder

Das vergangene Jahr, von dem die meisten Menschen im Januar 2020 noch dachten, es werde ein normales, ein gutes Jahr, hat PTA und Apothekern viel abverlangt. Noch mindestens bis Mitte 2021 wird die Pandemie wahrscheinlich auch weiter Gesundheitsthema Nummer eins bleiben und das öffentliche Leben beeinflussen. Wie ist es der Apothekengewerkschaft Adexa ergangen, und was wünscht man sich dort für 2021? Der erste Vorsitzende, Andreas May, und die zweite Vorsitzende, Tanja Kratt, im Gespräch
Isabel Weinert
08.01.2021  12:30 Uhr

PTA-Forum: Welches waren im Jahr 2020 die größten Herausforderungen für Sie als Apothekengewerkschaft sowie für PTA, PKA, Apothekerinnen und Apothekern in den Apotheken, und wie konnten Sie dazu beitragen, diese Herausforderungen zu meistern?

May: Die Pandemie hat für Angestellte und Apothekenleitungen viele neue Fragen aufgeworfen: Kurzarbeit war bis dato in Apotheken nahezu unbekannt; der Infektionsschutz in den Teams und besonders auch für Schwangere und Risikogruppen, die Frage der Maskenpflicht, die Aufteilung in Schichten, um nur einige weitere Stichworte zu nennen. Wir hatten einen gewaltigen Zuwachs bei den Rechtsanfragen und auch einen überdurchschnittlichen Mitgliederzuwachs. Auch der Corona-Bonus war ein großes Thema. Rechtsabteilung und Presseabteilung haben hier immer Hand in Hand gearbeitet, um den großen Informationsbedarf zu sättigen. Und wir haben mit drei Online-Umfragen erfasst, welche Fragen den Apothekenangestellten auf den Nägeln brennen.

Für uns als Gewerkschaft fehlten allerdings ab März ganz klar der Austausch und das persönliche Gespräch auf Veranstaltungen mit Mitgliedern und Nichtmitgliedern, Vertretern der Fachöffentlichkeit und dem Berufsnachwuchs. Als Ersatz haben wir Live-Webinare zum Beispiel für PTA-Schulklassen oder zu arbeitsrechtlichen Fragen in der Pandemie angeboten und virtuelle Infotreffen in den Regionen durchgeführt. Sitzungen haben online stattgefunden und in gewissem Umfang sogar Tarifgespräche.

PTA-Forum: Das VOASG soll zwar Apotheken stärken, doch Ende letzten Jahres haben Sie einen offenen Brief an Jens Spahn formuliert, in dem Sie Punkte aufzeigen, die den Apotheken zum Nachteil gereichen können. Könnten Sie darauf noch einmal eingehen?

May: Wir haben die Sorge, dass sich das Ungleichgewicht zwischen heimischen Vor-Ort-Apotheken und den ausländischen Versendern weiter vergrößern wird. Zwar enthält das VOASG kleine Verbesserungen wie einen Zuschlag von 2,50 Euro für den Botendienst oder die Vorschrift, dass sich DocMorris & Co beim Versand an Temperaturvorschriften halten müssen. Aber das grundsätzliche Problem ist nicht wirklich gelöst worden. Und nun droht mit dem E-Rezept die nächste Steilvorlage, um den Marktanteil von Großkonzernen in europäischen Nachbarländern zu erhöhen. Hier hat man beim Aufbau des zentralen E-Rezept-Dienstes unter anderem eine IT-Tochter der DocMorris Mutter Zur Rose beauftragt – und damit den Bock zum Gärtner gemacht. Sogar das jahrhundertelang bewährte Prinzip der Trennung von ärztlicher Verordnung und apothekerlicher Abgabe wird von dieser Seite in Frage gestellt.

PTA-Forum: Was erwarten Sie von den Entscheidern in der Gesundheitspolitik?

Kratt: Wir erwarten von den politisch Verantwortlichen, dass sie dafür sorgen, dass die E-Rezepte in heimischen Apotheken eingelöst werden – und nicht zu einem wachsenden Anteil ins Ausland wandern. Gerade in der Pandemie sollte auch der letzte Unterstützer des Versandhandels den Wert und die Wichtigkeit der Vor-Ort-Apotheken erkannt haben. Apotheken vor Ort nachhaltig stärken und deren Leistungen angemessen honorieren, so muss die Devise lauten! Das sichert und schafft Arbeits- und Ausbildungsplätze, was wiederum dem Versorgungsauftrag zugutekommt. Kranke Menschen kann man schließlich nicht dauerhaft aus der Ferne versorgen.

PTA-Forum: Fort- und Weiterbildung sind essenziell für den Beruf von Apothekern und PTA. Wie haben Sie es geschafft, diese Bereiche in der Pandemie aufrecht zu erhalten, und was war dafür nötig?

May: Zum Glück haben wir bereits vor Beginn der Pandemie damit begonnen, arbeitsrechtliche Live-Webinare anzubieten. Das haben wir weiter ausgebaut und werden uns 2021 hier auch noch stärker engagieren. Unsere zwei großen Fortbildungstage – den Erlebnis- und Gewerkschaftstag sowie die Leipziger Fortbildungstage – haben wir aber 2020 bewusst nicht als Online-Formate angeboten und hoffen, dass sie 2021 wieder live stattfinden können.

Als Gewerkschaft liegt uns aber auch vor allem am Herzen, dass sich Fortbildungsaktivitäten auch tariflich lohnen und dass tarifliche Fortbildungsansprüche weiter ausgebaut werden. Daran arbeiten wir.

PTA-Forum: Gab es im Jahr 2020 für Sie und Ihre Arbeit auch gute Nachrichten?

Kratt: Wir konnten uns über sehr viele neue Mitglieder freuen. Wir waren auch sehr froh, dass wir zum Jahresanfang 2020 zwei Tarifverträge mit jeweils zweijähriger Laufzeit bis Ende 2021 abgeschlossen haben. Der Tarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) ist zweistufig, die zweite Stufe ist jetzt zum Jahresbeginn 2021 in Kraft getreten, mit einer Erhöhung von 1,5 Prozent für alle Apothekenberufe und den Berufsnachwuchs. Ein Abschluss während der Pandemie und unter dem Eindruck der AvP-Insolvenz wäre sicherlich schwieriger gewesen.

PTA-Forum: Was erwarten Sie für das Jahr 2021 im Hinblick auf die von Ihnen vertretenen Berufe, welche Punkte stehen bei Ihnen zur Bearbeitung auf der Agenda, und was wünschen Sie sich?

Kratt: Wir sind optimistisch, dass der Tarifabschluss für den Kammerbezirk Sachsen jetzt bald gelingt. Damit hätten wir dann wieder flächendeckend gültige Tarifverträge in allen 17 Kammerbezirken. Aber auch mit den anderen beiden Tarifparteien – ADA und TGL Nordrhein – stehen Änderungen in den Rahmentarifverträgen beziehungsweise bei der leistungsorientierten Bezahlung an.

May: 2021 ist außerdem ein Wahljahr – nicht nur auf den landes- und bundespolitischen Ebenen. In allen vier Adexa-Regionen müssen wichtige ehrenamtliche Gremien und Funktionen neu besetzt werden – auch als Vorbereitung und Voraussetzung für die Delegiertenversammlung in diesem Jahr, bei der sowohl die ehrenamtlichen Mitglieder der Tarifkommission als auch der Adexa-Vorstand turnusmäßig gewählt werden. Und mein persönlicher Wunsch ist, dass 2021 nicht nur als »Jahr Zwei der Corona-Pandemie« in Erinnerung bleiben wird, sondern als ein Jahr, in dem wir durch Solidarität, Zusammenhalt und einen besonnenen Neustart alle Schwierigkeiten überwinden.

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