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Bluthochdruck

Viele wissen nichts von ihrer Erkrankung

In Deutschland leben etwa 20 bis 30 Millionen Menschen mit Bluthochdruck. »Doch nicht jeder, der erkrankt ist, weiß davon, und nicht jeder, der darum weiß, nimmt es ausreichend ernst«, so die Deutsche Hochdruckliga. Immer wieder warnt die Fachgesellschaft vor den damit verbundenen Gefahren. Denn: Bleibt eine Hypertonie unbehandelt, steigt das Risiko für schwere Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenerkrankungen oder auch Demenz.
Christiane Berg
17.05.2022  14:00 Uhr

Bluthochdruck ist ein »stillen Killer«, der nach wie vor unterschätzt wird. Fast jedem dritten Hypertoniker in Deutschland ist nicht bekannt, dass er von einem Bluthochdruck betroffen ist, warnt die Deutsche Hochdruckliga in einem Statement anlässlich des heutigen »Welt-Hypertonie-Tags« mit Verweis unter anderem auf eine vor kurzem im »Lancet« veröffentlichten Studie.

Diese habe zwischen 1990 und 2019 weltweit circa 1200 populationsbasierte Studien auf die Entwicklung der Prävalenz und der Zahl behandelter Hypertonie-Patientinnen und -Patienten hin überprüft. Dabei habe sich gezeigt, dass in Deutschland nur circa 70 Prozent aller Betroffenen von ihrer Bluthochdruck-Erkrankung wissen. Eine medikamentöse Therapie hätten nur circa 64 Prozent der Patienten erhalten. Blutdruckwerte im Zielbereich hätten nicht einmal die Hälfte der Betroffenen, also circa 48 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer erreicht.

»Messen, messen und noch mal messen«

Im Rahmen eines Statements in Vorbereitung des Welt-Hypertonie-Tags 2022 spricht Professor Ulrich Wenzel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga, von »einer traurigen Bilanz« – vor allem, da das Robert Koch-Institut die Bluthochdruckdunkelziffer 2015 noch mit 20 Prozent angegeben habe.

Auch wenn beide Datensätze schwer vergleichbar seien: Die Zahlen, so Wenzel, lassen die Interpretation zu, dass die »Awareness«, also das Bewusstsein für die teils lebensgefährlichen Risiken von Bluthochdruck tendenziell abnehme. Dieses, so der Mediziner, sei besonders fatal angesichts der zahlreich gegebenen Therapie- und Kontroll-Möglichkeiten von Bluthochdruck – angefangen bei gesünderer Ernährung und mehr Bewegung über Stressreduktion bis hin zu zahlreichen medikamentösen Therapie-Optionen.

Wenzel betont, dass sich insbesondere leicht erhöhte Blutdruckwerte durch eine entsprechende Umstellung der Lebensweise wieder »einfangen« ließen. Optimal seien Blutdruckwerte unter 130/80 mm Hg. Gefährlich werde es ab Werten über 140/90 mm Hg, bei denen sich eine medikamentöse Therapie meist als unumgänglich erweist.

Um Bluthochdruck identifizieren und entsprechend intervenieren zu können, helfe in der Regel nur eines: »Messen, messen und noch mal messen«. Meistens spürten Betroffene nichts von der Erkrankung. In einigen Fällen führe Hypertonie als Grundstein der oft zu beobachtenden Multimorbidität im Alter zwar zu Kopfschmerzen, innerer Unruhe oder auch Schwindel. Doch werden diese Krankheitszeichen, zumindest, wenn sie nur gelegentlich auftreten, zumeist als generelle Unpässlichkeit hingenommen und nicht mit einer Bluthochdruckerkrankung in Zusammenhang gebracht. Hier helfe nur die früh- und rechtzeitige Identifizierung der Erkrankung mit Hilfe der regelmäßigen und zielgerichteten Diagnose.

Werde diese »verpasst« oder als Zufallsbefund gestellt, sei es oft schon zu spät. Fast die Hälfte aller Schlaganfälle und Herzinfarkte und fast ein Drittel aller Nierenkrankheiten seien auf Bluthochdruck zurückzuführen, so die Deutsche Hochdruckliga. Je höher die Blutdruckwerte, desto mehr tödliche kardiovaskuläre Ereignisse.

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