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Neue Wirkstoffe

Vier im vierten Monat

Enzym gegen hohe MTX-Spiegel

Die Methotrexat (MTX)-Toxizität ist eine seltene, aber schwerwiegende, lebensbedrohliche Erkrankung, die auftritt, wenn der Wirkstoff nicht ausreichend über die Nieren ausgeschieden wird und sich im Blut und Körper anreichert.

Glucarpidase (Voraxaze®, SERB SAS) ist eine Carboxypeptidase, die MTX in den inaktiven Metaboliten DAMPA und Glutamat spaltet. Beide Substanzen werden dann über die Leber metabolisiert, also über einen alternativen Pfad für die Elimination von MTX. Der neue Wirkstoff soll so eine toxische Plasmakonzentration von MTX bei Erwachsenen und Kindern ab einem Alter von 28 Tagen mit verzögerter MTX-Elimination reduzieren. Er steht als Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung zur Verfügung.

Glucarpidase wird innerhalb von 60 Stunden nach Beginn einer MTX-Hochdosisinfusion verabreicht, wenn bei einem Patienten ein Risiko für eine MTX-Toxizität besteht. Die empfohlene Dosis ist eine Einzeldosis von 50 Einheiten pro kg Körpergewicht als intravenöse Injektion über fünf Minuten. Folinsäure sollte nicht innerhalb von zwei Stunden vor oder nach einer Glucarpidase-Gabe angewendet werden, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Denn der neue Wirkstoff kann auch die Folinsäure-Konzentration reduzieren. Gelegentliche Nebenwirkungen von Voraxaze sind ein brennendes Gefühl, Kopfschmerzen, Parästhesien, Hautrötung und Hitzegefühl.

Neue Option bei PNH

Ursache der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH) ist eine bestimmte Mutation. In der Zellmembran von roten Blutkörperchen fehlt ein wichtiger Schutz gegen das Komplementsystem, ein körpereigenes Abwehrsystem. Es kommt dann zum übermäßigen Abbau roter Blutkörperchen. Diese Hämolyse führt dazu, dass große Mengen Hämoglobin in den Urin freigesetzt werden. Der Wirkstoff Pegcetacoplan (Aspaveli®, Sobi) ist eine neue Therapieoption bei PNH. Zugelassen ist Pegcetacoplan bei Patienten, die trotz Behandlung mit einem C5-Inhibitor wie Eculizumab oder Ravulizumab über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten weiterhin an Anämie leiden.

Anders als die beiden genannten Antikörper, die sich gegen den Komplementfaktor C5 richten, blockiert Pegcetacoplan das Komplementprotein C3 und übt so eine breite Hemmwirkung auf die Komplementkaskade aus. Das trägt dazu bei, die Symptome bei PNH zu lindern.

Pegcetacoplan wird zweimal wöchentlich als subkutane Infusion von 1080 mg verabreicht. Die Gabe erfolgt an Tag 1 und 4 jeder Behandlungswoche. Nach entsprechender Einweisung können die Patienten die Tropfinfusion selbst durchführen. In den ersten vier Wochen wird Pegcetacoplan zusätzlich zur aktuellen Dosis eines C5-Inhibitors verabreicht, um das Risiko für eine Hämolyse bei abruptem Absetzen der Behandlung zu minimieren. Nach vier Wochen muss der Patient den C5-Inhibitor absetzen und anschließend die Behandlung als Monotherapie mit Aspaveli fortsetzen.

Sehr häufige Nebenwirkungen von Pegcetacoplan sind Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung, Juckreiz und Schwellung, Infektionen der oberen Atemwege, Bauchschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber.

Die Anwendung von Pegcetacoplan kann Patienten für schwerwiegende Infektionen mit bekapselten Bakterien wie Neisseria meningitidis, Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae prädisponieren. Zur Verringerung dieses Infektionsrisikos sollen alle Patienten mindestens zwei Wochen vor Beginn der Behandlung mit Aspaveli gegen diese Bakterien geimpft werden. Zudem sind alle Patienten auf Frühzeichen von Infektionen mit bekapselten Bakterien zu überwachen und bei Bedarf mit geeigneten Antibiotika zu behandeln. Die Patienten müssen über Anzeichen und Symptome dieser Infektionen informiert und angewiesen werden, sich gegebenenfalls unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben.

Es wird empfohlen, dass Frauen im gebärfähigen Alter zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden, um eine Schwangerschaft während der Behandlung mit Pegcetacoplan und eines Zeitraums von mindestens acht Wochen nach der letzten Dosis zu vermeiden. Die Anwendung von Aspaveli während der Schwangerschaft ist nicht empfohlen. Zudem sollten Frauen das Stillen während der Behandlung mit Pegcetacoplan einstellen.

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