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Masern

Virus schwächt das Immunsystem

An Masern erkranken jährlich weltweit mehr als 7 Millionen Menschen, mehr als 100.000 sterben daran. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) haben gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Großbritannien und den Niederlanden nun herausgefunden, dass Masernviren einen Teil des immunologischen Gedächtnisses über Jahre löschen.
Verena Schmidt
07.11.2019
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Dass eine Maserninfektion das Immunsystem des Erkrankten gegenüber anderen Erregern schwächt, ist schon länger bekannt. So kommt es nach einer Masernerkrankung häufiger zu weiteren Infektionen, etwa Lungen- oder Mittelohrentzündungen.

Die Wissenschaftler haben nun genauer untersucht, welche Mechanismen zu dieser Immunsuppression führen. Sie berichten im Fachjournal »Science Immunology«, wie sie die Rezeptorvielfalt der Immunzellen und die Entwicklung von B-Gedächtniszellen bei ungeimpften Personen mit und ohne vorangegangene Maserninfektion sowie bei gegen Masern geimpften Personen untersucht haben.

Bei nicht infizierten und geimpften Personen sei die genetische Zusammensetzung und Vielfalt der B-Gedächtniszellen stabil gewesen, so die Studienautoren. Nach einer Maserninfektion fand sich bei den Betroffenen jedoch eine signifikante Zunahme der Mutationsfrequenz sowie ein verändertes Isotypen-Profil. Zudem zählten die Forscher bei diesem Personen mehr immunologisch unreife B-Zellen – ein Hinweis auf eine beeinträchtigte B-Zellreifung im Knochenmark.

Die Ergebnisse zeigten, dass das Immunsystem nach einer Maserninfektion quasi vergisst, mit welchen Erregern es zuvor in Kontakt gekommen war, heißt es in einer Pressemitteilung des PEI. Es komme zu einer »Immunamnesie«. Eine Masernimpfung schütze somit also nicht nur vor Masernviren, sondern auch vor dem Auftreten oder schweren Verläufen anderer Infektionskrankheiten.

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