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Vitamin B1: Starke Leistung

Vitamin B1, auch Thiamin genannt, ist das erste der B-Vitamine, welche in dieser Serie vorgestellt wird. Doch weist es unter den Vitaminen dieser Gruppe eine Besonderheit auf: Der Bedarf an Thiamin ist nicht jeden Tag gleich, sondern richtet sich nach dem Energieumsatz, also der körperlichen Betätigung.
Kerstin Pohl
31.07.2019
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Aufgaben und Funktionen

Thiamin gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen. Der Körper kann Vitamin B1 nur kurze Zeit speichern, daher ist eine regelmäßige Aufnahme über die Nahrung notwendig. Denn das Vitamin ist als Coenzym an wichtigen Prozessen im Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel beteiligt und dient der Energiegewinnung und -speicherung. Außerdem ist es für die Reizweiterleitung von Bedeutung und beeinflusst so die Funktion von Nerven- und Muskelgewebe sowie die Myokardfunktion. Thiamin ist jedoch nur für die Aufrechterhaltung der normalen Körperfunktionen verantwortlich; eine Leistungssteigerung beispielsweise im Sport ist durch eine gesteigerte Vitamin-B1-Einnahme nicht zu erwarten.

Wie viel braucht der Mensch?

Die Besonderheit dieses Vitamins liegt darin, dass es eng mit dem Energiestoffwechsel verknüpft ist. Der Bedarf an Thiamin richtet sich zudem nach dem Alter und dem Ernährungszustand. Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) basieren auf der Berechnung, dass ein Erwachsener täglich circa 0,5 mg Thiamin pro 1000 kcal benötigt. Für Männer empfiehlt die DGE 1,0 bis 1,3 mg Thiamin pro Tag, für Frauen 1,0 mg.

Alter Vitamin B1, mg/Tag Vitamin B1, mg/Tag
männlich weiblich
SÄUGLINGE
0 bis 4 Monate 0,2 0,2
4 bis 12 Monate 0,4 0,4
KINDER
1 bis unter 4 Jahre 0,6 0,6
4 bis unter 7 Jahre 0,7 0,7
7 bis unter 10 Jahre 0,9 0,8
10 bis unter 13 Jahre 1,0 0,9
13 bis unter 15 Jahre 1,2 1,0
JUGENDLICHE/ERWACHSENE
15 bis unter 19 Jahre 1,4 1,1
19 bis unter 25 Jahre 1,3 1,0
25 bis unter 51 Jahre 1,2 1,0
51 bis unter 65 Jahre 1,2 1,0
65 Jahre und älter 1,1 1,0
SCHWANGERE
Zweites Trimester 1,2
Drittes Trimester 1,3
STILLENDE 1,3
Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr

Woran erkennt man einen Mangel?

Bei einem leichten Mangel zeigen sich zunächst Ausfallerscheinungen in Form von neurologischen Störungen, Muskelschwäche und einer Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses.

Die Vitamin-B1-Mangelerkrankung Beri-Beri wurde bereits 2600 v. Chr. beschrieben und bedeutet »Schafsgang«. Bei dieser schweren Verlaufsform versteifen sich die Beine der Betroffenen zunehmend und ihr Gang beginnt dem von Schafen zu ähneln. Heute tritt diese Erkrankung vor allem in Entwicklungsländern auf, in denen sich die Bevölkerung überwiegend von poliertem Reis ernährt. Bei diesem Reis wurden die Thiamin-reichen Randschichten des Reiskornes entfernt.

Es werden zwei Formen der Beri-Beri-Krankheit unterschieden: die trockene und die feuchte. Bei der trockenen Form treten periphere Neuropathien und Muskelschwäche auf, bei der feuchten Form Ödeme und Herzinsuffizienz.

Wer gehört zu einer Risikogruppe?

Die Ursachen eines Thiaminmangels sind eine unzureichende Zufuhr über die Nahrung oder Grunderkrankungen, die die Resorption beeinträchtigen (zum Beispiel Morbus Chron). In Deutschland ist die Versorgung über die Nahrung in der Regel gewährleistet, sodass keine Nahrungsergänzungsmittel notwendig sind.

In Industrieländern sind am häufigsten chronische Alkoholiker von einem Thiaminmangel betroffen. Doch auch Schwangere, die unter extremer Schwangerschaftsübelkeit leiden, können eine zu geringe Thiamin-Versorgung vorweisen.

Voll gestillte Säuglinge, deren Mütter unzureichend mit Thiamin versorgt sind, können an der infantilen Form der Beri-Beri-Krankheit erkranken. Die Mutter selbst muss dabei keine Symptome zeigen, der Säugling hingegen reagiert mit Krankheitsanzeichen wie Erbrechen, Krämpfen und Tachykardie. Ohne Behandlung verläuft die infantile Beri-Beri-Krankheit tödlich.

Bei schlecht eingestellten Diabetikern kann es aufgrund einer Polyurie (übermäßige Harnausscheidung) zu einem vermehrten Verlust des wasserlöslichen Vitamin B1 kommen.

Senioren haben aus einem anderen Grund ein erhöhtes Risiko, von einem Thiamin-Mangel betroffen zu sein: Mit steigendem Alter nimmt die Fähigkeit, Nährstoffe aufzunehmen häufig ab.

Wie kommt es in den Körper?

Generell sind Fleisch und Fleischprodukte, besonders Schweinefleisch sind gute Thiaminquellen. Das gleiche gilt auch für Fisch, hier sind die vor allem Scholle und Aal hervorzuheben.

Besonders viel Vitamin B1 steckt auch in Vollkornprodukten – Thiamin ist hauptsächlich in der Schale und im Keim enthalten – wie Vollkornmehl und Haferflocken. Auch Reis und Kartoffeln versorgen den Körper mit Thiamin. Empfehlenswert sind ebenso Erdnüsse und einige Hülsenfrüchte zum Beispiel Erbsen oder Mungobohnen.

Obst und Milchprodukte sind hingegen schlechte Quellen für Vitamin B1.

Achtung, Wechselwirkung!

Die Einnahme verschiedener Medikamente kann dazu führen, dass die Thiaminspiegel zu niedrig sind. Dies ist über unterschiedliche Mechanismen möglich. So vermindern beispielsweise Antazida die Resorption von Vitamin B1. Der Antimetabolit Fluorouracil hemmt hingegen die Phosphorylierung von Thiamin zu Thiaminpyrophosphat kompetitiv, was zu einer Inaktivierung von Thiamin führt. Unter einer Langzeitbehandlung mit dem Diuretikum Furosemid kann es durch eine vermehrte renale Ausscheidung zu einem Thiamindefizit kommen.

Falsch dosiert, was nun?

Überschüssiges Thiamin wird mit dem Urin ausgeschieden. Folgen eine Überdosierung sind keine bekannt.

Gut zu wissen …

Durch einen hohen Tee- und Kaffeekonsum verschlechtert sich der Thiaminstatus. In den Getränken sind sogenannte Antithiaminasen, auch Antithiamin-Faktoren genannt, enthalten, die die Aufnahme des Vitamins verhindern. Gleiches gilt auch für die koffeinfreien Sorten. In rohem Fisch (zum Beispiel Sushi) sind ebenfalls Antithiaminasen enthalten.

Sulfithaltiger Getränke wie Wein können hingegen den Abbau von Thiamin fördern.

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