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Stichwort Wundheilung

Vitamin K: Helfer für die Blutgerinnung

Vitamin-K-Antagonisten sind PTA und Apothekern als Blutgerinnungshemmer wie Warfarin oder Phenprocumom bekannt. Doch wie sieht es mit dem Vitamin selbst aus? Auch das Wissen um Vitamin-K-haltige Lebensmittel und wann gegebenenfalls eine Supplementierung notwendig ist, sind wichtige Informationen für den Apothekenkunden.
Kerstin Pohl
29.05.2019
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Aufgaben und Funktionen

Das fettlösliche Vitamin K umfasst eine Gruppe von Verbindungen: Vitamin K1 und Vitamin K2. Dabei wird Vitamin K1 (Phyllochinon) in den Chloroplasten von Grünpflanzen synthetisiert, Vitamin K2 (Menachinon) wird hingegen von Bakterien gebildet. Und auch beim Menschen wird im unteren Dünndarmabschnitt und dem Kolon eine größere Menge an Vitamin K2 bakteriell gebildet. Inwieweit das aber der Bedarfsdeckung dient, ist schwer festzustellen.

Sicher ist, dass beide Formen des Vitamins eine wichtige Funktion bei der Blutgerinnung haben. Vitamin K ist ein wichtiger Cofaktor für die Bildung der verschiedenen Blutgerinnungsfaktoren. Fehlt Vitamin K jedoch, verlängert sich die Zeit bis das Blut gerinnt. Dadurch ist auch die Wundheilung verzögert.

Abgesehen davon hat Vitamin K2 einen positiven Einfluss auf den Knochenstoffwechsel: Es ist beteiligt an der Bildung von Osteocalcin, einem Knochenprotein, und wirkt damit präventiv gegen Osteoporose. Dies wird genutzt in der Osteoporose-Behandlung: In Kombination mit Vitamin D und Calcium wird Vitamin K2 bei nachgewiesenem Mangel und entsprechender Diagnose durch den Arzt eingesetzt.

Wie viel braucht der Mensch?

Der Bedarf an Vitamin K ist schlecht zu erfassen, da der Vitamin-K-Gehalt in Lebensmittel schwer messbar ist und die Angaben je nach Analyse schwanken. Deshalb gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) lediglich Schätzwerte für die tägliche Zufuhr an.

Alter Vitamin K, µg/Tag Vitamin K, µg/Tag
männlich weiblich
SÄUGLINGE
0 bis 4 Monate 4 4
4 bis 12 Monate 10 10
KINDER
1 bis unter 4 Jahre 15 15
4 bis unter 7 Jahre 20 20
7 bis unter 10 Jahre 30 30
10 bis unter 13 Jahre 40 40
13 bis unter 15 Jahre 50 50
JUGENDLICHE/ERWACHSENE
15 bis unter 19 Jahre 70 60
19 bis unter 25 Jahre 70 60
25 bis unter 51 Jahre 70 60
51 bis unter 65 Jahre 80 65
65 Jahre und älter 80 65
SCHWANGERE ab 4. Monat 60
STILLENDE 60
Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr

Woran erkennt man einen Mangel?

Bei einer ausgewogenen Ernährung ist keine Vitamin-K-Unterversorgung zu erwarten und Mangelerscheinungen treten nur sehr selten auf. Ein Mangel kann jedoch beispielsweise bei Magen-Darm- oder Lebererkrankungen, sowie unter einer Dauermedikation mit Antikoagulanzien, Antibiotika und Salicylaten auftreten.

Die Unterversorgung macht sich mit Blutungen bemerkbar. Diese können sichtbar aber auch unsichtbar in verschiedenen Organen auf wie Augen, Magen-Darm-Trakt, Haut und Schleimhaut, Gehirn oder Leber auftreten.

Wer gehört zu einer Risikogruppe?

Vitamin K wird nur unzureichend über die Plazenta transportiert und auch Muttermilch enthält nur wenig Vitamin K. Daher ist die Vitamin-K-Versorgung von Neugeborenen kritisch zu sehen. Eine Unterversorgung würde beim Neugeborenen Blutungen, die auch das Gehirn betreffen können, hervorrufen. Sie treten in der frühen Form bereits am ersten Tag auf, in der klassischen Form in der ersten Woche. Treten die Symptome in der 2. bis 12. Lebenswoche auf, spricht man von einer Spätform.

Deshalb wird in Deutschland eine Vitamin-K-Prophylaxe empfohlen. Dabei wird dem Neugeborenen intramuskuläre 1 mg Vitamin K gespritzt oder alternativ oral Vitamin K verabreicht (3 x 2 mg; 2 mg am 1., 3. und am 10. Lebenstag).

Laut EU-Richtlinien muss industriell hergestellte Milchnahrung mindestens 2,4 µg /100 ml Vitamin K enthalten. Neugeborene müssen direkt ab dem 1. Lebenstag diese Nahrung erhalten, ansonsten müssen sie ebenso wie vollgestillte Säuglinge eine Vitamin-K-Prophylaxe erhalten.

Die Einnahme von Orlistat, welches die Aufnahme von Fett mindert, oder von Medikamente, die die Aufnahme von Cholesterin hemmen (zum Beispiel Cholestyramin oder Colestinol), kann zudem auch die Resorption des fettlöslichen Vitamin K verringern.

Wie kommt es in den Körper?

Geeignete Lebensmittel, um den Bedarf an Vitamin K1 zu decken, sind grüne Blattgemüse wie Grünkohl, Spinat oder Rüben. In tierischen Lebensmitteln wie Milch und Milchprodukten, Muskelfleisch oder Eigelb ist Vitamin K2 enthalten, wenn auch in deutlich geringeren Mengen.

Achtung, Wechselwirkung!

Bei der Einnahme von Blutverdünnern kann die gewohnte Ernährungsweise beibehalten werden, das heißt normal große Portionen an grünem Gemüse und Salat sind weiterhin erlaubt. Vorsicht ist aber geboten beim Verzehr größerer Mengen, wie beispielsweise in der Herbstsaison der beliebte »Grünkohl mit Pinkel« oder bei einer plötzlichen Kostumstellung auf eine vegetarische Ernährung. Hier kann dann das Verhältnis zwischen Vitamin K und dem Cumarinpräparat aus dem Gleichgewicht geraten. Der Quick-Wert beziehungsweise der INR-Wert zur Messung der Blutgerinnung zeigt eine entsprechende Veränderung an.

Falsch dosiert, was nun?

Bei Gesunden sind keine negativen Folgen einer Überdosierung von Vitamin K bekannt. Die Supplementierung mit Vitamin-K-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln ist dennoch kein Fall für die Selbstmedikation und sollte immer durch einen Arzt abgeklärt sein.

Gut zu wissen …

Die Funktion von Vitamin K wurde erstmals in den 1930er-Jahren entdeckt und das Vitamin wurde deshalb früher auch als »Koagulationsvitamin« bezeichnet. Die blutgerinnende Wirkung macht man sich auch in einem ganz anderen Bereich zunutze: Es wird in der Schädlingsbekämpfung eingesetzt, als Rattengift. Die Vitamin-K-Synthese in der Leber wird gehemmt und damit auch die Synthese von Gerinnungsfaktoren. Die Blutgerinnung ist verzögert, die Blutungsneigung erhöht und die Tiere verenden. Für den Menschen ist die Dosierung nicht tödlich, sondern lediglich gesundheitsschädlich.

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