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»Fix und alle«

Von der Corona-Verzweiflung und etwas Hoffnung

Der monatelange Lockdown ist noch gar nicht vorbei, doch die Corona-Infektionszahlen steigen schon wieder. Dann bricht auch noch einer der Impfstoffe erstmal weg. Die Verzweiflung über die Pandemie-Lage scheint dieser Tage besonders groß zu sein.
dpa
17.03.2021  16:00 Uhr

Die Aussetzung der Impfungen mit dem Vakzin von Astra-Zeneca hat offenbar vielen den Rest gegeben. Eltern, die seit Monaten Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen müssen. Jenen, die trotz Pandemie jeden Tag weiter zu Arbeit müssen: Krankenpflegerinnen, Supermarktkassierer und Arbeiter in Fleischfabriken etwa. Und Kindern, die jetzt teilweise wieder in die Schulen dürfen, aber sicher auch viel von der Unsicherheit um sie herum mitbekommen.

»Die psychischen Reserven vieler Menschen gehen allmählich zur Neige«, sagt Barbara Lubisch von der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. Es werde für einige immer schwerer, neue Kräfte zu schöpfen. Das könne auch zu einer Verschärfung bestehender depressiver Verstimmungen oder Angststörungen führen.

»Das ist schon eine Belastung, die sich aufhäuft. Das ist schwer.« Es ist einfach viel zu verarbeiten: Der lange Lockdown, die ständige Sorge um Familienmitglieder, Freunde und Freundinnen, die schleppende Impfkampagne und die Probleme bei der Teststrategie – um nur einiges zu nennen. Selbst die größten Optimisten äußern Zweifel.

»Es werden natürlich Erwartungen und Hoffnungen enttäuscht. Das muss man erst mal verdauen«, sagt die Aachener Psychotherapeutin Lubisch. Eine klare zeitliche Perspektive fehle. »Es geht schon wieder die Ungewissheit los: Wie geht es überhaupt weiter? Wann können wir wieder Feste feiern oder verreisen oder überhaupt nur Freunde treffen?«

Keine Geduld und Emotionen mehr übrig

Nach einem Jahr Pandemie ist die Geduld offenbar aufgebraucht, die Stimmung schlägt immer häufiger auch in Ärger um: Er habe nicht den ganzen Winter alleine in der Bude gesessen, damit er den ganzen Sommer allein auf dem Balkon sitze, schrieb der Comedian Aurel Mertz bei Twitter. »Spritzt uns jetzt endlich oder ich kann für nichts mehr garantieren.«

Und die Netzaktivistin Anne Wizorek betonte im selben Netzwerk: Man könne dafür sein, dass der wissenschaftlichen Empfehlung von Fachleuten gefolgt werde – und trotzdem angesichts der Neuigkeiten zum Astrazeneca-Stopp erstmal verzweifeln. Seit einem Jahr lebe man in der Pandemie: »Wir sind fix und alle.« Die Nutzerin Ashley Winkler klagte: »Ich hab' einfach keine Emotionen mehr übrig.«

Manche flüchten sich in Fluchttendenzen. Auch wenn die Bundesregierung zum Verzicht aufruft – die Nachfrage nach Osterurlauben auf Mallorca ist groß, seit die Reisewarnung für die beliebteste Ferieninsel der Deutschen aufgehoben wurde. Es wären sicher auch unter normalen Umständen viele Menschen nach Mallorca geflogen, sagt Lubisch. »Dass das jetzt viele tun, kann ich nachvollziehen. Aber nur weil es erlaubt ist, heißt es nicht, dass es vernünftig ist.« Es gebe den Wunsch, rauszukommen, etwas zu sehen, auf dass man sich eventuell schon im vergangenen Jahr gefreut hatte. Doch bei Anderen führt das zu Ärger. Denn schließlich soll auf Reisen doch eigentlich gerade verzichtet werden. Dass sich Menschen ärgern, die sich nach eigener Einschätzung strenger an die Regeln halten, sei eine verständliche Reaktion, sagt Lubisch.

Doch wie kann es gelingen, wieder etwas hoffnungsvoller auf die Situation zu blicken? Man könne sich in Erinnerung rufen, dass die Krise wahrscheinlich letztlich doch eine vorübergehende sei. »Es gibt verschiedene Impfstoffe, die Tage werden auf jeden Fall länger, das Wetter wird besser, man wird mehr Möglichkeiten haben, sich zu draußen zu sehen«, zählt Lubisch auf. Denn es sei wichtig, positive Perspektiven zu entwickeln – »immer wieder».

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