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Gastkommentar zum Apothekenstärkungsgesetz

Wann ziehen wir zusammen an einem Ende vom Tau?

Schon der Name Apothekenstärkungsgesetz ist eine Luftbuchung. Denn gestärkt gehen die Apotheken aus diesem »Reförmchen« ganz bestimmt nicht hervor.
Katja Hennig
08.08.2019
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Kaum etwas von dem, was die Apotheker ursprünglich gefordert haben, wird kommen. Das Versandhandelsverbot wird erst gar nicht mehr diskutiert und die Regel, wonach alle rezeptpflichtigen Arzneimittel überall in Deutschland den gleichen Preis kosten, gilt bald für privat Krankenversicherte auch nicht mehr. Immerhin soll es 150 Millionen Euro pro Jahr für die sogenannten neuen Dienstleistungen geben. Was viel klingt, sind jedoch im Schnitt nicht einmal 8000 Euro pro Apotheke. Retten lässt sich damit wenig – und attraktiver wird der Arbeitsmarkt Apotheke so erst recht nicht.

Christoph Gulde, Vizepräsident des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg, hat es auf den Punkt gebracht. Während alle besorgt und zu recht darüber diskutieren, wie wenig Erzieherinnen verdienen, werden wir PTA sogar noch mit 700 bis 1300 Euro weniger Gehalt abgespeist. Und auch approbierte Apotheker erhalten 400 bis 600 Euro weniger Einstiegssalär als Studienräte.

Es mag die Apothekerspitze freuen, dass noch kein Bundesgesundheitsminister mehr mit ihnen kommuniziert hat als Jens Spahn. Das ändert aber nichts daran, dass auch noch keiner seiner Vorgänger so intensiv an den Grundfesten der Apotheken gerüttelt hat wie der aktuelle Minister. Selbst die Einführung des Versandhandels unter Ulla Schmidt hatte nicht annähernd so tiefgreifende Folgen wie sie der Beginn vom Ende der Gleichpreisigkeit haben wird. Es kann sicher immer noch schlimmer kommen. Viel schlimmer als jetzt geht aber fast kaum.

Hinzu kommt: Obwohl es immer weniger Apotheken gibt, haben die verbleibenden Betriebe Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. Hierfür sind die schlechten Gehälter sicher ein Grund. Der andere liegt aber auch darin, dass sich die Standesvertretung der Apotheker konsequent sträubt, die Rahmenbedingungen beispielsweise für uns PTA zu verbessern. Mit bloßer Zustimmung zum Minister und Verweigerungshaltung gegenüber unseren mehr als berechtigten Forderungen, beispielsweise einer dreijährigen Ausbildung oder verbesserten Spezialisierungsmöglichkeiten, lässt sich aber eben keine zukunftssichernde Neupositionierung erreichen.

Schluss mit dem Gegeneinander

Wir meinen, dass endlich Schluss sein muss mit dem Gegeneinander. Niemand hat etwas davon, die anderen bewusst und gegen jede Vernunft klein zu halten. Wir alle – Apothekenleiter, angestellte Apotheker, PTA und PKA – stehen doch gemeinsam ein für eine flächendeckende Arzneimittelversorgung rund um die Uhr. Wir alle wollen, dass unsere jeweiligen Berufe auskömmlich bezahlt werden und uns die Freude machen, die wir für eine gute Arbeit brauchen. Jede Apotheke, die schließt, jede PTA, die der Apotheke für immer den Rücken kehrt, wird das Problem so verschärfen, dass es bald keinen Weg zurück mehr gibt. Das Zeitfenster schließt sich dramatisch schnell.

Vorschnelle Zustimmung ist hier fehl am Platz. Verweigerung kann aber manchmal doch Sinn machen. Nämlich dann, wenn sie gekoppelt mit konstruktiven Vorschlägen gegen eine absolut falsche Politik eingesetzt wird. Und das sollten wir – endlich - gemeinsam tun. Auch deshalb fragen wir unsere Kollegen Apotheker: Wann fangen wir konsequent und zusammen damit an?

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