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Coronavirus-Pandemie

Warnungen zu Ibuprofen und Covid-19 relativiert

Seit sich eine eindeutige Fake News, die einen Zusammenhang zwischen Ibuprofen und schweren Covid-19-Verläufen herstellte, wie ein Lauffeuer durch die sozialen Medien verbreitete, diskutieren Wissenschaftler, ob ein Zusammenhang rein theoretisch möglich wäre. Klinische Daten existieren dazu nicht.
Elke Wolf
20.03.2020
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Ob die Einnahme von Ibuprofen und anderen nicht steroidalen Antirheumatika NSAR bei Covid-19-Patienten kritisch zu sehen ist, wird derzeit von verschiedenen Gremien unterschiedlich bewertet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt mittlerweile Abstand von ihrer bis vor einer Woche geltenden Warnung. Da riet sie noch, in der Selbstmedikation und nur bei Verdacht auf eine Infektion besser auf Paracetamol auszuweichen. Nun aber die Kehrtwende: Es gebe über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten. »Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab«, meldete die Deutsche Presse-Agentur am 19. März 2020.

Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) sprach am 18. März in einer Einschätzung keine Negativempfehlung aus, riet aber dazu, NSAR in der Selbstmedikation in der niedrigst möglichen Dosierung über den kürzest möglichen Zeitraum anzuwenden. Das französische Gesundheitsministerium und das Bundesamt für Gesundheit der Schweiz rieten dagegen zuletzt vorsichtshalber von der Einnahme ab und empfehlen stattdessen Paracetamol.

Ein möglicher Zusammenhang zwischen Ibuprofen und schweren Covid-19-Verläufen könnte auf der thrombozytenaggregationshemmenden Wirkkomponente des NSAR beruhen, erklärt Professor Dr. Theo Dingermann, Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung, in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk. Unter Ibuprofen könne es bei den Covid-19-Patienten also möglicherweise vermehrt zu Blutungen kommen. Allerdings seien die entsprechenden Berichte lediglich Beobachtungen, betont Dingermann. »Es gibt keine sauberen Studien, die eine wissenschaftliche Evidenz für eine Verbindung herstellen.«

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