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Homeoffice ade?

Warum die Rückkehr ins Büro kompliziert ist

Corona stellt Arbeitgeber jedoch vor neue Herausforderungen. Wenn sie darüber bestimmen, wer wann wo arbeitet, darf nicht nur das ökonomische Interesse zählen. So erinnert die Gewerkschaft Verdi an die arbeitsvertragliche Schutz- und Fürsorgepflicht, die ein Betrieb für seine Mitarbeiter hat. Im Fall einer Pandemie erstreckt sich diese Verantwortung sogar auf einen deutlich größeren Kreis: Wer mehr Kontakte anordnet, erhöht das Risiko der Infektionen. Wer das Risiko für Infektionen erhöht, trägt dazu bei, wenn die Fallzahlen steigen.

Da der Corona-Ausnahmezustand – wenn auch abgemildert – noch bis auf Weiteres anhält, kommen persönliche Herausforderungen von Arbeitnehmern hinzu: Während ein Kollege wegen einer Vorerkrankung vielleicht zur Risikogruppe gehört, können andere bis auf Weiteres ihre Kinder noch nicht wieder in die Kita bringen. »Die Leute haben sich entwöhnt von dem, womit sie sich arrangiert hatten. Das ist ein Moment, in dem man Vertrauen auch verspielen kann«, erklärt Hannah Schade vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund. »Wenn Menschen sich an Freiheiten gewöhnt haben, wird sich Widerstand regen, wenn ihnen diese wieder genommen werden.«

Abwägen statt starrer Regeln

So sei es wichtig, die Vor- und Nachteile von Homeoffice konstruktiv zu diskutieren: Gehen Telefonate vielleicht besser in Ruhe zu Hause? Und Excel-Listen besser im Büro, unterbrochen durch kurze Gespräche mit Kollegen? Man müsse mit Ablehnung rechnen, »wenn Führungskräfte versuchen, starre Regeln einfach so weiterzuführen, ohne dass es dafür eine Notwendigkeit gibt«, erklärt Schade.

So stellte man etwa bei der Deutschen Telekom fest, dass sich die Produktivität der Service-Abteilung im Homeoffice um 8 Prozent steigerte. Auch die Gesundheitsquote verbesserte sich im April trotz der Pandemie deutlich im Vergleich zu den Vorjahren. Ganz aufs Homeoffice umsteigen will Telekom-Chef Tim Höttges deswegen dennoch nicht – aber infrage stellen, wo es sinnvoll sein könnte und wo nicht. »Ich glaube zutiefst daran, dass es gut ist, hybride Strukturen zu haben«, sagte Höttges in einer Telefonkonferenz.

Arbeitspsychologin Schade hält eine Rückkehr, die im Austausch mit den Mitarbeitern passiert und deren Bedürfnisse berücksichtigt, für die beste Wahl: »Zum einen ist es gut wegen Corona, wenn nicht alle gleichzeitig wieder Vollzeit im Büro sind. Und für jede psychologische Anpassung ist es einfacher, wenn sie graduell passiert.«

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