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Eine Frage der Hormone?

Warum Frauen häufiger an Alzheimer erkranken als Männer

Frauen sind deutlich häufiger von Alzheimer-Demenz betroffen als Männer. Warum das so ist, ist noch nicht abschließend erforscht. Man geht jedoch zunehmend davon aus, dass besonders der geschlechtstypische Hormonhaushalt von Frauen dafür ausschlaggebend sein könnte. Über die genauen Hintergründe informiert die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative anlässlich des heutigen Weltfrauentages.
Katja Egermeier
08.03.2022  12:00 Uhr
Warum Frauen häufiger an Alzheimer erkranken als Männer

In Deutschland leben etwa 1,2 Millionen Menschen mit Alzheimer-Demenz – zwei Drittel davon sind weiblich. Die höhere Lebensdauer von Frauen könne man dafür nicht verantwortlich machen, auch wenn das Alzheimer-Risiko mit zunehmendem Alter steige, erklärt die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) in einer Pressemitteilung. Vielmehr werde heute diskutiert, dass geschlechtsspezifische Unterschiede die Ursache dafür sein könnten: der Hormonhaushalt und der Stoffwechsel von Frauen. Dass die weiblichen Sexualhormone, insbesondere die Östrogene, auch für den Hirnstoffwechsel eine wichtige Rolle spielen, rückt der AFI zufolge jedoch erst langsam in den Fokus der Alzheimer-Forschung.

Rückläufige Östrogenproduktion Schuld?

Neben der Reproduktionsfähigkeit von Frauen sind Östrogene wichtig für den Schutz und den Energiestoffwechsel der Nervenzellen im Gehirn: Sie regulieren die Mitochondrien, die als Kraftwerke der Zellen für die nötige Energie sorgen und so die Verknüpfung zwischen den Nervenzellen fördern. Des Weiteren tragen Östrogene zum Schutz und zur besseren Durchblutung der Nervenzellen bei und verhindern dadurch, dass sich die Alzheimer-typischen Amyloid-Plaques ablagern können.

In den Wechseljahren ist die Östrogenproduktion jedoch stark rückläufig. Das sei häufig auch die Ursache für manche kurzfristig auftretenden Wechseljahresbeschwerden, die die nachlassende Kognition betreffen, erklärt die AFI. Symptome wie Gedächtnisprobleme, Vergesslichkeit und Verwirrtheit kämen daher, dass aufgrund des Mangels an Östrogenen nicht mehr ausreichend für die Energieversorgung und den Schutz der Nervenzellen gesorgt sei.

Dass diese hormonellen Veränderungen auch das Alzheimer-Risiko erhöhen, sei das Ergebnis zweier unterschiedlicher US-amerikanischer Studien, so die AFI. Zudem habe die spezifische Analyse einer US-amerikanischen Krankenversicherung – im Jahr 2019 im Fachmagazin »Neurology« veröffentlicht – ergeben, dass auch die Dauer der Reproduktionsphase von Frauen eine erhebliche Rolle spiele. Dieser Untersuchung zufolge haben Frauen, die kürzer (21 bis 34 Jahre lang) fruchtbar waren, eine um 26 Prozent höheres Demenzrisiko als Frauen mit einer längeren Reproduktionsphase von 39 bis 44 Jahren.

Ob die Gabe künstlicher Hormone im Rahmen einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Risiko, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, senken kann, ist bislang umstritten. Diesbezüglichen Studien zufolge kommt es auf das richtige Zeitfenster an, erklärt die AFI. »Startet die Hormonersatztherapie zeitnah zum Ausbleiben der Menstruation, scheint es einen positiven Effekt zu geben. Eine späte Hormontherapie kann das Alzheimer-Risiko gegebenenfalls sogar erhöhen«, so die AFI.

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