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Skepsis, Faulheit, Unwissen

Warum manche noch nicht geimpft sind

Steigende Inzidenzen wecken bei vielen Menschen Sorge vor einer vierten Corona-Welle im Herbst – auch angesichts des sinkenden Impftempos. Was über die Impfbereitschaft der Bevölkerung bekannt ist, und wie sich die Impfquote steigern ließe.
dpa
05.08.2021  16:00 Uhr

Bis gestern waren 53,6 Prozent der 44,6 Millionen in Deutschland lebenden Menschen vollständig geimpft. 62,1 Prozent (51,6 Millionen) hatten mindestens eine Impfdosis erhalten. Bei einer Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren – der die Impfung generell empfohlen wird – von 69,4 Millionen bleiben knapp 18 Millionen Erwachsene, die noch keine Impfdosis bekommen haben.

»Auch, wenn das Impftempo derzeit sinkt, die Impfbereitschaft ist in den vergangenen Monaten kontinuierlich gestiegen«, sagt Cornelia Betsch von der Universität Erfurt. Sie leitet die Cosmo-Studie, die seit März 2020 alle zwei Wochen knapp 1000 Erwachsene im Alter bis 74 Jahre zur Corona-Pandemie befragt – zuletzt Mitte Juli.

Was weiß man über die Ungeimpften?

»Mit dem Alter steigen die Impfquoten«, sagt Nora Schmid-Küpke, die am Robert-Koch-Institut (RKI) die Covimo-Studie zur Covid-19-Impfbereitschaft und -akzeptanz leitet. »Das liegt natürlich auch daran, dass wir am Anfang eine priorisierte Vergabe von Impfstoffen hatten«, also dass sich Ältere schon früher impfen lassen konnten.

In der Cosmo-Studie wollten sich Mitte Juli 10 Prozent der Teilnehmer keinesfalls impfen lassen. Diese »Verweigerer« entsprachen 41 Prozent der ungeimpften Teilnehmer. Die übrigen Ungeimpften wollen sich entweder noch impfen lassen oder sind unsicher oder zögerlich.

»Vergleicht man die Verweigerer mit dem Rest der Ungeimpften, haben die Verweigerer eher Sicherheitsbedenken und halten die Impfung für überflüssig, da Covid-19 in ihrer Wahrnehmung keine Bedrohung darstellt«, so die Cosmo-Studie.

Warum sind manche Menschen skeptisch?

Die Gründe sind vielfältig. Den typischen Ungeimpften gebe es ebenso wenig wie den typischen Geimpften, betont Schmid-Küpke. Der Hauptgrund sei fehlendes Vertrauen vor allem in die Sicherheit der Impfung, sagt die Erfurter Psychologin Betsch. Zudem glaubt ein großer Teil der Befragten (»Trittbrettfahrer«), man brauche sich nicht impfen zu lassen, wenn genügend andere das tun. «Statt selbst tätig zu werden, verlässt man sich lieber auf andere», sagt Betsch. Darüber hinaus sehen manche Menschen in SARS-CoV-2 keine Bedrohung für sich selbst.

Ein weiterer Grund: Die Schutzwirkung der Impfung wird von vielen Ungeimpften deutlich unterschätzt, auf unter 50 Prozent. Tatsächlich liegt der Schutz vor einer Hospitalisierung laut RKI bei mehr als 90 Prozent – auch bei der Delta-Variante. »Dass die Impfung sowohl mit dem Impfstoff von Biontech als auch mit dem von Astrazeneca nahezu sicher vor Krankenhausaufenthalten schützt, sollte nachdrücklicher kommuniziert werden«, rät die Cosmo-Studie.

Ein sehr wichtiger Faktor ist – salopp formuliert – Bequemlichkeit: Stress, Zeitnot und strukturelle Hürden halten viele Menschen davon ab, sich um einen Impftermin zu kümmern. Viele von ihnen könne man durch niedrigschwellige Angebote erreichen, heißt es in der Cosmo-Studie.

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