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Abnehmen durch Bewegung

Warum Sport zu mehr essen verleitet

Viele Menschen treiben Sport nicht nur um fit zu bleiben, sondern auch um überflüssigen Kilos den Kampf anzusagen. Häufig lässt sich dabei jedoch beobachten, dass Menschen nach körperlicher Bewegung zu viel essen und den Abnehmeffekt wieder zunichtemachen. Dieses Phänomen hat nun ein internationales Forschungsteam der TU München und der University of Nebraska in Lincoln (USA) genauer unter die Lupe genommen. 
Michelle Haß
22.04.2021  12:30 Uhr

In einer kleinen randomisierten Überkreuzstudie wollten die Wissenschaftler um Professor Dr. Karsten Koehler untersuchen, wie sportliche Betätigung sich auf hypothetische Entscheidungen bezüglich der Menge und des Zeitpunkts der Nahrungsaufnahme auswirkt. Hierfür rekrutierten sie 41 gesunde Probanden (23 Frauen, 18 Männer) im Alter zwischen 19 und 29 Jahren mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) von 23,7. Die Teilnehmenden wurden zu Beginn des ersten Versuchsdurchgangs nach dem Zufallsprinzip entweder einem 45-minütigen Training auf einem Fahrradergometer oder einer gleich langen Ruhephase zugewiesen. In der zweiten Runde absolvierten sie die jeweils andere Studienbedingung.

Begleitend füllten sie einen elektronischen Fragebogen über ihre subjektive Einschätzung zu Hunger und Sättigung aus. Dabei gaben sie auch die bevorzugte Nahrungsmenge an. Die Präferenzen wurden dabei sowohl für den sofortigen als auch für einen Verzehr von Essens nach vier Stunden ermittelt. Insgesamt füllten sie den elektronischen Fragebogen pro Durchlauf dreimal aus: Vor dem Training beziehungsweise der Ruhephase, ein zweites Mal danach und ein drittes Mal nach 30 Minuten Pause.

Die Auswertung der Daten zeigt, dass körperliche Bewegung im Vergleich zum Ruhen zu einem größeren Anstieg der gewählten Nahrungsmenge – sowohl unmittelbar nach dem Training als auch 30 Minuten danach – führt. Außerdem wollten Sporttreibende in der Regel bevorzugt sofort Nahrung aufnehmen. »Auf Basis der Studie konnten wir erstmals zeigen, dass sich bestimmte Eigenschaften, wie die Menge und die Dringlichkeit, mit der eine Person essen möchte, über den Verlauf einer körperlichen Belastung verändern«, ordnet Professor Dr. Karsten Köhler, Leiter der Professur für Bewegung, Ernährung und Gesundheit an der TU München und Erstautor der Studie, die Ergebnisse in einer aktuellen Pressemitteilung der Universität ein.

Die Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass körperliche Anstrengung Sporttreibende dazu verleiten kann, nach dem Sport eher schneller und größere Mengen Nahrung zu sich zu nehmen, was einer Gewichtabnahme im Weg stehen könnte. Köhler schätzt die Studienergebnisse daher als hilfreich bei der Entwicklung neuer Interventionen, die eine Gewichtsreduktion durch Sport optimieren sollen, ein. Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, welche Strategien langfristig geeignet sind, um die Gewichtsabnahme durch Sport zu fördern.

Als Tipp für alle Sporttreibende gibt Köhler folgendes mit an die Hand: »Da die Gewichtsabnahme für viele ein Hauptmotiv für das Sporttreiben ist und ein Nichterreichen der gewünschten Gewichtsabnahme den Ausstieg aus dem Sport wahrscheinlich macht, könnte es eine gute Strategie sein, sich schon vor dem Training zu überlegen, was man danach essen möchte.« 

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