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Schulkinder

Was bei Kopfschmerzen hilft

Studien zeigen, dass ein Großteil der Kinder und Jugendlichen regelmäßig unter Kopfschmerzen leidet. Die wenigsten gehen deswegen zum Arzt, viele suchen Hilfe in der Apotheke. Was können PTA und Apotheker dann raten?
Verena Schmidt
30.08.2019
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Mehr als zwei Drittel aller Schulkinder leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen – so lautet das Ergebnis einer in diesem Jahr veröffentlichten Studie mit insgesamt 2706 Schülern von Dresdner Grund- und weiterführenden Schulen. Die Schüler waren in den Jahren 2015 und 2016 zu Stärke und Häufigkeit von Kopfschmerzen befragt worden. Fast 37 Prozent der Befragten sagten im Rahmen der Untersuchung, die im Fachjournal »Cephalalgia« veröffentlicht wurde, dass sie einmal pro Monat unter Kopfschmerzen litten, bei fast 32 Prozent war es sogar mehr als zweimal im Monat. Von diesen gaben wiederum 55 Prozent an, dass sie an zwei bis fünf Tagen pro Monat Kopfschmerzen hatten – und vor allem diese Kinder fehlen aufgrund der Schmerzen häufiger in der Schule. Nur knapp 32 Prozent der Befragten gaben an, nie solche Schmerzen zu haben.

Ähnliche Ergebnisse lieferte auch eine im Juni veröffentlichte Online-Befragung von mehr als 2000 Schülern des Deutschen Kinderschmerzzentrums an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln. Diese Umfrage brachte zutage, dass Mädchen fast doppelt so oft von Kopfschmerzen betroffen sind wie Jungen. Hierbei könnten vermutlich biologische Komponenten – etwa das Einsetzen der Menstruation – und psychologische sowie emotionale Faktoren eine Rolle spielen, so die Vermutung der Studienautoren.

Nicht zum Arzt

In der Dresdner Studie waren fast alle Kinder, die einmal im Monat Kopfschmerzen hatten, und rund 80 Prozent derjenigen, die mehr als zweimal im Monat von Kopfschmerzen heimgesucht wurden, deswegen nicht zum Arzt gegangen. Scheinbar suchen die Eltern und Kinder häufiger Hilfe in der Apotheke. Insgesamt 624 der befragten Kinder und Jugendlichen nehmen den Angaben zufolge bei einer akuten Kopfschmerzattacke ein Medikament oder ein homöopathisches Mittel ein, am häufigsten Ibuprofen (49 Prozent) und Paracetamol (32 Prozent).

Professor Dr. Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sieht den Schmerzmittelgebrauch bei Kindern kritisch, wie er in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) betont. »Die Werbung der Schmerzmittelhersteller suggeriert, dass jeder seine Kopfschmerzen selbst therapieren kann und man keine Diagnose vom Arzt benötigt. Das ist sicher falsch.« In der Mitteilung warnt er vor einer unbedachten Schmerzmitteleinnahme. »Im Kindesalter wird oft schon der Grundstein für eine laxe Haltung gegenüber Schmerzmitteln gelegt, die dann in späteren Lebensphasen zum Schmerzmittelübergebrauch führen kann.«

Als Faustformel gilt: Schmerzmittel sollten nicht länger als drei bis vier Tage am Stück und nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat eingenommen werden. Werden Schmerzmittel häufiger oder länger am Stück konsumiert, besteht die Gefahr, dass die Kopfschmerzen chronisch werden und sich ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entwickelt. Ohnehin steht bei Kindern und Jugendlichen die nicht-medikamentöse Behandlung an erster Stelle. Bei leichten, gelegentlich auftretenden Spannungskopfschmerzen können beispielsweise Ruhe, Entspannung, Bewegung an der frischen Luft, Ablenkung oder Schlaf helfen.

Bei stärkeren Schmerzen, die sich durch diese Verhaltensmaßnahmen nicht lindern lassen, ist der Griff zum Arzneimittel – kurzfristig und in der richtigen Dosierung – vertretbar. Prinzipiell eignen sich Paracetamol und Ibuprofen gut bei akuten Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen (Dosierung siehe Tabelle). Acetylsalicylsäure (ASS) ist in der Selbstmedikation erst ab zwölf Jahren zugelassen, ebenso entsprechende Kombinationsanalgetika mit ASS, Paracetamol und Coffein. Diclofenac (25 mg) kann ab 14 Jahren gegeben werden, wird aber eher bei Schmerzen des Bewegungsapparats als bei Kopfschmerzen eingesetzt. Triptane mit den Indikationen Migräne und Clusterkopfschmerz sind in der Selbstmedikation nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zugelassen.

Wirkstoff Dosierung Hinweise
Ibuprofen (Dolormin®, Nurofen® und andere) 6 bis 9 Jahre (20-29 kg): Einzeldosis 200 mg, max. Tagesdosis 600 mg, ǀ 10 bis 12 Jahre (30 bis 39 kg): Einzeldosis 200 mg, max. Tagesdosis 800 mg ǀ Ab 12 Jahren (ab 40 kg): Einzeldosis 200 bis 400 mg, max. Tagesdosis 1200 mg Bei empfindlichem Magen zu einer Mahlzeit einnehmen
Paracetamol (Ben-u-ron® und andere) 4 bis 8 Jahre (17 bis 25 kg): Einzeldosis 250 mg, max. Tagesdosis 1000 mg ǀ 8 bis 11 Jahre (26 bis 32 kg): Einzeldosis 250 mg, max. Tagesdosis 1000 mg, in Ausnahmefällen bis zu 1500 mg ǀ 11 bis 12 Jahre (33 bis 43 kg): Einzeldosis 500 mg, max. Tagesdosis 2000 mg ǀ Ab 12 Jahren (ab 43 kg): Einzeldosis 500 bis 1000 mg, max. Tagesdosis 4000 mg Kann in hohen Dosen Leberschädigungen verursachen
Acetylsalicylsäure (Aspirin® und andere) Ab 12 Jahren ǀ 12 bis 15 Jahre (40 bis 50 kg): Einzeldosis 500 mg, max. Tagesdosis 3000 mg ǀ Ab 16 Jahren: Einzeldosis 500 bis 1000 mg, max. Tagesdosis 6000 mg Nicht bei Kindern unter 12 Jahren (Reye-Syndrom!)
Schmerzmittel für Schulkinder und Jugendliche

Eine Alternative zu den klassischen Schmerzmitteln bei Spannungskopfschmerzen ist eine Pfefferminzöl-Lösung (Euminz®, zugelassen ab sechs Jahren), die lokal auf Stirn und Schläfen aufgetragen werden kann. Wichtig: Sie sollte nicht in der Nähe der Augen appliziert werden, um Reizungen der Schleimhaut zu verhindern. Homöopathisch können zum Beispiel die Komplexmittel Spigelon® oder Antimigren® SL (beide ab sechs Jahren) versucht werden.

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