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Schniefnasen Paroli bieten

Was bei Schnupfen wirkt

In diesem Jahr gilt dem Schnupfen vermutlich eine besondere Aufmerksamkeit – egal ob es der eigene oder der eines anderen ist. Viele Menschen werden sich besorgt fragen, ob das Kribbeln in der Nase ein Symptom von Covid-19 sein könnte.
Annette Immel-Sehr
01.10.2020  09:00 Uhr

Die Sorge ist nicht ganz unbegründet, denn Covid-19 kann bekanntlich zu Beginn einer Erkältung oder einer Grippe ähneln. Betroffene sollten daher aufmerksam auf weitere Symptome achten. Bei Husten, Fieber, Kurzatmigkeit, Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns, Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen oder allgemeiner Schwäche könnte eine Infektion mit SARS-CoV-2 vorliegen. Bei stärker werdenden Beschwerden sollten Betroffene telefonisch Kontakt mit ihrem Hausarzt aufnehmen. In jedem Fall aber sind Abstandhalten, Mund-Nasen-Schutz und die einschlägigen Hygienemaßnahmen wichtig, um die Mitmenschen vor einer Infektion schützen. Diese sind auch froh, wenn ihnen dadurch eine Grippe oder Erkältung erspart bleibt.

Trotz Corona-Pandemie ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um eine akute Rhinitis handelt, wenn die Nase läuft. Rein statistisch erkrankt jeder Erwachsene hierzulande etwa zwei- bis viermal im Jahr daran, Kinder noch deutlich häufiger. Die Ansteckung geschieht in der Regel als Tröpfcheninfektion über die Atemluft oder über Kontaktflächen wie Türklinken, Treppengeländer oder Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf ihnen können die Viren mehrere Stunden überleben.

Schutzschicht schaffen

Schnupfen-Viren dringen in die Schleimhautzellen der Nase ein, vermehren sich dort und führen schließlich zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut. Der Betroffene spürt oft zunächst ein Brennen oder Wundgefühl im Nasenrachenraum. Es entsteht vermehrt wässriger Nasenschleim, und die Nasenschleimhaut schwillt an. Die übermäßige Produktion von nasalem Sekret und häufiges Naseputzen führen oftmals zu einer Entzündung rund um die Nasenlöcher.

Ob sich das Eindringen der Erkältungsviren in die Schleimhautzellen mit sogenannten Erkältungs- oder Abwehrsprays verhindern lässt, die einen schützenden Film auf die Schleimhaut legen, ist nicht abschließend geklärt. Eine starke Schutzwirkung ist eher nicht zu erwarten. Als Filmbildner werden beispielsweise Carragelose (Alcovir®), Hypromellose (Erste Abwehr Mikro-Gel Spray Wick) sowie Glycerin mit der Peptidase Trypsin (ViruProtect Erkältungsspray) verwendet. Um einen möglichst großen Schutz zu erzielen, sollte die Anwendung mit der Erkältungszeit beginnen und dann kontinuierlich erfolgen. Der Schutzfilm möglichst immer dann auf den Schleimhäuten liegen, wenn vermutlich Erkältungsviren in der Atemluft sind. Je nach Präparat wird mehrmals täglich gesprüht.

Normalerweise heilt Schnupfen innerhalb von einer Woche von selbst. Doch kaum jemand wartet so lange untätig ab. Eine kribbelnde, laufende oder verstopfte Nase ist zwar harmlos, aber unangenehm. Sie stört das Allgemeinbefinden und den Schlaf. Eine ursächliche Therapie steht nicht zur Verfügung, dennoch lassen sich die Beschwerden sehr gut behandeln. Bessert sich der Schnupfen nicht, sollte der Betroffene einen Facharzt aufsuchen und die Ursache abklären lassen. Möglicherweise steckt eine Allergie dahinter oder eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen.

Ziel der Behandlung ist es, die Nasenatmung zu erleichtern und Folgeerkrankungen wie eine Nasennebenhöhlen-Entzündung zu verhindern. Mittel der Wahl sind abschwellende Nasensprays oder -tropfen (Dekongestiva). Sie können die Beschwerden einer laufenden oder verstopften Nase schnell und effektiv bessern. Als Wirkstoff enthalten sie ein α-Sympathomimetikum wie Xylometazolin oder Oxymetazolin. Die Präparate sollten konsequent in der empfohlenen Dosierung angewendet werden, um die Nase offen zu halten und einen Sekretstau zu vermeiden. Die Wirkung hält fünf bis acht Stunden an. Dass Kunden die Information, sie sollten das Präparat nur maximal eine Woche einsetzen, gar nicht oft genug hören können, versteht sich von selbst.

Wirklich Schnupfen?

Schwangere mit Erkältungsschnupfen können abschwellende Nasentropfen ohne Bedenken anwenden. Doch nicht immer steckt eine Erkältung dahinter, wenn Schwangere das Gefühl einer verstopfen Nase haben. Hormonell bedingt sind die Nasenschleimhäute in der Schwangerschaft besser durchblutet und dadurch leicht geschwollen. Dies ist kein Grund zur Sorge. Die nasale Anwendung von Kochsalzlösung kann die Beschwerden lindern.

Dosiersprays sind für Dekongestiva von Vorteil, da sie neben einer exakten Dosierung eine gute Verteilung der Wirkstofflösung in der Nase gewährleisten. Sie sind vor allem für die Anwendung bei Kindern empfehlenswert, größere Kinder können sie schon selbst unter Aufsicht anwenden. Nasensprays und -tropfen stehen für die unterschiedlichen Altersgruppen in verschiedenen Konzentrationen zur Verfügung. Bei Säuglingen ist die Anwendung topischer α-Sympathomimetika wegen möglicher systemischer Nebenwirkungen nicht unumstritten. Als Alternative können PTA und Apotheker für die Allerkleinsten physiologische Kochsalzlösung empfehlen.

Systemisch wirksam

Oral kommt gegen die Schnupfenbeschwerden das α-Sympathomimetikum Pseudoephedrin zum Einsatz. Es ist zusammen mit einem fiebersenkenden Arzneistoff oder einem Antihistaminikum in vielen Schnupfen- oder Erkältungsmitteln enthalten. Orales Pseudoephedrin ist dabei gleich wirksam wie Xylometazolin oder Oxymetazolin in Nasensprays. Die Behandlungsdauer beträgt bei akutem Schnupfen drei bis fünf Tage. Von Nachteil sind mögliche systemische Nebenwirkungen wie Blutdrucksteigerung oder eine leichte Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Das kommt vor allem bei überhöhten Dosen zum Tragen. Die Präparate sind bei älteren Erwachsenen mit Vorerkrankungen, bei Kindern unter zwölf Jahren, Schwangeren und Stillenden kontraindiziert.

Gegen Ende der Erkrankung wird das Nasensekret immer dickflüssiger. An den Nasenlöchern bilden sich Borken aus getrocknetem Sekret. In diesem Stadium sind α-Sympathomimetika nicht mehr sinnvoll. Jetzt können Sprays oder Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung oder Meerwasser zur Befeuchtung der Nasenschleimhaut eingesetzt werden. Zugesetzte Hyaluronsäure verlängert den Feuchteffekt, Dexpanthenol fördert die Wundheilung.

Viele Patienten empfinden es als sehr wohltuend, bei Schnupfen und Erkältung zu inhalieren. Der angenehme Effekt von heißem Wasserdampf lässt sich durch den Zusatz von ätherischen Ölen oder Kochsalz weiter steigern. Ziel ist es, die Atemwege zu befeuchten und Schleim zu lösen. Um einen guten Effekt zu erzielen, inhaliert man am besten mehrmals täglich 15 bis 20 Minuten.

Nebenhöhlen freihalten

Ein Schnupfen heilt in der Regel ohne Folgen aus. Gelegentlich breiten sich die Rhinoviren allerdings weiter in die Nasennebenhöhlen aus und verursachen dort eine Entzündung (Sinusitis). Sie zeigt sich durch Schmerzen meist an der Stirn, im Kiefer oder um die Augen herum auf, seltener auch an den Zähnen.

Charakteristischerweise nehmen die Beschwerden zu, wenn sich der Patient nach vorne beugt. Das Allgemeinbefinden ist beeinträchtigt, und oft treten Riechstörungen auf. Auch eine Sinusitis heilt in der Regel von selbst aus. Die Behandlung der akuten Sinusitis erfolgt symptomatisch. Bewährt haben sich pflanzliche Sekretolytika wie 1,8-Cineol (Sinolpan® forte, Soledum®), das Mischdestillat aus Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronellöl (Gelomyrtol®) sowie der patentierte Mischextrakt BNO1016 aus Enzianwurzel, Eisenkraut, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten (Sinupret extract®).

Gegen die Schmerzen kann der Patient Ibuprofen oder Paracetamol einnehmen. Auch abschwellende Nasensprays, Nasenspülungen mit isotoner beziehungsweise leicht hypertoner Kochsalzlösung sowie die Inhalation heißer Dämpfe schaffen bei akuter Rhinosinusitis Linderung. Glucocorticoid-haltige Nasensprays können die Entzündung hemmen und dadurch die Schleimhaut in den Nasennebenhöhlen abschwellen lassen. Allerdings dauert es meist ein paar Tage, bis die Wirkung spürbar wird.

PTA und Apotheker sollten Sinusitis-Patienten, die nach zwei Wochen immer noch Beschwerden haben, an den HNO-Arzt verweisen – bei schwerem Krankheitsverlauf natürlich schon früher.

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