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Riechen und schmecken

Was der Geruchssinn mit Krankheiten zu tun hat

Spezielle Ausdünstungen

Bestimmte Körpergerüche lassen sich aber auch Krankheiten zuschreiben. So deutet ein leicht süßlich-fruchtiger Acetongeruch auf Diabetes, ein übel riechender Ausfluss auf eine Vaginalerkrankung hin. Patienten mit der Stoffwechselerkrankung Trimethylaminurie riechen nach altem Fisch. Über den Schweiß oder Urin sondern sie eröhte Mengen Trimethylamin ab. Schon Ärzte der Antike wie Hippocrates rochen um 400 v. Chr. für die Diagnose am Atem ihrer Patienten.

Auch Covid-19 hat einen speziellen Geruch – zumindest für Hunde. Dank ihrer viel größeren Anzahl an Chemorezeptoren und Riechzellen haben sie einen ausgeprägteren Geruchssinn als Menschen. In einem Pilotprojekt werden seit September 2020 trainierte Hunde am Flughafen von Helsinki zur Identifizierung von Coronavirus-Infizierten eingesetzt.

Die Testung erfolgt dort auf freiwilliger Basis. Dafür wird mit einem Tuch über die Haut an Unterarm, Stirn und Nacken gestrichen und dieses dann in einen Behälter gelegt. In einem Nebenraum schnüffelt der Hund an dieser und anderen Proben. Schlägt er bei einer Probe an, werden die Daten der dazugehörigen Person an das Universitätsklinikum Helsinki weitergeleitet.

Die Identifizierung über den Hund scheint schneller als mit bisherigen Tests zu funktionieren. In Sekunden bis wenigen Minuten können die Vierbeiner eine Coronavirus-Infektion erkennen. Die Vierbeiner können das Virus offenbar direkt nach der Infektion und damit auch bei asymptomatischen Menschen Tage vor dem ersten Auftreten von Symptomen erschnüffeln. Mit Laboruntersuchungen geht das nicht. Selbst infizieren können sich die Hunde mit dem Coronavirus nicht. Studien haben gezeigt, dass ihnen der Rezeptor fehlt, an den SARS-CoV-2 zum Eindringen andockt.

Hunde und Ratten

Auch in Großbritannien bildet die Organisation Medical Detection Dogs einige ihrer Vierbeiner zu SARS-CoV-2-Schnüffelhunden im Rahmen einer Studie aus. Bislang trainierte die Organisation Hunde etwa zum Erriechen von Krebs, Diabetes-Typ-I und Malaria. Dabei gehe es in erster Linie nicht um den Ersatz von Corona-Tests. Vielmehr sollen die Hunde in einer späteren Phase dort eingesetzt werden, wo viele Menschen zusammenkommen und schnell auf das Virus gescreent werden müssen etwa am Flughafen, in Sportstadien oder in Altenheimen.

In Deutschland ist es dagegen um die Corona-Riechhunde still geworden. Zu Nachfragen bezüglich einer im vergangenen Sommer veröffentlichten Studie der Hochschule Hannover über Hunde, die inaktiviertes SARS-CoV-2-Virus in Speichelproben infizierter Menschen erschnüffeln können, wird keine Stellung genommen. Das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum in Mainz als private Organisation trainiert ihre Hunde im kleinen Rahmen anhand von Schweißproben auf SARS-CoV-2. Petra Köhler, Hundetrainerin am Zentrum sagt gegenüber PTA-Forum, dass »die Corona-Hunde in Deutschland vermutlich leider nicht zum Einsatz kommen werden«. Zu hoch seien die Hürden, etwa die Auflagen der Gesundheitsämter.

In einigen Ländern Afrikas werden sogar Ratten für Geruchsscreenings auf Tuberkulose eingesetzt. Nach ihrer Ausbildung schnüffeln diese sogenannten Hero-Rats an Sputumproben. Die Tiere haben eine Erfolgsquote von etwa 75 Prozent. Von den Ratten als positiv identifizierte Proben werden mit anerkannten diagnostischen Verfahren kontrolliert. Alles in allem ist dieser Vorgang preisgünstiger und schneller als die Bearbeitung allein mit technischen Mitteln.

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