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Selbstmedikation

Was hilft gegen Übelkeit?

Karussellfahren, Noroviren, üble Gerüche oder ein Zuviel an Alkohol haben eines gemeinsam: Sie können Übelkeit und Erbrechen auslösen. So elend sich die Betroffenen meist auch fühlen, die Beschwerden sind in der Regel selbstlimitierend und gut in der Selbstmedikation therapierbar. Ein Überblick. 
Christina Brunner
23.11.2020  09:00 Uhr

Ein flaues Gefühl im Magen, kalter Schweiß auf der Stirn, vermehrter Speichelfluss und ein Gesicht, aus dem jede Farbe gewichen ist: Fast jeder hat diese Symptome schon einmal selbst erfahren, den Zustand, wenn die Übelkeit übermächtig wird, der Würgereiz einsetzt und das Erbrechen beginnt.

Viele unterschiedliche Reize können eine Übelkeit auslösen, denn das Brechzentrum, ein neuronales Netzwerk im verlängerten Rückenmark, der Medulla oblongata, empfängt Impulse von vielen peripheren, aber auch zentralen Detektoren. Zu den peripheren Varianten zählen unter anderem die Sinnesorgane. Geruchs- und Geschmackssinn, Auge, Gehör und Gleichgewichtsorgan leiten stimulierende Reize weiter. Je nach Stärke der Signale, trifft das Brechzentrum eine Ja- oder Nein-Entscheidung. Das passiert zum Beispiel auch, wenn der Nervus glossopharyngeus durch einen Finger an der hinteren Gaumenwand gereizt wird.

Kinetose: Verwirrte Sinne

Wird die Übelkeit durch Signale aus dem Gleichgewichtsorgan, dem Vestibularapparat im Mittelohr, ausgelöst, sprechen Experten von einer Kinetose. Mit Hilfe des Vestibularapparats orientiert sich der Körper im Raum. Kommt es zu widersprüchlichen Informationen der einzelnen Sinnesorgane, interpretiert das Brechzentrum die Afferenzen als Vergiftungszeichen wie sie bei einem schwankenden Gang vorkommen. Die Übelkeit soll also eigentlich vor weiterer Giftresorption schützen. Die Signalübertragung läuft bei einer Kinetose maßgeblich über den Neurotransmitter Histamin.

Der Magen-Darm-Trakt spielt eine weitere Rolle als peripherer Reizgeber für das Brechzentrum. Hier angesiedelte Mechano- und Chemorezeptoren leiten die Impulse über den Nervus vagus weiter. Unter den Chemorezeptoren sind die Serotonin- und dabei hauptsächlich die Untergruppe der 5-HT3-Rezeptoren zu nennen. Spezialisierte Zellen im Verdauungstrakt, die sogenannten enterochromaffinen Zellen, schütten Serotonin aus. Bakterien, Viren, Gifte, bestimmte Arzneistoffe oder eine Strahlentherapie können im Magen-Darm-Trakt eine Serotonin-Freisetzung auslösen.

An zentralen Schaltstellen, der Area postrema und dem Brechzentrum selbst, finden sich ebenfalls 5-HT3-, Histamin-, aber auch Dopamin-, Muscarin oder Cannabinoid-Rezeptoren. Im Bereich der Area postrema ist die sogenannte Chemorezeptor-Triggerzone angesiedelt. Ihre Oberfläche weist Bindungsstellen für über 40 verschiedene Substanzen auf. Hier findet das Screening auf verdächtige in Blut und Liquor gelöste Substanzen statt. Eine pysiologische Besonderheit macht das möglich: Die Durchlässigkeit der umgebenden Kapillaren ist deutlich größer als es normalerweise die Blut-Hirn-Schranke zulässt. So können selbst größere Moleküle erfasst werden.

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