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Selbstmedikation

Was hilft gegen Übelkeit?

Übelkeit in der Schwangerschaft

Etwa die Hälfte aller Schwangeren leidet im ersten Trimenon an Übelkeit und Erbrechen. Die Beschwerden treten meist morgens auf, können aber auch den ganzen Tag über anhalten. Die Stärke der Symptome variiert von einem flauen Gefühl im Magen über gelegentliches bis hin zu regelmäßigem Erbrechen. In seltenen Fällen gipfelt das Schwangerschaftserbrechen als Hyperemesis gravidarum. Ausgeprägte Dehydratation, Elektrolytveränderungen und Gewichtsverlust können sogar eine stationäre Aufnahme notwendig machen.

Als Ursache werden verschiedene Faktoren diskutiert: erhöhte ß-HCG-Werte, Vitamin-B-Mangel, verringerte ösophageale und gastrische Motilität mit einem zusätzlich relaxierten unteren Ösophagussphinkter sowie Helicobacter-pylori-Infektionen. Die früher verbreitete Annahme, Stress und Ambivalenz gegenüber der Schwangerschaft seien ursächlich, konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

Das Institut für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin sieht in Doxylamin das Mittel der Wahl. In Deutschland ist der Wirkstoff für die Selbstmedikation gegen Schlafstörungen, nicht aber für die Indikation Schwangerschaftserbrechen zugelassen. Im Gegensatz dazu ist in Kanada und den USA Doxylamin in Kombination mit Pyridoxin-HCl (Vitamin B6) als Retardformulierung (Diclectin®) für dieses Anwendungsgebiet verfügbar. Die amerikanischen Leitlinien empfehlen 25 mg zur Nacht sowie 12,5 mg bei Bedarf jeweils am Morgen und am Nachmittag. Um eine Verunsicherung der Schwangeren bei der Abgabe von Doxylamin zu vermeiden, sollte das Apothekenteam die Frau über den Aspekt des Off-label-Einsatzes informieren (wie Hoggar® night, Sedaplus®). Seit Juni 2019 ist das rezeptpflichtige Cariban® hierzulande für diese Indikation zugelassen.

Laut des Instituts für Embryonaltoxikologie ist auch die Gabe der Antihistaminika der ersten Generation Dimenhydrinat und Diphenhydramin möglich, wenn Maßnahmen wie eine moderate Diät, mehrere kleinere Mahlzeiten oder das Vermeiden unangenehmer Gerüche nicht helfen. Da sie aber einen wehenfördernden Effekt haben, sollten sie nicht abgegeben werden, wenn die Gefahr einer Frühgeburt besteht, und zudem nicht im dritten Trimenon. Eine erhöhte Fehlbildungsrate zeigen alle drei Arzneistoffe nicht. Die Frau sollte auf die sedierenden Begleiteffekte und die Einschränkung der Reaktionsfähigkeit, etwa beim Autofahren, hingewiesen werden. Dimenhydrinat wird drei- bis viermal täglich in einer Dosierung von 50 mg eingenommen, Diphenhydramin alle sechs bis acht Stunden in einer Dosierung von 25 bis 50 mg.

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