PTA-Forum online
Fit durch den Lockdown

Was uns dieses Jahr bewegt

Die Coronavirus-Pandemie hat Deutschland fest im Griff. Bedingt durch den Lockdown boomt Home-Gym, also das Fitnessprogramm zu Hause. PTA-Forum stellt drei Frauen vor, die zeigen, mit welcher Variante sie sich fit halten.
Narimaan Nikbakht
26.02.2021  16:30 Uhr

Gute Nachricht für alle, die Corona-bedingt ein paar Kilos zugelegt haben: Studien zeigen, dass wenige Minuten täglich ausreichen, um sich fit und den Körper straff zu halten. Und: Sporteln kann man auch zu Hause. Das bestätigt Professor Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln: »Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sollten Sie darauf achten, sich weiterhin ausreichend zu bewegen, weil es auch die Abwehrkräfte stärkt. Dazu brauchen Sie nicht mal ein Sportstudio, denn Sie haben ein Sportgerät immer dabei: Ihr eigenes Körpergewicht. Beginnen Sie jeden Tag mit einer kleinen Gymnastikeinheit von zehn Minuten am offenen Fenster. Am besten machen Sie das vor dem Schlafengehen auch noch mal, weil man dann ruhiger schläft.« Es gibt aber auch noch andere Ideen, sich körperlich und mental in den eigenen vier Wänden Gutes zu tun.

Kirsten Hawle (36): Hula-Hoop zu Dance-Beats

»Morgens denke ich häufig: ›Super – endlich trage ich die Kleidung, die mir gefällt und nicht nur die, die mir passt.‹ Ich fühle mich heute fit und ausgeglichen. Das war im vergangenen Jahr noch anders.«

Kirsten Hawle aus Hamburg hatte nie Gewichtsprobleme. Doch nach der Geburt ihrer Tochter (heute 4) und ihres Sohnes (heute 2) blieben jeweils ein paar Schwangerschaftspfunde hängen. Auf Instagram entdeckte sie Videos, in denen Erwachsene zeigen, wie sie sich mit Hula-Hoop-Workouts fit hielten. Spontan bestellte sie sich selbst einen Reifen. »Hula-Hoop erinnert mich an Kindertage, und das versetzt mich in gute Laune. Der Trick ist aber, keinen zu leichten Reifen zu verwenden, sonst wird es schwierig, ihn oben zu halten. Mein Reif wiegt daher 1,2 Kilo«, so die Diplom-Kauffrau.

Ein paar Tage später, bei sich im Wohnzimmer, probierte sie die erste Runde aus. »Zuerst dachte ich, ich müsste die Hüften kreisen – aber das ist falsch, die Hüften bewegen sich vor und zurück. Drehen muss sich nur der Reifen. Als ich das herausgefunden hatte, funktionierte es immer besser.« Kirsten fand so viel Gefallen an ihrem neuen Hobby, dass sie seitdem drei- bis viermal wöchentlich damit trainiert. »Wenn ich Dance-Beats dazu laufen lasse, dann wirken die immer wieder gleichen Bewegungen fast schon meditativ. Manchmal schaue ich dazu aber auch einfach nur eine Folge meiner Lieblings-Serie. In jedem Fall komme ich ordentlich ins Schwitzen.«

Dank dieses Programms und einer Ernährungsumstellung hat Kirsten im Gegensatz zu vielen anderen während der Pandemie nicht zugenommen, sondern sogar an Gewicht verloren. »Ich habe definitiv meinen Sport gefunden. Ich fühle mich insgesamt besser und energievoller. Und weil es ein spielerisches Training ist, wird es mir nie langweilig.«

Jenny Pietrowski (39): Home-Training vor dem Bildschirm

Selbst als sechsfache Mama lässt sich Sport in den Alltag einbauen, wie Jenny Pietrowski aus Welsleben bei Magdeburg beweist. Es ist dem Zufall geschuldet, dass sie regelmäßig etwas für ihre Figur tut, denn 30 Jahre lang hat sie keinen Sport gemacht.

Beim Einkaufen im Supermarkt fällt ihr Blick eines Tages auf eine Sportzeitschrift mit einer Gratis-Beilage. Es war eine Fitness-DVD der US-Star-Trainerin Jillian Michaels. »Der Titel ›Extrem Shred‹ schreckte mich nicht ab. Im Gegenteil: 45 Minuten Workout im Wohnzimmer – das schien mir machbar. Und wer will nicht definierte Muskeln? Das meint ja der Begriff ›Shred‹.«

So motiviert, tastete sich Jenny langsam an mehr Bewegung heran. »Anfangs legte ich die DVD ein und machte nur so lange mit, wie ich konnte. Den Rest steppte ich auf der Matte vor mich hin.« Dennoch bricht sie nach dem ersten Mal fast zusammen. »Ich blieb aber dran und trainiere seitdem jeden Tag. Entweder mit der DVD oder auch zu YouTube-Videos von anderen Trainern. Und dieses Training im Wohnzimmer bringt es wirklich. Trotz kleiner Rückschläge klappt es mit der Routine. Seitdem sind sowohl Fitness- und Energie-Level als auch die Laune enorm gestiegen.«

Nathalie Zöhler (28): Funktionelles Training nebenbei

»Früher war ich ein Sportmuffel. Heute habe ich bei uns in der Wohnung eine kleine Fitness-Ecke, die kaum Platz braucht, aber super effektiv ist.« Nathalie Zöhler aus Sankt Wendel im Saarland strahlt. Vor einigen Monaten entdeckte sie funktionelles Training für sich, ein Ganzkörper-Workout, das auch Physiotherapeuten einsetzen.

Funktionelles Training liegt im Trend, denn dabei werden nicht nur die großen Muskelgruppen, sondern zugleich auch die Tiefenmuskulatur beansprucht. Eine Variante ist das Schlingen-Training, bei dem mithilfe eines elastischen Gurt-Systems, das von der Decke baumelt, mit Schlaufen und Griffen das eigene Körpergewicht als Trainingswiderstand genutzt wird. Sobald Arme oder Beine in den Schlingen hängen, erzeugt das eine gewisse Instabilität, die der Körper permanent ausgleichen muss.

Zum Vergleich: Ein klassisches Krafttraining an den Geräten spricht in der Regel isoliert einzelne und größere Muskeln an. Dafür muss man von Gerät zu Gerät wechseln. Das dauert seine Zeit. Beim Schlingen-Training reichen schon wenige Übungen aus, und schon sind die wichtigsten Muskelgruppen trainiert. Wer will, kann dabei auch den sogenannten Jumper nutzen – einen halbrunden Gymnastikball auf einer Kunststoff-Platte. Auch hier nimmt der Übende bestimmte Positionen für etwa eine Minute ein und versucht dabei, den eigenen Körper auszubalancieren.

Nathalie arbeitet mit dem Jumper und einem speziellen Seil- und Schlingen-System. »Dafür habe ich einfach einen Haken an die Decke angebracht – und schon konnte ich loslegen. Mir ist es wichtig, dass ich selbstbestimmt und unabhängig trainieren kann. Damit ich die Übungen zu Hause richtig ausführe, buchte ich mir zu Anfang dreimal einen Personaltrainer. Das war noch vor dem Lockdown und wie man sieht, gut investiertes Geld. Seitdem trainiere ich unabhängig vom Wetter oder geschlossenen Fitnessstudios, wann immer ich möchte. Meist sind das zwei Einheiten pro Woche à 45 Minuten. Seitdem fühle ich mich super leistungsstark und fühle mich wohl in meinem Körper.«

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa