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Angst vor Mutationen

Was, wenn der Impfstoff nicht mehr wirkt?

Während das Impfen Spritze um Spritze langsam vorankommt, mischt sich eine Befürchtung in die aufkeimende vorsichtige Hoffnung: Das Coronavirus könnte derart mutieren, dass weder die Impfstoffe noch eine überstandene Infektion vor Ansteckung und Erkrankung schützen.
dpa
14.04.2021  12:00 Uhr

Kanzleramtschef Helge Braun hatte neulich der »Bild am Sonntag« gesagt, wenn parallel zum Impfen die Infektionszahlen stiegen, wachse die Gefahr, dass die nächste Virus-Mutation den Impfstoff unwirksam werden lasse. Der CDU-Politiker und Mediziner steht mit dieser Einschätzung nicht alleine da. Auch Wissenschaftler befassen sich schon länger mit dem Thema. Mal klingt es etwas alarmistisch, mal nach einer eher theoretischen Gefahr.

Gefahr durch Escape-Varianten

Dass sich Sars-CoV-2 grundsätzlich gut anpassen kann, leiten Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Auftreten von Virusvarianten ab, die teilweise oder komplett resistent beispielsweise gegen neutralisierende Antikörper sind. Der in Südafrika zuerst nachgewiesene Typ B.1.351 könnte nach ihrer Einschätzung »eine Grundlage für die Entstehung sogenannter Immune-Escape-Varianten darstellen«.

Solche Escape-Varianten, auf Deutsch: Flucht-Varianten, haben sich genetisch so verändert, dass sie von Antikörpern nicht mehr erkannt werden, die gegen das ursprüngliche Coronavirus gebildet wurden. »Tarnung« nennt Luka Cicin-Sain vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig das.

»Viren werden aber nicht vollständig unsichtbar«, sagt Cicin-Sain. Wenn der sogenannte Selektionsdruck steige – etwa durch einen wachsenden Anteil an Geimpften in der Bevölkerung – hätten es die Viren zunehmend schwerer, erklärt Cicin-Sain. Nur die Stärksten könnten sich dann noch durchsetzen. Damit wüchse die Wahrscheinlichkeit, dass sich Mutanten ausbreiten, die vom Immunsystem nicht oder nicht gut erkannt werden. Die zweifache Impfdosis biete aber einen guten Schutz auch gegen bisher bekannte Corona-Mutanten, sagt der Forscher. Zumal der Anteil an Antikörpern im Blut nach einer Impfung in der Regel deutlich höher sei als nach einer Corona-Infektion.

Virus-Varianten immer im Blick

Gesundheitsbehörden wie das RKI oder die Weltgesundheitsorganisation WHO analysieren schon seit geraumer Zeit die Virustypen, um sogenannte »besorgniserregende Varianten« gut im Blick zu behalten. Als solche gelten derzeit B.1.351 (Südafrika), P.1 (Brasilien) und die aus Großbritannien bekannte Mutante B.1.1.7. Dass Letztere sich mittlerweile auch in Deutschland weit verbreitet hat, liegt laut Cicin-Sain aber nicht daran, dass sie eine Escape-Variante sei, sondern dass sie besser an Zellen binde. »Superglue-Klebstoff statt Uhu, wenn Sie so wollen.«

Was aber, wenn sich eine wirkliche Flucht-Variante durchsetzt? Eine Gruppe von Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam veröffentlichte jüngst eine Umfrage unter Epidemiologen und Virologen aus 28 Ländern, deren Einschätzung zufolge Mutationen die aktuellen Impfstoffe gegen Covid-19 in einem Jahr oder weniger unwirksam machen könnten.

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