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Verträglichkeit ist relativ 

Weizenbedingte Erkrankungen

Allergisch auf Weizen

Bei Blähungen, Unwohlsein, Erbrechen oder Durchfall ist auch an eine Weizenallergie zu denken. Bei der klassischen Variante treten direkt nach dem Verzehr Reaktionen auf (Typ-I-Allergie). Der Körper geht mit IgE-Antikörpern gegen die eigentlich harmlosen Bestandteile des Getreides wie Albumin, Globulin oder auch Gluten vor. Der Kontakt von IgE-Antikörpern mit den Allergenen löst Signalkaskaden in Mastzellen aus, etwa eine Freisetzung von Histamin. Der Arzt kann die Typ-I-Allergie häufig durch einen Pricktest diagnostizieren, auch ein Nachweis von spezifischem IgE gegen Weizen kann positiv ausfallen.

Zu beachten ist jedoch eine hohe Rate an falsch negativen oder positiven Ergebnissen. Den Nachweisen entgeht zudem die atypische Weizenallergie. Dabei handelt es sich um eine Spätreaktion, bei der die Symptome erst um Stunden verzögert auftreten. Häufig als Reizdarm-Syndrom fehlgedeutet, kann die atypische Weizenallergie aber mit einem speziellen endoskopischen Verfahren nachgewiesen werden. Geschätzt leiden bis zu 40 Prozent der Reizdarm-Patienten und damit bis zu 6 Prozent der Bevölkerung an einer atypischen Weizenallergie.

Patienten mit Weizenallergie müssen das Getreide in der Ernährung meiden, weizenähnliche Getreidesorten wie Dinkel, Grünkern, Kamut, Emmer oder Einkorn können jedoch in wenigen Fällen verträglich sein.

Eine Sonderform ist die weizenabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie, die sogenannte WDEIA (wheat dependent excercise induced anaphylaxis). Sie tritt fast ausschließlich bei Erwachsenen auf. Bei den Betroffenen bereitet Weizen normalerweise keine Beschwerden, kann aber in Kombination mit bestimmten Triggerfaktoren wie starker körperlicher Anstrengung, Medikamenten wie Acetylsalicylsäure oder Alkohol zu anaphylaktischen Reaktionen führen.

Ausschlussdiagnose Weizensensitivität

Von einer weizen- beziehungsweise glutenarmen Ernährung profitieren auch Menschen, die an einer Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität, kurz auch als Weizensensitivität bezeichnet, leiden. Diese Störung entwickeln bis zu 10 Prozent der Menschen. Die Patienten vertragen keinen Weizen, haben aber keine Allergie dagegen und auch keine Zöliakie, es handelt sich also um eine Ausschlussdiagnose.

Die Betroffenen reagieren auf die in glutenhaltigen Getreidesorten enthaltenen alpha-Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI). Dazu sagt der Experte: »ATI könnten das angeborene Immunsystem über den sogenannten Toll-like-Rezeptor 4 aktivieren und leichte Entzündungsreaktionen auslösen.« Diese zusätzlichen Entzündungen verstärken bereits existierende Inflammationen, nicht nur im Darm, sondern auch außerhalb. Vor allem bei Patienten mit einer Autoimmunerkrankung wie Rheuma, Psoriasis, Multipler Sklerose oder einer chronischen Stoffwechselerkrankung ist das problematisch: »Die Grunderkrankung kann sich bei einer ATI-haltigen Ernährung verschlechtern, im umgekehrten Fall können Patienten durch eine weitgehend weizen- und damit ATI- freie Diät eine zum Teil dramatische Verbesserung erfahren«, so Schuppan.

Nicht entzündlich bedingt sind häufig Blähungen und Bauchschmerzen, manchmal auch kombiniert mit Durchfall, unter denen vor allem Reizdarm-Patienten leiden. Hier können die sogenannten FODMAP, also die an sich unschädlichen fermentierbaren Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole aus Hülsenfrüchten und einigen Obst-, Gemüse- sowie Getreidearten eine Rolle spielen.

FODMAP kann der Körper nicht aufnehmen, sie werden von Darmbakterien fermentiert. Dabei entstehen Darmgase, zudem wirken FODMAP osmotisch und ziehen Wasser in das Darmlumen. Ein weicherer Stuhl und bisweilen sogar Durchfälle sind die Folge. »Die Symptome sind zwar unangenehm, an sich aber nicht schädlich«, erzählt Schuppan. Im Gegenteil: »Die entstehenden Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren haben vermutlich einen günstigen Einfluss auf die Darmschleimhaut.« Menschen, die sehr unter den Beschwerden leiden, kann eine FODMAP-reduzierte Ernährung Linderung verschaffen. Überbewerten sollte man den Einfluss der FODMAP aber nicht. »Für den größten Teil der Unverträglichkeiten sind andere Faktoren verantwortlich«, sagt der Experte. »Hier spielt als atypisches Allergen Weizen eine besondere Rolle, gefolgt von Hefe, Milch und Soja.«

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