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Krankheitserreger

Welche Desinfektionsmittel schützen wirklich?

Ob Coronaviren oder Grippe – eine wirksame Maßnahme zur Vorbeugung von Infektionen ist die Desinfektion von Händen und Oberflächen. Doch welches Desinfektionsmittel eignet sich tatsächlich zum Schutz vor Krankheitserregern?
Carolin Lang/PTA-Forum
04.02.2020
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Viele Krankheitserreger werden über die Hände übertragen, beispielsweise durch direktes Händeschütteln oder häufig berührte Gegenstände, wie Türklinken oder Haltegriffe von Einkaufswagen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf diesem Wege können Keime schnell von einer Hand zur anderen übergehen.

Dazu kommt, dass Keime häufig über Tage auf unbelebten Oberflächen überleben können. Wie beispielsweise die Influenza- und Coronaviren, wie es in einer Studie von 2006, veröffentlicht in der Fachzeitschrift »BMC Infectious Diseases«, heißt. Regelmäßiges Händewaschen sowie die Desinfektion von Händen und Oberflächen kann also einer Infektion vorbeugen und ist angesichts der laufenden Grippewelle durchaus angeraten. Dabei kommen diese Wirkstoffe zur Desinfektion von Händen und Flächen zum Einsatz:

Produkte zur Desinfektion

Bei den Produkten zur Desinfektion gibt es eine große Auswahl mit unterschiedlichen Zusammensetzungen, die sich im Wirkspektrum unterscheiden. Zur Übersicht hat das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Auflistung geprüfter und anerkannter Desinfektionsmittel und -verfahren erstellt.

Das RKI kennzeichnet die Wirkungsbereiche unter anderem durch die Buchstaben A und B. Der Buchstabe A bedeutet, dass das dadurch gekennzeichnete Desinfektionsmittel zur Abtötung von vegetativen Bakterien einschließlich Mykobakteien sowie Pilzen und Pilzsporen geeignet ist.

Der Buchstabe B kennzeichnet die Eignung zum Inaktivieren von Viren (entspricht  »viruzid« – also wirksam gegen behüllte und unbehüllte Viren). Prinzipiell sind Viren mit Hülle leichter zu desinfizieren als solche ohne Hülle. Im Gegensatz zu Noroviren haben Influenza- und Coronaviren beide eine Hülle. Weitere Wirkungsbereiche sind »begrenzt viruzid« (wirksam gegen behüllte Viren) und » begrenzt viruzid PLUS« (wirksam gegen behüllte Viren und Adeno-, Noro- und Rotaviren). 

Produkt zur Händedesinfektion Wirksam gegen Norovirus Wirksam gegen Influenza Wirksam gegen SARS-CoV Wirkungsbereich laut RKI Wirkstoffe
Sterillium® (oder classic pure ohne Farbstoffe und Parfum) Nein Ja Ja Bereich A und begrenzt viruzid, (Einwirkzeit jeweils 30 sek) 100 g enthalten: Propan-2-ol 45,0 g, Propan-1-ol 30,0 g, Mecetroniumetilsulfat 0,2 g
Sterillium® virugard Ja Ja Ja Bereich A (Einwirkzeit 30 sek), Bereich B (Einwirkzeit 2 min) 100g enthalten: Ethanol (99%) 95,0g
Aseptoman® viral Ja Ja Ja Bereich A (Einwirkzeit 30 sek), Bereich B (Einwirkzeit 1,5 min) 100 g enthalten: 1-Propanol (Ph. Eur.) 10 g und Ethanol (96%) 57,6 g
Softa-Man® acute Ja Ja Ja Bereich A (Einwirkzeit 30 sek), Bereich B (Einwirkzeit 1 min) 100 ml Lösung enthalten: Ethanol (100%) 45 g und 1-Propanol (Ph. Eur.) 18 g
Tabelle 1: Produktbeispiele zur Händedesinfektion mit Wirksamkeit bei Norovirus, Influenza und SARS-CoV

Bei der Flächendesinfektion ist auf ausreichend konzentrierte Desinfektionslösungen und die korrekte Einwirkzeit zu achten, um zum einen die Wirksamkeit zu gewährleisten und zum anderen einer Selektion von Mikroorganismen vorzubeugen und Desinfektionsmitteltoleranzen/-resistenzen zu verhindern. Auch diese Informationen sind in der Auflistung des RKI enthalten.

Produkt zur Flächendesinfektion Wirkungsbereich laut RKI Wirkstoffe
Bacillol® AF A Propan-1-ol, Propan-2-ol, Ethanol
Minutil® AB Formaldehyd, Glyoxal, Glutaral
Kohrsolin® extra AB (Ethylendioxy)dimethanol, Glutaral, Didecyldimethylammoniumchlorid
Tabelle 2: Produktbeispiele zur Flächendesinfektion

Desinfektionsmittel richtig anwenden

Das beste Desinfektionsmittel nutzt allerdings nichts, wenn man es nicht richtig anwendet. Ein wichtiger Punkt ist dabei das Einhalten der erforderlichen Einwirkzeit. Sie beträgt je nach Präparat mindestens 30 Sekunden oder länger. Zudem sollte ein besonderes Augenmerk auf Fingerkuppen und Daumen liegen, da diese Bereiche häufig mit Oberflächen oder anderen Personen in Kontakt kommen. Das Video der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) zeigt, wie es richtig geht:

In medizinischen Einrichtungen ist der Gebrauch von Desinfektionsmitteln üblich und sinnvoll. Im privaten Haushalt hingegen sollten Desinfektionsmittel nicht zum Standardputz gehören, denn viele Keime in unserer Umgebung sind harmlos oder sogar nützlich. Nur unter bestimmten Umständen sollte zu Hause zum Desinfektionsmittel gegriffen werden, zum Beispiel wenn ein Haushaltsmitglied Grippe oder Brechdurchfall hat oder stark immunsupprimiert ist.

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