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Influenzasaison 2021/22

Weniger Diversität bei Grippeviren

Grippeviren konnten sich in den letzten zwei Jahren nicht wie sonst verbreiten, auch wegen der pandemiebedingten Hygiene- und Abstandsregeln. Das wirkt sich nun offenbar auf die Diversität der Influenzaviren aus. Eine Influenza-B-Linie ist eventuell ganz verschwunden.
Christina Hohmann-Jeddi
01.11.2021  14:00 Uhr

Seit April 2020 sei die Zahl der Influenzavirus-Nachweise dramatisch gesunken – nämlich um 99 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren trotz ähnlicher Testfrequenzen, berichtet ein Team um Dr. Marios Koutsakos von der University of Melbourne in Australien im Fachjournal »Nature Reviews Microbiology«. Das hat offenbar die genetische Diversität der Influenzaviren drastisch verringert. So ging die Zahl der identifizierten Kladen bei den Influenza-Subtypen A(H3N2) und A(H1N1) ebenso zurück wie die Diversität der B/Victoria-Linie. Von der B/Yamagata-Linie konnten von April 2020 bis August 2021 weder Viren isoliert noch sequenziert werden. Ob die Linie damit für immer verschwunden sei oder doch zu einem späteren Zeitpunkt wieder auftauchen könne, sei noch unklar, schreiben die Autoren. Die Linie weise aber eine geringere Reproduktionszahl auf als andere.

Die mögliche Ausrottung einer Influenza-B-Linie habe Auswirkungen auf die Zusammensetzung der saisonalen Grippeimpfstoffe. Zum einen könne man zu einem trivalenten Impfstoff mit zwei Influenza-A- und einer Influenza-B-Komponente zurückkehren. Dadurch ließe sich die weltweite Verfügbarkeit der Vakzinen von etwa 500 Millionen quadrivalenten Impfstoffdosen auf 700 Millionen Dosen eines trivalenten Impfstoffs erhöhen, heißt es in der Publikation. Alternativ könne auch eine zusätzliche A(H3N2)-Komponente aufgenommen werden, um eine breitere Antigenabdeckung dieser heterogenen Linie zu gewährleisten. In der aktuellen Grippevakzine ist eine Influenza-B/Yamagata-Linie enthalten.

Wie die bisherigen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Südhalbkugel zeigen, ist dort die Grippesaison auch im zweiten Pandemiejahr ausgefallen. Dort endet die Grippesaison im Oktober. Was das für die auf der Nordhalbkugel nun beginnende Saison bedeutet, ist unklar.

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