PTA-Forum online
Weniger ist mehr

Pflege für die Babyhaut

An gut gemeinten Ratschlägen im Umgang mit dem Nachwuchs mangelt es frisch gebackenen Eltern meist nicht. Doch das fördert eher die Verunsicherung anstatt sie abzubauen. Was die Hautpflege des Babys angeht, können PTA und Apotheker mit kompetenter Beratung Sicherheit vermitteln.
Elke Wolf
10.10.2019
Datenschutz

Berliner Dermatologen haben zusammen mit Hautexperten aus verschiedenen europäischen Ländern 2016 in der Fachzeitschrift »Pediatric Dermatology« wichtige Ratschläge für eine evidenzbasierte Säuglingspflege zusammengefasst. Die Dermatologen überarbeiteten dabei die Empfehlungen zur Pflege der Säuglingshaut aus dem Jahr 2009, indem sie neue Studiendaten zugrundelegten.

Die erste Neuerung betrifft bereits die Pflege der Haut direkt nach der Geburt: Generationen von Hebammen badeten die gerade zur Welt gekommenen Babys relativ zeitnah und wuschen damit vermutlich einen Großteil der Käseschmiere einfach ab. Doch das soll nicht mehr sein. Neugeborene sollen nur vorsichtig mit einem Handtuch trocken getupft und die Käseschmiere einmassiert werden, schreiben die Pädiater in ihrer Empfehlung. Aufgrund der Zusammensetzung aus Wasser, Proteinen und Lipiden versprechen sich die Dermatologen von der Käseschmiere einen Schutz vor Austrocknung und Infektionen. Gegen den Wärmeverlust direkt nach der Geburt wirkt sie isolierend.

Das erste Bad soll nach Expertenmeinung nun erst erfolgen, wenn sich die Körpertemperatur stabilisiert hat, um zu verhindern, dass das Kind beim Baden auskühlt. Wann der Zeitpunkt gekommen ist, ist individuell unterschiedlich und kann auch mehrere Wochen dauern. Am besten holt man sich diesbezüglich Rat bei der Hebamme. Dann aber ist zwei- bis dreimal wöchentliches Baden über jeweils fünf bis zehn Minuten empfehlenswert, auch dann, wenn die Nabelschnur noch nicht abgefallen ist.

Dem Bad in der Wanne oder Eimer wird ausdrücklich der Vorzug vorm Waschen gegeben. Abendliches Baden fördere das Einschlafen, stimuliere das Tastempfinden und stärke die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind, so die Hautexperten. Badewanne und -spielzeug sind nach den neuen Empfehlungen beim Bad zu Hause nicht mehr zu desinfizieren, sondern lediglich sauber zu halten. Eine weitere Änderung betrifft die Raumtemperatur: Idealerweise liegt sie nicht mehr zwischen 21 und 22 °C, sondern darf bei bis zu 24° C liegen. Die Wassertemperatur sollte rund 37° C betragen.

Mit oder ohne Zusatz?

Pur baden oder milde Zusätze ins Wasser geben? Laut Experten ist beides möglich. Milde speziell für die Babyhaut entwickelte flüssige Reinigungspräparate in Form von Waschlösungen, -lotionen oder -ölen schaden der Säuglingshaut nicht. Sie bestehen in der Regel aus anionischen oder nichtionischen Tensiden oder aus Ampholyten und ihren Mischungen. Zugefügt sind ihnen idealerweise Rückfetter, Feuchthaltestoffe und beruhigende Zusätze. Zubereitungen zur Pflege von Säuglingen sollten generell eine gewisse Pufferwirkung haben, sodass sie den leicht sauren pH-Wert bei etwa 5,5 halten können. Aggressive oberflächenaktive Inhaltsstoffe wie Natriumcocoat oder Natriumlaurylethersulfat sind zu meiden. Da sie stark alkalisch sind, trocknen sie die junge Haut aus und putzen den Hautlipidmantel von der Haut.

Wie steht es um die Pflege der Haut nach dem Bad? Während Kinder früher nur dann eingecremt werden sollten, wenn die Haut zu Trockenheit oder atopischer Dermatitis neigt, sehen die Experten heute in der Hautpflege weitere positive Aspekte. Emollenzien, also hautpflegende Stoffe wie Lipide, Öle, Wachse, aber auch feuchtigkeitsbindende Substanzen, die in die Zwischenräume der Hornzellen eindringen und eine angenehme Haptik erzeugen, können dazu beitragen, die Hautbarriere zu erhalten und zu verbessern. Besonders profitieren laut den Berliner Dermatologen Kinder mit atopischer Dermatitis beziehungsweise einer Neigung zu dieser Hauterkrankung. Dabei sollten Pflegeprodukte nach dem Baden, mindestens aber zweimal in der Woche aufgetragen werden.

Die Jahreszeit ist bei der Auswahl der Zubereitung zu berücksichtigen. Bei kühleren Temperaturen soll der Lipidanteil höher als der Wassergehalt sein, in den wärmeren Sommermonaten genügt eine weniger reichhaltigere Pflege.

Stichpunkt Mineralöl: Auch wenn zahlreiche Zubereitungen für die Reinigung und Pflege der Babyhaut ohne auskommen, gibt es nicht wenige, deren Grundlage aus Mineral- oder Paraffinölen besteht. Besonders aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz MOAH für mineral oil aromatic hydrocarbons, können potenziell krebserregende Substanzen wie polyzyklische Kohlenwasserstoffe beinhalten, die durch die Haut penetrieren, teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2018 mit. Aus Sicht des BfR sind nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch keine gesundheitlichen Folgen zu erwarten. Eine Häufung von Hauterkrankungen oder Tumoren sei weder bei Kindern noch bei Erwachsenen beobachtet worden. Dennoch empfiehlt das BfR, die MOAH-Konzentrationen in Kosmetika zu reduzieren.

Empfindliche Stellen

Babyöle haben neben Bad und Pflege den sogenannten Kopfgneis als Indikation. Bei dieser Manifestationsform der seborrhoischen Säuglingsdermatitis bilden sich etwa ab der zweiten Lebenswoche bis zum sechsten Lebensmonat kleieförmige, fettige, gelb-braune, fest haftende Schuppen auf der Kopfhaut. Grund ist eine gesteigerte Talgdrüsenfunktion. Die Talgproduktion wird nach der Geburt durch Androgene, die über die Muttermilch übertragen werden, gesteigert.

Zwar besteht aus medizinischer Sicht keine Behandlungsnotwendigkeit, doch wünschen viele Eltern eine einfache und effektive Möglichkeit, die Schuppen zu entfernen. Die Schuppen dürfen auf keinen Fall abgekratzt werden. Zu empfindlich würde die Babyhaut mit entzündeten Wunden reagieren. Am besten löst man die Schuppen, indem man eine Öl-haltige Zubereitung über Nacht einwirken lässt. Geeignet sind Mandel-, Macadamia- oder Jojobaöl. Das mitunter empfohlene Olivenöl wirkt dagegen austrocknend. Des Morgens lässt sich dann das Öl mit den angelösten Schuppen mit einem milden Waschgel wieder entfernen. Unterstützend können die Eltern mit einer extra weichen Babyhaarbürste die angelösten Schuppen auskämmen.

Abzugrenzen davon ist eine frühe Form der atopischen Dermatitis, die sich jedoch meist erst im dritten bis fünften Lebensmonat entwickelt. Dabei präsentieren sich die Schuppen eher hart, es bilden sich Verkrustungen und die Kopfhaut ist teilweise entzündet. Die Schuppen erinnern an das Aussehen von angebrannter Milch, weshalb dieser Zustand häufig mit dem Begriff Milchschorf bezeichnet wird. Diese Schuppen sind ein Fall für den Kinderarzt und sollten nicht in Eigenregie behandelt werden.

Die Berliner Hautexperten machen darüber hinaus darauf aufmerksam, dass die Region um den Säuglingsmund besonderes Augenmerk verlangt, vor allem wenn es ans Zahnen geht. Beim Zahnen oder unter einem Schnuller kann herausfließender Speichel die Haut irritieren. Generell sollte jede Hautreizung oder -veränderung dem Kinderarzt vorgestellt werden, raten die Experten.

Besonderer Pflege bedarf auch die Windelregion. Die Experten raten, die Windeln so oft wie möglich zu wechseln, damit der Po sauber und trocken bleibt und eine Windeldermatitis vermieden wird. Po und Genitalbereich werden am besten mit lauwarmem Wasser oder Feuchttüchern, die frei von Alkohol, Farb- und Duftstoffen sein sollten, gereinigt – auch dann, wenn das Baby nur ein kleines Geschäft verrichtet hat. Der Harnstoff aus dem Urin verteilt sich in der gesamten Windelregion und kann die Haut reizen. Nach der Reinigung ist die Haut vorsichtig trocken zu tupfen. Wunde Stellen sind möglichst schnell zu behandeln. Der Klassiker ist Zinkoxid, da es austrocknend und schwach desinfizierend wirkt. Liegt eine Besiedelung mit Candida albicans vor, helfen Nystatin- oder Miconazol-haltige Zubereitungen.

Mehr von Avoxa