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Zusatzstoffe in Kosmetika

Weniger ist mehr

In den Beiträgen der Dermokosmetik-Serie lesen Sie für gewöhnlich, welche Inhaltsstoffe dermokosmetische Zubereitungen enthalten sollten, um der Haut Gutes zu tun. Doch wie sieht eigentlich der umgekehrte Fall aus? Auf welche Zusatzstoffe sollten Anwender besser verzichten?
Elke Wolf
12.02.2019
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In der Kosmetikbranche gibt es einen neuen Trend: »Frei von …« ist quasi das neue »Bio«. Immer mehr Hersteller deklarieren heute auf der Verpackung, welche als schädlich geltenden Stoffe im Präparat nicht enthalten sind. Unge­liebte Ingredienzien sind etwa Parabene beziehungsweise generell Konser­vierungs­mittel, aber auch synthetische Parfum- und Duftstoffe, Sulfate, Mineralöle wie Paraffin, Silikone, Polyethylenglykol, Mikroplastik und Nanopartikel.

Parabene in Verruf

Parabene haben einen schlechten Ruf. Dabei sind die p-Hydroxybenzoesäureester, auch PHB-Ester genannt, die am häufigsten in Kosmetika eingesetzten Konservierungsstoffe. Methyl-, Ethyl-, Butylparaben und Co. können zwar unstrittig Kontaktallergien aus­lösen. Der Betroffene reagiert dann auch auf andere Substanzen, die im Molekül­ p-Hydroxygruppen besitzen. Doch in Relation zu ihrem häufigen Einsatz auch in Arzneimitteln, Lebens­mitteln oder Kosmetika geschieht dies nicht so oft, wie man aufgrund der häufig ge­äußerten Kritik vermuten könnte.

Zum schlechten Image der Parabene haben auch Studien beigetragen, die einen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Brustkrebs und dem Kontakt mit diesen Substanzen herstellen. Parabene haben eine schwache, Estrogen-ähnliche Wirkung, da sie den gleichen Rezeptor aktivieren wie das Hormon Estradiol. Nach Meinung­ des Bundesinstituts für Risiko­bewertung (BfR) lässt sich jedoch aufgrund bisheriger Studienergebnisse kein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Stoffen und der Ent­stehung von Brustkrebs herstellen. Das Institut sieht deshalb derzeit den ge­nerellen Ersatz von Parabenen in kosme­tischen Mitteln nicht als sinnvoll an. Viele der gegenwärtig verwendeten anderen Konservierungsstoffe hätten­ überdies ein deutlich höheres allergenes Potenzial.

Praxistipp: Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Kunden, die zu allergischer Haut neigen, besser kosmetische Zubereitungen verwenden, die frei von Konservierungsstoffen sind. Bei zerti­fizierten Natur- oder Dermokosmetika wird man oft fündig. Es empfiehlt sich für die Wahl des geeigneten Präparats, die Eintragungen im Allergiepass mit dem Inhaltsstoffverzeichnis zu ver­gleichen.

Sulfat überholt

Tenside der ersten Generation, allen voran Natriumlaurylsulfat (INCI: Sodium Lauryl Sulfate), haben zwar eine gute reinigende Wirkung, entziehen Haut und Haaren aber viel Feuchtigkeit. Die Haut reagiert mit Rötung und Schuppenbildung, Haare werden spröde. Heute sollte ein empfehlenswertes Präparat zur Gesichts-, Körper- und Haarreinigung kein Natriumlaurylsulfat mehr enthalten. Die Substanz gilt gar als Prototyp eines anionischen Tensids mit hohem Reinigungspotenzial, aber schlechter Hautverträglichkeit. Es wird als »Negativstandard« bei der Beurteilung der Hautverträglichkeit von Tensiden auf die Haut verwendet.

Praxistipp: Schwach saure syn­thetische Detergenzien (Syndets) bewirken eine viel geringere Störung des Hydrolipidfilms und eine minimale Quellung der Haut. Alkylethersulfate wie Natriumlaurylethersulfat oder Isethionate, wie Natriumcocoylisethionat, gelten als wesentlich mildere Weiter­entwicklungen des Natrium­laurylsulfats. Weitere häufig verar­beitete, noch mildere synthetische Tenside der inzwischen dritten Generation sind die Sulfosuccinate oder Kokos- und Zuckertenside.

Paraffin macht dicht

Paraffinöl (INCI: Paraffinum liquidum), Hartparaffin (INCI: Paraffin) und Vase­line (INCI: Petrolatum) sind als ge­sättigte Kohlenwasserstoffe die bekanntesten Vertreter in der Kosmetik, die durch Raffinierung, Extraktion und Hydrierung von Erdöl gewonnen werden. Auch wenn die Begriffe Cera microcristallina, Microcristallina wax, Ceresin, Mineral oil oder Ozokerit in der Inhaltsstoffliste auftauchen, enthält das Kosmetikum Mineralöle.

Ihre Verwendung ist nicht unumstritten, da man ihnen nachsagt, durch ihre wachsartige Konsistenz die Haut abzudecken und den transepidermalen Wasser­verlust zu behindern. Wenn jedoch die Zubereitung ein gutes Spreitvermögen zeigt – was man etwa durch den Zusatz hoher Konzentrationen von Wachsestern oder verschiedene Emulgatoren erreichen kann – und nicht mehr als 10 Prozent der gesättigten Kohlenwasserstoffe in der Lipidphase enthalten sind, wird ihr Einsatz akzeptiert. Un­abhängig davon ist ein gewisser okklusiver Effekt in vielen Fällen erwünscht, so bei trockener, barrieregestörter Haut, in der Babypflege oder bei der Anwendung von Hautschutzsalben.

Praxistipp: Besonders in Zubereitungen für alternde Haut empfiehlt es sich, auf gesättigte Kohlenwasser­stoffe zu verzichten. Wissenschaftler vermuten, dass durch das Abdecken der Haut ein unerwünschtes Signal an die Basalschicht gesendet wird, wodurch­ die ohnehin verminderte Regeneration der Epidermis zusätzlich verlangsamt wird. Dermatologen empfehlen, Pflanzenöle vorzuziehen, da sie den natürlichen Fetten der Haut ähneln­ und daher besser in den Hydrolipidmantel integriert werden können.

Silikone nur oberflächlich

Silikonöle sind hochmolekulare Siliciumverbindungen, die als Lipidkomponenten weit verbreitet sind. Die synthetischen Polymere werden aufgrund ihrer entschäumenden Wirkung bei der Herstellung von O/W-Emulsionen verwendet. Substanzen wie Dimethylpolysiloxan (INCI: Dimethicone) oder

Phenylmethylpolysiloxan (INCI: Phenyl Trimethicone) sind wasserabweisend und verfügen über ein gutes Spreit­vermögen. Sie wirken in Cremes und Lotionen wie optische Weichzeichner, weil sie Fältchen vorübergehend auf­füllen und ein seidiges Gefühl auf der Haut hinterlassen, ohne den trans­epidermalen Wasserverlust einzudämmen. In Shampoos und Haarkuren sorgen­ Silikone­ für bessere Kämm­barkeit und Glanz, da sie sich wie ein Film um das Haar legen.

Praxistipp: Silikone bleiben auf der Hautoberfläche sitzen, sie besitzen somit keinen regenerierenden Effekt. Achtung auch bei der Verwendung in der Haarpflege: Bei Dauergebrauch können sie das Haar beschweren. Ein Hinweis für Umweltbewusste: Silikone gelten zwar nicht als gesundheitsschädlich, doch belasten sie die Umwelt, da sie nur schwer abbaubar sind.

PEG macht porös

Polyethylenglykole (INCI: PEG) sind Polykonden­sationsprodukte des Ethylenoxids. Ihre Konsistenz wird mit steigen­dem Polymerisationsgrad immer fester. Durch Mischen fester und flüssiger Komponenten erhält man eine salbenartige Konsistenz, die als wasserfreie und mit Wasser abwaschbare Grundlagen eingesetzt werden. Flüssige PEG werden als Verdickungsmittel und Emulgatoren, feste PEG als Konsistenzgeber in zahlreichen Beautyprodukten wie Lippenstiften und Topika eingesetzt.

In die Kritik geraten sind PEG-hal­tige Zubereitungen wegen ihrer Neigung zur Autoxidation. Unter Einfluss von Licht und Sauerstoff werden sie zu Peroxiden oxidiert, die wiederum unter Radikalbildung zerfallen. Zudem entfetten einige der PEG-Vertreter die Haut und machen sie durchlässiger. Das macht die natürliche Schutzbarriere leichter angreifbar und erhöht die Penetrationsfähigkeit in die Haut – sowohl für wünschenswerte pflegende Substanzen als auch für Schadstoffe. Das kann die Haut irritieren.

Praxistipp: Kunden mit empfindlicher trockener Haut, mit Diabetes, Neurodermitis oder Psoriasis sind PEG-freie Dermokosmetika zu empfehlen.

Zudem ist die Herstellung von Polyethylenverbindungen nicht gerade umweltfreundlich. Die meisten Hersteller sind bemüht, den Einsatz der Verbindungen zu begrenzen oder ganz darauf zu verzichten. Wegen ihrer günstigen technologischen Eigenschaften ist ein völliger Verzicht jedoch momentan schwierig.

Unsichtbare Gefahr

Das führt direkt zum neuen Schlagwort: Mikroplastik. So werden feste und unlösliche synthetische Polymere bezeichnet, die kleiner als 5 mm sind. Diese Kunststoffe sind in der Kosmetikindus­trie äußerst beliebt, etwa als Schleifpartikel, als Binde- oder Füll­mittel oder als Filmbildner, und zwar partikulär als Mikro­plastik und auch in flüssiger Form. Die Partikel gelangen über die Abflüsse von Waschbecken und Badewannen in die Kanalisation und schließlich in die Meere. Die Kläranlagen können Kunststoffe meist nicht ausreichend aus dem Abwasser herausfiltern.

In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten Kosmetikhersteller angekündigt haben, kein Mikroplastik mehr für die Produktion ihrer Zubereitungen zu verwenden, ist die Liste von Pflegepro­dukten, die Mikroplastik enthalten, sehr lang. Das zeigt eine aktuelle Aufstellung des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) unter www.bund.net . Folgende Bezeichnungen in der Inhaltsstoffliste lassen auf Mikroplastik im Produkt schließen: Acrylat­ Copolymer (AC), Acrylate Crosspolymer (ACS), Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Nylon-12, Nylon-6, Polyurethan (PUR), Polyacrylat (PA), Poly­methyl­methacrylat (PMMA), Polystyren (PS) und Polyquaternium (PQ).

Mikroplastik-Teilchen sind nicht mit den ebenfalls winzig kleinen Nanopartikeln zu verwechseln. Nanopartikel sind definitionsgemäß artifiziell her­gestellte Teilchen mit einer Größe zwischen­ 1 und 100 Nanometer. Sie begegnen der PTA und dem Apotheker quasi täglich in Form von Titandioxid und Zinkoxid als physikalische Lichtschutzfilter, die in nanopartikulärer Form in Sonnenschutzmittel einge­arbeitet sind. Ihr Einsatz gilt als sicher. Zahlreiche Untersuchungen bestätigen, dass weder ultra­feine Titandioxid- noch Zinkoxid-Partikel die Hornschicht der Haut zu durchdringen vermögen. Die Partikel verbleiben vielmehr in den oberen Schichten des Stratum corneums. In tiefere Hautschichten gelangen sie über die Haarfollikel. Dort verweilen sie eine gewisse Zeit, bevor sie etwa durch das Haarwachstum wieder Richtung­ Hautoberfläche zurücktransportiert werden. Seit 2013 besteht für Nanopartikel in Kosmetika eine Deklarationspflicht.

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