PTA-Forum online
Hitze, Haut und Mimik

Wenn die Maske nervt

Wer in bestimmten Momenten keinen Mund-Nasen-Schutz gegen Corona-Infektionen trägt, muss zum Teil tief in die Tasche greifen. Von 10 bis 1000 Euro reichen die Bußgelder – je nach Bundesland und Situation. Für viele Menschen sind die Masken ein lästiges Übel, vor allem an heißen Tagen. Auch in anderen Situationen stören sie. Was man dagegen tun kann – ein Überblick mit Tipps.
dpa
03.07.2020  14:00 Uhr

An warmen Tagen

Viele Menschen empfinden das Tragen einer Maske ohnehin schon als beklemmend. »An warmen Tagen kommt auch noch das Problem hinzu, dass man unter der Maske schwitzt«, sagt Dominic Dellweg, Arzt an der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Feuchtigkeit sei zudem eine günstige Umgebung für Krankheitserreger. Sie reduziere auch die Durchlässigkeit der Maske, so dass Atmen schwerer falle, so der Experte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Die Maske einfach lockerer zu tragen sei nicht empfehlenswert. Stattdessen sei es in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Patienten mit Luftnot, hilfreicher, Einwegmasken zu nutzen. Diese seien bei gutem Schutz luftdurchlässiger als Stoffmasken, sagt Dellweg.

Bei Irritationen der Haut

Wer seine Maske täglich lange tragen muss, kennt es vielleicht: Die Haut ist irritiert, gerötet oder es gibt Pickel. »Wichtig ist es, die Masken regelmäßig zu wechseln und zu reinigen, sonst kann es zu bakteriellen Infektionen im Gesichtsbereich kommen«, sagt Charité-Dermatologe Alexander Nast.

»Um Irritationen der Haut zu vermeiden, sollte darauf geachtet werden, dass die Masken zwar ausreichend eng anliegen, um Schutz zu bieten, gleichzeitig aber nicht zu stark reiben oder hinter den Ohren drücken.«

Allergiker sollten auch darauf achten, ob durch Gummizüge oder Duftstoffe nach dem Waschen der Stoffmasken Hautreaktionen auftreten und dann entsprechend eine andere Maske oder ein anderes Waschmittel verwenden.

Probleme bei der Verständigung

Sich offen ins Gesicht zu schauen und ohne Worte zu verstehen – mit Masken funktioniert das kaum. »Durch eine Maske, die mehr als die Hälfte des Gesichts bedeckt, fällt ein wichtiger sensorischer Kommunikationskanal weg oder wird stark begrenzt«, sagt die Berliner Charité-Psychologin Isabella Heuser. Menschen könnten die Signale ihres Gegenübers deshalb nicht mehr so schnell deuten. »Es ist einfach mühsamer und anstrengender zu wissen, was der andere meint«, ergänzt Heuser.

Dennoch sei es wichtig, Masken zu tragen. »Das hilft die Ansteckungsgefahr zu reduzieren und ist so ein Zeichen der Solidarität«. Insgesamt werde das Miteinander schwieriger, wenn man immer auf Abstand gehen müsse. Heuser geht aber davon aus, dass es eine Frage der Gewöhnung sei auch wenn die Übergangszeit schwierig sei».

Im Kreißsaal

Bei einer Geburt ist Atmen besonders wichtig. Trotzdem gelte in einigen Krankenhäusern bundesweit eine Maskenpflicht auch für Gebärende, kritisiert der Verein »Mother Hood«. »Das macht vielen Frauen Angst«, sagt Sprecherin Katharina Desery. Die Krankenhäuser wollten ihr Personal schützen. Das dürfe aber nicht zu Lasten der Frauen gehen. Auch der Deutsche Hebammenverband betont, wie wichtig das freie Atmen während der Geburt sei und dass dies mit Mund-Nasen-Schutz nur eingeschränkt oder gar nicht möglich sei.

Könnten Hebammen und Ärzte durch das Tragen einer medizinischen Maske geschützt werden, erübrige sich das Tragen einer Mund-Nasen-Schutz-Maske für die Gebärende, so der Verband. So halten es in Berlin zum Beispiel die Geburtskliniken des landeseigenen Konzerns Vivantes. Wenn die Gebärdende keine Coronainfektion hat, braucht sie keine Maske zu tragen – alle anderen im Kreißsaal aber schon, sagt Sprecherin Mischa Moriceau.

Mit Hörgerät und Brille

Für Menschen mit Hörgeräten können Masken ein teures Vergnügen werden. Wenn sich die Hörhilfen beim Auf- oder Absetzen der Mund-Nasen-Bedeckung hinter dem Ohr lösen, bekommen Hörbehinderte das oft nicht mit. Denn sie hören das Geräusch beim Aufprall des Geräts auf den Boden oft nicht. Passanten können hier wachsam sein und helfen.

Auch beschlagene Brillengläser über einer Maske können insbesondere sehbehinderten Menschen die Orientierung erschweren. Ein anliegender Drahtbügel an der Oberseite der Mund-Nasen-Bedeckung kann helfen. Dann entweicht weniger Atemluft nach oben. Eine Maske im «Entenschnabel-Look» kann samt Bügel für weniger Beklemmung sorgen.

Bußgeld bei Missachtung der Maskepflicht

Bundesland Bußgeld bei Missachtung der Maskenpflicht
Baden-Württemberg 15 – 30 € (seit 4. Mai)
Bayern 150 €
• bei Kindern unter 14 Jahren für die strafmündige Begleitperson)
• Inhaber von Geschäften müssen dafür Sorge tragen, dass ihr Personal eine Mund-Nasen-Bedeckung trägt. Ein Verstoß hiergegen kann mit 5.000 € belegt werden.
Berlin 50 – 500 € (seit 27. Juni)
Brandenburg zunächst kein Bußgeld festgelegt
Bremen zunächst kein Bußgeld festgelegt
Hamburg 500 – 1.000 €
• nur für Ladeninhaber, die nicht darauf achten, dass die Kunden oder Angestellte einen Mundschutz tragen
Hessen 50 € für Wiederholungstäter
Mecklenburg-Vorpommern 25 €
Niedersachsen zunächst kein Bußgeld festgelegt
Ausnahme Wolfsburg: 50 €
NRW • zunächst kein Bußgeld festgelegt
• Ausnahmen: Aachen 35 €, Köln 150 €
• seit 4.Mai obliegt die Bemessung der Höhe den Ordnungsämtern
Rheinland-Pfalz 10 €
• tragen die Angestellten eines Geschäfts keine Maske, kann gegen den Inhaber ein Bußgeld von 250 € verhängt werden.
Saarland zunächst kein Bußgeld festgelegt
Sachsen zunächst kein Bußgeld festgelegt
Sachsen-Anhalt zunächst kein Bußgeld festgelegt
Schleswig-Holstein zunächst kein Bußgeld festgelegt
Thüringen 50 €
Quelle: Bußgeldkatalog.org
TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa